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Das Fanal von Charlottesville

Trumps Reaktion auf den rechtsextremen Terror in Virginia spaltet das Land weiter.

Was für eine erste Ferienwoche, die Donald Trump da hingelegt hat! Der US-Präsident scheint sich am besten zu entspannen, wenn er Wut, Hass und Angst verbreitet: Zunächst befeuerte er die Krise mit Nordkorea, dann jene in Venezuela, und nun hat er auch noch den rechtsextremistischen Terror in Charlottesville, Virginia, nur viertelherzig verurteilt und damit sein Land weiter gespalten.

Nach dem Aufmarsch von Verfechtern einer weissen Vorherrschaft blickt Amerika schockiert auf Charlottesville. Trump jedoch, sonst ein flinker Twitterer, hat lange geschwiegen – trotz Hakenkreuzfahnen, ­Hitlergruss und antisemitischen Parolen. Als er sich in seinem Golf-Resort dann doch noch äusserte, bemühte er sich, die Verantwortung einzuebnen, anstatt zu sagen, worum es ging – nämlich um Rassismus.

Bilder: Grossdemonstration in Charlottesville

Wollte kein «schnelles Statement» zu Charlottesville abgeben: US-Präsident Donald Trump im Trump Tower in New York. (15. August 2017)
Wollte kein «schnelles Statement» zu Charlottesville abgeben: US-Präsident Donald Trump im Trump Tower in New York. (15. August 2017)
Martinez Monsivais, Keystone
Laut Trump tragen beide Seiten eine Schuld an der Gewalt in Charlottesville. (12. August 2017)
Laut Trump tragen beide Seiten eine Schuld an der Gewalt in Charlottesville. (12. August 2017)
Steve Helber, Keystone
Ein Mitglied des Ku-Klux-Klan.
Ein Mitglied des Ku-Klux-Klan.
Andrew Caballero-Reynolds, AFP
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Mit Denkmälern für Südstaaten-Generäle wie jenem in Charlottesville sowie der Konföderiertenfahne wird die Sklaverei verherrlicht. Das dunkle ­Kapitel der US-Geschichte ist ein Trauma, das bei den Afroamerikanern bis heute nachwirkt. Doch auch dazu kein Wort von Trump, kein Zeichen von Empathie, keine Haltung. Umso mehr wird dessen Vorgänger vermisst, vor allem wenn es um die in den USA strapazierte Frage der Hautfarbe geht. Barack Obama stiftete selbst nach dem Massaker in Charleston Versöhnung, als 2015 ein weisser Rassist – und damit Geistesverwandter der Horden von Charlottesville – mehrere schwarze Kirchenbesucher tötete.

Amerika ist heute ein anderes Land. Trumps Wahl war ein Triumph rechtsextremer Gruppen, Charlottesville ist die Folge davon. Trumps treueste Fans freuen sich, dass der Präsident sie nicht ­anklagt. «Wir werden das Versprechen von Trump einlösen und unser Land zurückholen», ­kündigte ein früheres Mitglied des Ku-Klux-Klan an. Er weiss, er hat einen stillen Verbündeten im Weissen Haus.

Der US-Präsident hat eine Woche hinter sich, die seine Amtszeit prägen wird. Die Drohung mit dem Atomkrieg könnte zum Fanal werden für die ganze Welt, Charlottesville ist es bereits für Amerika. Warum nur macht Donald Trump nicht richtig Ferien?

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