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Das Chaos um minderjährige Migranten dauert an

In den USA sind noch immer sind Hunderte Kinder aus Migrantenfamilien von ihren Eltern getrennt – trotz richterlichem Beschluss.

Die US-Regierung will Kinder von Migranten auf unbestimmte Zeit inhaftieren können.
Die US-Regierung will Kinder von Migranten auf unbestimmte Zeit inhaftieren können.
Brendan McDermid, Reuters
Seit Mitte April haben die US-Behörden rund 2000 Kinder von ihren Eltern getrennt, die einen illegalen Grenzübertritt in die USA versucht hatten.
Seit Mitte April haben die US-Behörden rund 2000 Kinder von ihren Eltern getrennt, die einen illegalen Grenzübertritt in die USA versucht hatten.
AP Photo/Hans-Maximo Musielik, Keystone
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
AP Photo/John Minchillo, Keystone
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Die Frist, die ein Bundesrichter in San Diego der Regierung von Präsident Donald Trump gesetzt hatte, endete am Donnerstag um Mitternacht: Innerhalb von 30?Tagen mussten alle Kinder, die illegalen Einwanderern bei der Einreise in die USA im Frühling weggenommen wurden, wieder mit ihren Eltern zusammengeführt werden.

Bereits Stunden vor dem Ablauf der Deadline kündigte das zuständige Ministerium an, es sei der Anweisung des Gerichts nachgekommen: 1442 Kinder seien wieder bei ihren Familien. Man rechne damit, dass nun alle Familien wieder vereint seien, die dazu «berechtigt» seien, sagte ein Sprecher des Ministeriums in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Eltern bereits abgeschoben

Beendet ist das Chaos, das Trumps Regierung mit der Familientrennung ausgelöst hat, allerdings noch nicht. 711 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren warten weiterhin darauf, mit ihren Eltern zusammengeführt zu werden. Bei mindestens 431 Kindern war das nicht möglich, weil die US-Behörden deren Eltern bereits wieder in ihre Heimatstaaten abgeschoben haben und keine Informationen darüber haben, wo sich diese jetzt befinden. In mehreren Dutzend Fällen sahen die US-Behörden von einer Zusammenführung ab, weil die Eltern vorbestraft sind, weil Zweifel über das Wohlergehen der Kinder in ihrer Obhut bestünden oder weil die Eltern ansteckende Krankheiten hätten.

120 Eltern haben nach Darstellung der Regierung auf ihr Recht auf eine Zusammenführung verzichtet. Laut einer 125?Seiten langen Klage, die von der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (Aclu) eingereicht wurde, taten dies jedoch viele Eltern ohne ihr Wissen – oder weil sie von den US-Behörden getäuscht worden seien. «Einem Vater sagte man, wenn er das Formular nicht unterzeichne, werde er seine Tochter nicht wiedersehen», schreibt eine Aclu-Anwältin. Ein anderer Vater, der aus Guatemala stammt und nur die Maya-Sprache Akatek spricht, verstand laut der Klageschrift gar nicht, was er da unterschrieben hatte.

Ursprüngliche Liste war falsch

Kritiker werfen der Regierung zudem vor, dass sie viele Kinder mit schlecht geplanten Zusammenführungen ein zweites Mal traumatisiert habe. Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, sprach am Donnerstag vor Journalisten von 80 Kindern in seinem Bundesstaat, die diese Woche aus einer Betreuungsstätte hätten freigelassen werden sollen. Mehr als ein Dutzend weisse Busse warteten laut Cuomo bereits am Abend vor dem Heim darauf, die Kinder zum Flughafen zu fahren.

Dann aber habe sich herausgestellt, dass die ursprüngliche Liste falsch war: Nur 14 der Kinder wurden schliesslich zum Flughafen La Guardia gebracht. Dort merkte man, dass nur 7 Kinder auf einen Flug gebucht waren. Den Rest der Gruppe transportierte man zu einem anderen Flughafen, wo wiederum nur zwei Kinder abfliegen konnten. Die verbleibenden fünf Kinder wurden im Bus in das Heim zurückgefahren. «Dies ist schwere Inkompetenz und bewusstes Chaos», sagte Cuomo.

Null Toleranz

Auslöser der Familientrennungen war Trumps sogenannte Nulltoleranzpolitik gegen illegale Einwanderer, die der Präsident Mitte April angekündigt hatte. Wer in der Folge die Grenze zu den USA ohne gültige Papiere überquerte, wurde festgenommen und strafrechtlich verfolgt. Weil es verboten ist, Kinder gemeinsam mit den Eltern einzusperren, landeten die Eltern im Gefängnis, während die Kinder separat in Sammelzentren und Heimen im ganzen Land untergebracht wurden. Zwischenzeitlich waren mehrals 2500 Kinder in Obhut derUS-Behörden.

Bilder: US-Behörden trennen 2000 illegal eingewanderte Familien

Hunderte dürfen zurück zu ihrer Familie: Ein Bus der US-Grenzbehörde voller Migranten-Kinder am 23. Juni 2018 in Texas.
Hunderte dürfen zurück zu ihrer Familie: Ein Bus der US-Grenzbehörde voller Migranten-Kinder am 23. Juni 2018 in Texas.
Spencer Platt, AFP
Mit dieser Jacke goss Melania Öl ins Feuer: Nach ihrem Besuch eines Aufnahmezentrums für Kinder in Texas trug sie eine olivgrüne Jacke mit dem Spruch: «Es ist mir wirklich egal. Euch auch?». (21. Juni 2018)
Mit dieser Jacke goss Melania Öl ins Feuer: Nach ihrem Besuch eines Aufnahmezentrums für Kinder in Texas trug sie eine olivgrüne Jacke mit dem Spruch: «Es ist mir wirklich egal. Euch auch?». (21. Juni 2018)
Chip Somodevilla, AFP
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
AP Photo/John Minchillo, Keystone
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Nach grosser Empörung in der amerikanischen Öffentlichkeit stoppte Trump diese Praxis am 20.?Juni per Dekret – dieses untersagte es, Kinder und Eltern weiterhin zu trennen. Erwachsene, die mit ihren Kindern illegal über die US-Grenze kommen, werden seither als Familie festgehalten. Ob das legal ist, ist allerdings umstritten.

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