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Da stimmt die Chemie

Dem neuen US-Aussenminister Mike Pompeo fehlt der Sinn für Diplomatie.

Konservativer Hardliner: Mike Pompeo, hier bei einer Anhörung in Washington Mitte Februar. Foto: Leah Millis (Reuters)
Konservativer Hardliner: Mike Pompeo, hier bei einer Anhörung in Washington Mitte Februar. Foto: Leah Millis (Reuters)

Der US-Präsident lobt seinen künftigen Aussenminister. «Er wird ein Star sein!», twittert Donald Trump in der für ihn typischen zurückhaltenden Art. Das war vor gut einem Jahr, und der Aussenminister hiess Rex Tillerson. Nur Monate später begann der Präsident, seinen Minister erst lächerlich zu machen, dann regelrecht zu sabotieren. Dann entliess er ihn.

Mike Pompeo sah sich das Drama um Tillerson aus der ersten Reihe an. Er war zu dieser Zeit CIA-Direktor. Und er war wohl nicht ganz unschuldig daran, dass Trump seine Meinung über seinen Aussenminister so radikal änderte. Denn immer wenn Tillerson den Präsidenten zu Vernunft und Mässigung in der Aussenpolitik mahnte, liess Pompeo wissen, dass er von derart Leisetreterei nichts hält. Bei vielen Streitereien über den Kurs der amerikanischen Aussenpolitik, ob beim Klimaschutz, in der Jerusalem-Frage oder beim Umgang mit dem Iran, standen Trump und Pompeo auf der einen Seite, Tillerson war allein auf der anderen. Oft war das die Verliererseite.

Michael Richard Pompeo bringt für sein neues Amt eine gute und eine weniger gute Eigenschaft mit. Die gute: Er hat ein enges Verhältnis zu Trump. Auf Tillerson hat der Präsident kaum gehört, Pompeos Einfluss könnte grösser sein. Für Regierungen in aller Welt bedeutet dies, dass sie es künftig in Washington mit einem Aussenminister zu tun haben, der in der Aussenpolitik tatsächlich mitreden kann. Darum freuen sich viele US-Diplomaten auf Pompeo. Unter Tillerson blutete das State Department regelrecht aus. Jetzt hoffen die Mitarbeiter auf eine Wiederbelebung, und sei es unter einem Minister, der für seine Kernaufgabe – die Diplomatie – wenig übrig hat.

Denn das ist die weniger gute Eigenschaft Pompeos: Der 55-jährige ehemalige Kongressabgeordnete aus Kansas ist ein konservativer Hardliner. Bevor er in Harvard Jura studierte, war Pompeo an der Militärakademie West Point und Offizier im 7. Kavallerieregiment, mit dem er am Golfkrieg teilnahm. Pompeo teilt Trumps Vorstellung von einer America-first-Politik. Er und der Präsident hätten ein ähnliches Weltbild, sagen Diplomaten. Werte, Bündnisse, Völkerrecht, all das also, was einen Gutteil der täglichen Arbeit von Diplomaten ausmacht, sind dagegen nicht Pompeos Sache. Darum befürwortet der künftige Aussenminister gegenüber feindseligen Staaten wie dem Iran oder Nordkorea ein deutlich aggressiveres Vorgehen als sein Vorgänger. Und das dürfte früher oder später auch das Verhältnis zu Europa betreffen.

Präsident Trump hat seinen neuen Aussenminister jetzt mit Vorschusslorbeeren bedacht wie vor einem Jahr seinen alten. Zwischen ihm und Pompeo stimme die Chemie, er habe jetzt fast das Kabinett, das er sich wünsche, sagte der Präsident. Darüber kann sich Pompeo durchaus freuen. Aber Trumps Lobgesänge halten manchmal nicht länger als ein Tweet.

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