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Comey-Anhörung erinnert Frauen an sexuelle Belästigung

Der Ex-FBI-Chef fühlte sich in Gesprächen mit Trump «unwohl», traute sich aber nicht, seinem Chef zu widersprechen – eine Situation, die viele Frauen kennen.

Im Scheinwerferlicht: James Comey muss dem US-Senat über seine unangenehmen Treffen mit Präsident Trump berichten.
Im Scheinwerferlicht: James Comey muss dem US-Senat über seine unangenehmen Treffen mit Präsident Trump berichten.
Reuters

Neunmal sprach James Comey persönlich mit Donald Trump, dreimal unter vier Augen und sechsmal am Telefon. Es waren ungemütliche Gespräche, wenn man den Schilderungen des ehemaligen FBI-Direktors glaubt. «Ich fühlte mich unwohl», sagte Comey bei der Anhörung vor dem US-Senat über ein Nachtessen mit dem Präsidenten. Als Trump Loyalität eingefordert habe, sei es zu einer «unangenehmen Stille» gekommen, während der er sich «weder bewegt, noch gesprochen oder seinen Gesichtsausdruck verändert» habe, sagte Comey.

Auch Trumps Forderung nach einer Einstellung der Ermittlungen gegen den früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn wies der Ex-FBI-Chef nicht sofort zurück. Er habe das heikle Gespräch im Oval Office lieber schnell beenden wollen und Justizminister Jeff Sessions sogar gebeten, künftig direkte Treffen zwischen ihm und Trump zu vermeiden, erzählte Comey dem Senatsausschuss.

«Ich war so schockiert vom Gespräch, dass ich es einfach aufnahm.»

James Comey, ehemaliger FBI-Direktor

«Warum haben Sie nicht innegehalten und gesagt: Mister President, das ist falsch», fragte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein bei der Anhörung. «Vielleicht hätte ich das getan, wenn ich stärker gewesen wäre. Ich war aber so schockiert von dem Gespräch, dass ich es einfach nur aufgenommen habe», entgegnete Comey. Aber selbst wenn er das gekonnt hätte, sei er nicht sicher, ob er gewagt hätte, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten direkt zu widersprechen.

Comey fühlte sich allem Anschein nach sichtlich unbehaglich alleine in einem Raum mit Trump, den er als bedrohlich empfand. Trotzdem traute er sich nicht, seinem Chef zu widersprechen – eine Situation, die viele Frauen kennen. Das Gefühl ungleicher Machtverhältnisse gebe es auch bei sexueller Belästigung, meinten Dutzende Frauen auf Social Media.

Viele erkannten sich in den Aussagen des ehemaligen FBI-Direktors wieder. So schrieb eine Twitter-Userin: «Opfer von sexuellem Missbrauch und sexueller Belästigung wissen genau, was Comey meint, wenn er sagt, dass er zu schockiert war, um Trump zu sagen, er liege falsch.»

Eine andere Frau sprach von «Parallelen zu sexueller Belästigung», bei der es ebenfalls zu Druck, Bedrängnis und Beunruhigung kommen könne wie in den Gesprächen zwischen dem damaligen FBI-Chef und dem Präsidenten.

Ein Artikel der «New York Times», der das Thema ebenfalls aufgreift, gehört zu den derzeit meistgeteilten Beiträgen auf Social Media. «Ich fühlte mich an die Erfahrung einer Frau erinnert, die von ihrem mächtigen und lüsternen Boss belästigt wird», schreibt die Autorin darin über die Anhörung. Bei Comey und Trump habe es genau diese unheimliche Stimmung von Zwang gegeben, bei der ein Angestellter Kontakt mit seinem Arbeitgeber vermeide, der versuche zu kriegen, was er wolle.

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