Beste Feinde

CNN-Korrespondent Jim Acosta hat Hausverbot im Weissen Haus. Seine Wortgefechte mit Donald Trump sind längst legendär.

Donald Trump hat ein zwiespältiges Verhältnis mit den Medien: die grössten Auseinandersetzungen im Video. Quelle: AP, The White House, PBS und BBC News

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Jim Acosta macht eigentlich nur das, was zu seinem Journalistenjob gehört: Er stellt Fragen, hakt nach, immer wieder. Aber er nervt mit seinen Fragen – den mächtigsten Mann der Welt und dessen Medienleute. Im Weissen Haus wird der bekannte CNN-Korrespondent bis auf weiteres keine Fragen mehr stellen dürfen. Nach dem gestrigen Eklat an der Medienkonferenz von Präsident Donald Trump ist Acosta die Akkreditierung entzogen worden.

Bei einem Wortgefecht hatte Trump den Journalisten als «Feind des Volkes» beschimpft. Und weiter: «Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person.» Dabei stellte Acosta nur Fragen zur angeblich bevorstehenden Invasion von Migranten aus Zentralamerika. Im Midterm-Wahlkampf machte Trump Stimmung gegen Immigranten. Der Kampf gegen Zuwanderung ist ein Lieblingsthema von Trump.

Sohn eines kubanischen Flüchtlings

Diese Art von Angstmacherei muss Acosta nicht nur aus der Sicht eines kritischen Journalisten missfallen haben. Denn Acosta ist der Sohn eines kubanischen Flüchtlings, der 1962, im Jahr der Kubakrise, in die USA gekommen war. Nach Ansicht des 47-jährigen Journalisten gehören Einwanderung und USA zusammen.

Ein Ärgernis für Donald Trump: Journalist Jim Acosta. Foto: Reuters

Der CNN-Mann, der laut einem Trump-Tweet «verrückt» ist, sieht es als seine Pflicht an, sich für zwei Personengruppen besonders einzusetzen: die Journalisten und die Immigranten. «Der Präsident der USA müsste ein Champion sein für die Meinungs- und Medienfreiheit», sagte einst Acosta. «Und er sollte ein Champion sein für die Immigranten.» Die Vereinigung der hispanoamerikanischen Journalisten hat Acosta im vergangenen Jahr ihren extra geschaffenen Präsidenten-Award verliehen. Bei den Trump-Fans ist Acosta verhasst. Nicht selten wird er beschimpft und bedroht.

«Ihr seid Fake News»: Eklat im Trump Tower

Bei der Medienkonferenz nach den Midterms am Mittwoch war es nicht das erste Mal, dass Trump und Acosta heftig aneinandergeraten sind. Die in Feindschaft ausgearteten Streitereien begannen im Präsidentschaftswahlkampf. Bei einem Treffen mit Journalisten im Mai 2016 unterbrach Trump den Fragesteller Acosta. «Ich habe Sie im Fernsehen gesehen. Sie sind eine echte Schönheit», sagte Trump sarkastisch.

Zu einem veritablen Eklat kam es am 11. Januar 2017 im Trump Tower in New York, wo Trump seine erste Medienkonferenz als Präsident der USA abhielt. Dabei wollte Acosta nur eine Frage zur russischen Einmischung bei den US-Wahlen stellen. «Nicht Sie. Ihre Organisation ist furchtbar», fauchte Trump. «Ihr seid Fake News.» Das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und CNN und Acosta hat sich seitdem nicht verbessert.

Bashing gegen kritische Journalisten: Medienkonferenz von Präsident Donald Trump am 11. Januar 2017. Quelle: Youtube/ABC-News

Der ständige Zwist mit Trump hat die Karriere von Acosta befördert. Seit Anfang 2018 ist der vormalige Senior-Reporter von CNN der Chefkorrespondent des TV-Senders im Weissen Haus. Acosta gilt als kluger Kopf mit ausgeprägtem Ehrgeiz. Seine Karriere hatte Acosta nach dem Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaften an der James-Madison-Universität in Virginia begonnen. Von 2003 bis 2007 arbeitete er für CBS, dann wechselte er zu CNN. Er berichtete über Präsidentschaftswahlen und andere Grossereignisse. Acosta hat längst einen Starstatus in der US-Medienszene.

«Personifizierung der Anti-Trump-Bewegung»

Manche Berufskollegen im Weissen Haus loben ihn für seine Hartnäckigkeit und seinen Einsatz gegen das Medien-Bashing von Trump. Wenn Trump schimpft, schreit Acosta zurück. Acosta lässt sich nicht mundtot machen. Acostas Arbeitsweise sei nicht unproblematisch für einen Journalisten, monieren einige Kritiker. Ari Fleischer zum Beispiel, einst Mediensprecher von Präsident George W. Bush, kritisiert, dass Acosta mittlerweile «Teil der Story» sei. Er sei «eine Personifizierung der Anti-Trump-Bewegung» geworden. «Und das ist nicht die Rolle eines Reporters im Weissen Haus.» Andere Kritiker werfen dem CNN-Reporter einen Hang zur Selbstdarstellung vor.

Dazu kommt, dass Acosta dem Präsidenten und seinen Unterstützern willkommene Angriffsflächen bietet: Denn wer gegen Trump ist, ist auch gegen das amerikanische Volk. Wie die US-Zeitschrift «Politico» durchaus zu Recht feststellte, ist Acosta «der Lieblingsreporter des Weissen Hauses». Der CNN-Journalist und der Präsident werden sich weiter zanken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2018, 20:40 Uhr

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