Berater kehren Trump den Rücken

Nach mehreren Topmanager gibt nun auch der Chef des grössten Gewerkschaftsverbands aus Protest gegen die Politik von Trump den Job in einem Beratergremium auf.

Trump verliert an Rückhalt im US-Topmanagement. (Foto: dpa)

Trump verliert an Rückhalt im US-Topmanagement. (Foto: dpa)

Nach der umstrittenen Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf eskalierte Gewalt bei einer Demo von Rechtsextremisten hat sich ein Gewerkschaftschef von ihm abgewendet. «Wir können nicht im Beirat für einen Präsidenten sitzen, der Fanatismus und inländischen Terrorismus toleriert», sagte Richard Trumka am Dienstag, der den grössten Gewerkschaftsdachverband im Land, AFL-CIO, leitet. Trumps Aussagen vom Dienstag würden jene dementieren, die der Präsident noch am Vortag gegen Ku-Klux-Klan und Neonazis gemacht habe.

US-Präsident Donald Trump hat schon zuvor an Rückhalt unter wichtigen Wirtschaftsführern des Landes verloren. Nachdem sich bereits viele Konzernchefs nach seinem umstrittenen Einreisestopp für Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern und der Abkehr vom Klimaabkommen von Trump abgewendet hatten, zogen am Montag und Dienstag weitere Bosse ihre Konsequenzen aus seiner Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in der US-Stadt Charlottesville.

Nach dem Rücktritt des Merck & Co-Chefs Kenneth Frazier am Montag folgten jetzt die Unternehmenslenker von Intel und Under Armour, Brian Krzanich und Kevin Plank. Die beiden Vorstandschefs teilten ihren Rückzug aus einem Gremium mit, das den Präsidenten in Industriefragen berät («American Manufacturing Council»).

Intel-Chef Krzanich schrieb im Firmen-Blog, dass er mit dem Schritt den Blick auf den «ernsthaften Schaden» lenken wolle, den das politische Klima anrichte. «Ich trete zurück, weil ich Fortschritte machen möchte, während viele Leute in Washington mehr damit beschäftigt zu sein scheinen, jeden zu attackieren, der nicht mit ihnen übereinstimmt.»

Trump reagiert patzig

Plank teilte auf Twitter mit, dass er «sein Land und seine Firma liebe» und sich nun ganz auf «die inspirierende und vereinende Kraft des Sports» konzentrieren wolle.

Der Afroamerikaner Frazier hatte seinen Rückzug via Twitter begründet: «Ich fühle mich verantwortlich, Stellung gegen Intoleranz und Extremismus zu beziehen.»

Trump attackierte daraufhin den Merck-Chef und das Unternehmen scharf, ebenfalls auf Twitter. Der Pharma-Manager habe nun mehr Zeit, die Wucherpreise für Medikamente zu senken.

Und: «Für jeden CEO, der den Beirat verlässt, habe ich viele, die ihren Platz einnehmen können», twitterte er weiter und bezeichnete die Vorstandsvorsitzenden als Wichtigtuer, die sich gar nicht erst der Manufacturing Jobs Initiative hätten anschliessen sollen.

Trump zögert, distanziert sich und trotzt

In Charlottesville im Bundesstaat Virginia war es am Wochenende bei einer Kundgebung von Rassisten und Neonazis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Bei einer Attacke eines mutmasslichen Rechtsextremisten mit einem Auto starb eine 32-jährige Frau, 19 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Trump hatte sich erst nach langem Zögern deutlich von denrassistischen Ausschreitungen distanziert.

Video: Rassismus ist böse» Trump verurteilt rechte Gewalt

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag hatte Trump dann aber aufgebracht bekräftigt, für die Gewalt in der Stadt Charlottesville am Wochenende seien Demonstranten auf «beiden Seiten» verantwortlich gewesen. Er verteidigte zudem einige Demonstranten, die an der Seite von Ultrarechten liefen: Diese seien nicht alle Rechtsextremisten oder Vertreter der Überzeugung einer weissen Vorherrschaft, so Trump. Viele hätten einfach gegen die Beseitigung der Statue von Robert E. Lee, einem General der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg, protestiert.

Andere Berater zogen sich schon früher zurück

Im Juni hatten sich die Chefs des Elektroauto-Herstellers Tesla und des Medienkonzerns Disney, Elon Musk und Robert Iger, aus Trumps Beratergremien zurückgezogen.

Sie reagierten damit auf den umstrittenen Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Musk zog sich damals sowohl aus dem «American Manufacturing Council» als auch aus einem in allgemeinen Wirtschaftsfragen beratenden Gremium, dem «Business Advisory Council», zurück.

Anfang des Jahres hatte es bereits scharfe Kritik aus der Wirtschaft für das Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern gehagelt. Trump wurde vor allem von den auf Fachkräfte aus aller Welt angewiesenen Software- und Internetkonzernen an der Westküste angegriffen. Damals schied der Ex-Uber-Chef Travis Kalanick bereits aus.

SZ.de/sda/hgn

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