Zum Hauptinhalt springen

Barack Obamas Hilferuf aus der Air Force One

Auf dem Weg nach Washington hielt der US-Präsident in der Luft eine Telefonkonferenz mit seinen Geldgebern ab. Darin bat er um weitere Wahlkampfspenden – und zwar so schnell wie möglich.

Keystone

Barack Obama muss die Versäumnisse seines Vorgängers im Kopf gehabt haben, als er am Freitag durch das von Waldbränden gegeisselte Colorado Springs (Redaktion Tamediaberichtete) ging und den Betroffenen der Naturkatastrophe Mut zusprach. 2005 hatte George W. Bush nach dem Hurrikan Katrina die Verwüstung lediglich aus der Luft begutachtet und musste sich dafür harsche Kritik gefallen lassen. So schüttelte der jetzige US-Präsident die Hände von Feuerwehrleuten und anderen Helfern und sprach davon, das Amerika in Zeiten solcher Katastrophen zusammenstehen müsse. Gewiss war ihm bewusst, dass Colorado zu einem der wichtigsten Schauplätze bei der Präsidentenwahl im November zählt.

Trotz des gelungenen Medienauftritts im Krisengebiet und seines Erfolgs im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform muss Barack Obama auf dem Rückweg von Colorado Springs nach Washington offenbar eine kleine Wahlkampf-Panikattacke ereilt haben. In der Air Force One berief der US-Präsident nämlich in luftiger Höhe ein telefonisches Konferenzgespräch mit seinen Geldgebern ein und bat diese um mehr Geld für seinen Wahlkampf. Dies berichtet das US-Politmagazin «The Daily Beast», dem ein Tonbandmitschnitt des 18-minütigen von Barack Obamas finanziellem Hilferuf vorliegt.

Müde und beunruhigt

Auf den Aufnahmen klinge der Präsident müde und beunruhigt und so gar nicht wie ein Politiker, der erste gerade einen Sieg davon getragen hat und gemäss Umfragen in den Schlüsselstaaten vor seinem Opponenten liegt. «Die Mehrheit von euch ging bei meinem letzten Wahlkampf finanziell ans Limit», so der Präsident während des Gesprächs. «Ich bin wirklich darauf angewiesen, dass ihr das nun wieder macht.» Er brauche gleichviel oder gar mehr Geld als 2008, sagte Obama seinen Spendern weiter. Diesmal habe er es im Wahlkampf auf republikanischer Seite mit dem Geld der super PACs zu tun. «Stellen wir uns nicht auf diesen Kampf ein, glaube ich ernsthaft, dass sich die politische Szene in den USA für immer verändern wird. Die Financiers, die meinen Gegner unterstützen, haben nur ihre eigenen Interessen im Sinn. Und die Versuchen die Oberhand im Kongress und Weissen Haus zu gewinnen.»

Um nicht all zu pessimistisch zu klingen, hebe Barack Obama danach in der Konferenzschaltung die Errungenschaften seiner bisherigen Amtszeit hervor. Zudem sei er in der Bevölkerung stärker verankert, werde seine Botschaft im aktuellen Wahlkampf deutlich besser aufgenommen als jene von Mitt Romney. Deshalb sei es auch nicht nötig, mit dem Budget des Republikaners gleichzuziehen, denn «eine Handvoll Milliardäre kann nicht die Stimmen von Millionen ersticken.»

Tatsächlich liegt der US-Präsident zurzeit knapp vor seinem Widersacher Mitt Romney. Von den registrierten Wählern sprachen sich gemäss einer Umfrage vor einer Woche 47 Prozent für Obama und 44 Prozent für Romney aus. In den letzten Wochen konnte Obama von der Tatsache profitieren, dass sich Mitt Romneys geschäftliche Vergangenheit nicht mit seinem Wahlversprechen, für die Arbeiter Amerikas einzustehen, deckt. Wie die «New York Times» berichtet, war vor einigen Wochen ans Licht gekommen, dass Romney während 15 Jahren für den Finanzinvestor Bain Capital tätig gewesen war. Die Firma hatte sich im grossen Stil an Projekten beteiligt, die eine Verlagerung von amerikanischen Arbeitsplätzen in Billiglohnländer zum Ziel hatten.

«Noch heute oder so bald als möglich»

Dennoch hebt Barack Obama laut «The Daily Beast» die Dringlichkeit von weiteren Spenden noch einmal hervor. Je früher er weiteres Geld zur Verfügung habe, desto besser. Schliesslich entschieden die Finanzen darüber, ob und wann er in den wichtigen Bundesstaaten mit TV-Kampagnen starten könne. «Wir wollen auf keinen Fall, dass wir plötzlich dastehen und merken, dass Milliardär Mitt Romney ein Check über 20 Millionen Dollar ausgestellt und uns sämtliche Sendezeit zwischen September und Oktober weggeschnappt hat.

Schliesslich rief Barack Obama die Teilnehmer der Telefonkonferenz nochmals dazu auf «noch heute oder so bald als möglich» Geld zur Verfügung zu stellen. «Wir brauchen die Ressourcen um dem amerikanischen Volk absolut klar zu machen, wen sie wählen sollen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch