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Bald ausgebombt?

B-52, B-1 und B-2: Einst waren sie das Rückgrat der US-Verteidigung. Nun sind sie in die Jahre gekommen. Für die Air Force ist dies kein Grund, die Flugzeuge aufzugeben. Für andere schon.

Sollen modernisiert werden: Eine B-52 wirft zu Beginn des Afghanistan-Kriegs Bomben über dem Süden des Landes ab.
Sollen modernisiert werden: Eine B-52 wirft zu Beginn des Afghanistan-Kriegs Bomben über dem Süden des Landes ab.
Reuters
Langsam in die Jahre gekommen: Die US-Bomberflotte mit ihren Typen B-2 Spirit (unten), B-1B Lancer (Mitte) und B-52 Stratofortress (oben). (Archivbild)
Langsam in die Jahre gekommen: Die US-Bomberflotte mit ihren Typen B-2 Spirit (unten), B-1B Lancer (Mitte) und B-52 Stratofortress (oben). (Archivbild)
HO/USAF, AFP
Mehr als 700 Maschinen baute Boeing seit Anfang der 1950er: Ausgemusterte B-52 Stratofortress auf dem Flugzeugfriedhof der Davis-Monthan Air Force Base in Tucson, Arizona.
Mehr als 700 Maschinen baute Boeing seit Anfang der 1950er: Ausgemusterte B-52 Stratofortress auf dem Flugzeugfriedhof der Davis-Monthan Air Force Base in Tucson, Arizona.
Reuters
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Am Schluss von Stanley Kubricks «Dr. Seltsam» fliegt ein mächtiger B-52-Bomber über die russische Tundra. Die Luke des Bombenschachts will sich nicht mehr öffnen, also steigt der Kommandant des Fliegers selber vom Cockpit in den Bauch der Maschine. Wenig später wird der Offizier auf der fallenden Atombombe reiten wie ein Cowboy auf einem Rodeo-Hengst. Kubricks Film stammt von 1964, aus der Zeit des Kalten Kriegs.

Damals war die B-52 das Rückgrat der amerikanischen Verteidigungs- und Vergeltungsstrategie. Unter den Piloten waren die achtstrahligen Flugzeuge auch als Buff bekannt – Big Ugly Fat Fucker (auf Deutsch: grosse hässliche fette Säcke). Weit über 200 dieser Maschinen standen auf Militärbasen weltweit mit Nuklearwaffen bestückt bereit.

Fünf Jahrzehnte später ist die Flotte von US-Langstreckenbombern vom einstigen Stolz zum Zankapfel der amerikanischen Verteidigungspolitik geworden. Die B-52 und ihre jüngeren Geschwister, die B-1- und B-2-Bomber, sind in die Jahre gekommen. Die Luftwaffe will die Maschinen umfangreich modernisieren. Doch die US-Armee muss sparen, und auf politischer Ebene regt sich Widerstand gegen den Erhalt der Flotte, wie die «New York Times» berichtet.

Bomber «zunehmend irrelevant»

«Ist der Unterhalt von atombombenfähigen Langstreckenbombern gerechtfertigt? Definitiv nicht», sagt Gordon Adams. Der Professor für Aussenpolitik an der American University in Washington war unter Bill Clinton im Haushaltsbüro des Weissen Hauses für das Militär zuständig. «Unsere U-Boote bieten für militärische Schläge und für die Abschreckung genug Kapazitäten.»

Noch direkter formulierte es der Forschungsdienst des US-Kongresses. Dieser nannte die Bomberflotte in einem Bericht von Anfang Juni «zunehmend irrelevant». Potenzielle Gegner der USA hätten genügend Möglichkeiten, die Langstreckenbomber mit neuen Abwehrsystemen zu bekämpfen. «Die B-52 und B-1 sind zusehends dazu verdammt, auf Distanz zu bleiben.» Selbst der Tarnkappenbomber B-2 werde aufgrund technischer Neuentwicklung in absehbarer Zeit nicht mehr unentdeckt in fremde Lufträume eindringen können.

Luftwaffe wirbt für ihre Bomber

Die Luftwaffe will sich so schnell aber nicht geschlagen geben. Um Stimmung für die Langstreckenbomber zu machen, lud sie kürzlich Journalisten auf die Ellsworth-Basis in Piedmont, South Dakota, ein. Die Pressevertreter durften gar während eines Manövers mit B-1-Bombern mitfliegen, wie der Bericht der «New York Times» zeigt. Danach wandte sich Generalmajor Garrett Harencak an die Journalisten: «Meine Damen und Herren, wir brauchen Bomber heute noch genauso wie früher. Vor allem aber müssen wir nüchtern darüber diskutieren, wie wir die Maschinen modernisieren können.»

Tatsache sei, dass der Einsatz von Bombern die Entsendung von Flugzeugträgern und von Tausenden von Soldaten in mögliche Konfliktgebiete im Nahen Osten oder in Asien überflüssig mache. Eine B-1 fliege problemlos einen Angriff im Irak als Rundflug von South Dakota, North Dakota, Louisiana oder Texas aus; die Maschinen werden in der Luft betankt, die Besatzung erhält Schlaftabletten und Aufputschmittel für den Non-Stop-Tripp.

Neue Bomber bis 2020

Um modernere Luftabwehrsysteme zu umgehen, hat die Luftwaffe auch eine Reihe von Fliegern bereits mit neuen Raketensystemen aufgerüstet. Damit sollen die Bomber Ziele bereits aus 800 Kilometern angreifen können.

Gleichzeitig arbeitet man an der Entwicklung eines neuen Bombers. Bis 2020 soll die Luftwaffe neue Flugzeuge erhalten, die mit einer besseren Tarnkappentechnik ausgestattet sind. Geschätzter Preis pro Maschine: 550 Millionen US-Dollar.

Die US-Luftwaffe dürfte es in ihrem Kampf für den Erhalt der Langstreckenbomber dennoch nicht einfach haben. Neuanschaffungen werden von der Politik mit Argwohn betrachtet, seit es beim Tarnkappenjäger F-35 zu einer Pannenserie gekommen ist. Und was die Langstreckenbomber betrifft: Derzeit untersucht die Militärjustiz den Einsatz einer B-1 in Afghanistan. Der Bomber sollte amerikanische Infanteristen mit einem Bombardement unterstützen. Stattdessen traf er die Position der eigenen Truppen und tötete fünf Soldaten.

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