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Argentinische Ex-Militärs für 135 Morde verurteilt

Im Geheimgefängnis La Cacha folterte und mordete die Militärjunta jahrelang. Nun erhalten die damaligen Wärter, Polizisten und Armeeangehörigen späte, aber harte Strafen.

Bereits zum zweiten Mal verurteilt: Der frühere Polizeichef der Provinz Buenos Aires, Miguel Etchecolatz. (24. Oktober 2014)
Bereits zum zweiten Mal verurteilt: Der frühere Polizeichef der Provinz Buenos Aires, Miguel Etchecolatz. (24. Oktober 2014)
Reuters

In Argentinien sind 15 Ex-Armeeangestellte und Zivilisten wegen schwerer Menschenrechtsvergehen während der Militärdiktatur (1976 – 1983) zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden.

Das Gericht in La Plata befand die Angeklagten schuldig, Häftlinge in einem Geheimgefängnis gefoltert und 135 von ihnen ermordet zu haben. Vier weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von bis zu 13 Jahren. Im Gerichtssaal brandete Applaus auf, als die Urteile verkündet wurden.

Bei den meisten Verurteilten handelt es sich um Ex-Armeeangehörige, die übrigen waren Gefängnismitarbeiter oder zivile Regierungsangestellte. Unter den Angeklagten war auch erneut der frühere Polizeichef der Provinz Buenos Aires, Miguel Etchecolatz. Er erhielt zum zweiten Mal eine lebenslange Haftstrafe.

Tochter Carlottos unter Opfern

Unter den Opfern der Morde in dem Geheimgefängnis La Cacha nahe La Plata ist auch die Tochter von Estela Carlotto, der Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation Grossmütter der Plaza de Mayo. Carlotto nahm an der Gerichtsverhandlung teil und begrüsste das Urteil.

Carlottos Tochter Laura war unter der Militärdiktatur gefoltert und getötet worden. Ihrem im Juni 1978 kurz vor ihrer Ermordung im Gefängnis geborenen Sohn hatte sie den Namen Guido gegeben. Das Baby wurde von einem Militärangehörigen an eine Familie übergeben und von ihr grossgezogen.

Die wahre Identität des Mannes, der in Olavarría 350 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Buenos Aires als Musiker lebt, wurde im August bei einem Gentest festgestellt. Anschliessend traf die 83-jährige Carlotto erstmals ihren Enkel.

Junta raubte 500 Kinder

In der Zeit der argentinischen Militärdiktatur raubte die Junta etwa 500 Kinder von Regimekritikern. Die Grossmütter der Plaza de Mayo und die Schwesterorganisation Mütter der Plaza de Mayo konnten bei ihrer landesweiten Suche nach den zwangsadoptierten Kindern bislang 115 Fälle aufklären.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen kamen unter der Militärherrschaft in Argentinien insgesamt rund 30'000 Menschen gewaltsam ums Leben oder verschwanden spurlos.

Seit der Aufhebung der Amnestiegesetze im Jahr 2003 wurden nach Angaben der Justiz 547 Ex-Militärs und frühere Polizisten wegen Verbrechen während der Militärherrschaft verurteilt. Der einzige noch lebende Ex-Diktator, Reynaldo Bignone, verbüsst eine lebenslange Haftstrafe wegen Menschenrechtsverletzungen.

SDA/mw

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