Ab in die Alpen zum Angeben

Amerika leiht Donald Trump ein paar Tage an die Schweiz aus. Wetten, dass es aufregend wird?

Ein Anruf von Emmanuel Macron genügte, um ihn endgültig vom Glamour der Davoser Bühne zu überzeugen: Donald Trump, wenige Tage vor seinem WEF-Besuch. Foto: Carolyn Kaster (Keystone)

Ein Anruf von Emmanuel Macron genügte, um ihn endgültig vom Glamour der Davoser Bühne zu überzeugen: Donald Trump, wenige Tage vor seinem WEF-Besuch. Foto: Carolyn Kaster (Keystone)

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Er kommt, geradewegs ins Nest der Globalisten im verschneiten Davos fliegt Donald Trump. Er reist an, um sein grosses Mundwerk zu betätigen und als WEF-Star Furore zu machen. Natürlich hat er vergessen, was sein ehemaliger Chefstratege Steve Bannon 2014 über Davos sagte. Dass nämlich «die arbeitenden Männer und Frauen dieser Welt es müde sind, sich von der ‹Party von Davos› etwas vordiktieren zu lassen».

Marx hätte es kaum besser ausdrücken können. Trump würde es freilich ein wenig anders formulieren. Statt von «arbeitenden Männern und Frauen» wird seine Pseudorevolution von «vergessenen Männern und Frauen» nach vorne getrieben.

Video: Anti-WEF-Demo in Zürich

Rund 3000 Menschen protestierten gegen das WEF und dessen prominentesten Gast. Video: Tamedia

Eine Reise ins verschneite Davos war mit einem Schlag verlockend, nachdem Vizepräsident Mike Pence diskret hatte anklingen lassen, er wolle vielleicht dorthin. Ausserdem zeigte der Vize dem Präsidenten die erlesene WEF-Gästeliste. Daneben nahm sich ein gemütliches Beisammensein in Mar-a-Lago wie ein Zusammentreffen von Pennern und Pimps aus.

In den Alpen anzugeben und im Mittelpunkt zu stehen, schien plötzlich sehr erstrebenswert. Und falls Trump noch hin und her überlegte – kann ich in den Bergen «Fox News» empfangen, gibt es ein McDonald’s, wo ist der Golfplatz? –, so genügte ein Anruf von Emmanuel Macron, um ihn endgültig vom Glamour der Davoser Bühne zu überzeugen. Trumps solle sich aufmachen und seine «America-First-Ideologie» erklären, gurrte Macron.

Überhaupt spielt der Franzose Trump wie eine Wurlitzerorgel, auf allen Registern schmeichelt er dem Amerikaner und umgarnt ihn derart geschickt, dass Trump nicht einmal merkt, wie er manipuliert wird. Also hin zum Angeben: Wirtschaft boomt, Deregulierung super, Naturschutz und Klima beiseitegeräumt, Aktienmarkt so prima wie noch nie.

Allerdings und wie gewohnt wird sich Trump auch in Davos unverdientermassen im Selbstlob suhlen. Denn Boom ist fast überall, und der Aktienmarkt des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri – auch er ist in Davos – lässt Trumps Hausse ziemlich mickrig aussehen. Nigeria ist gleichfalls besser, Erdogans Türkei auch. Sogar Merkels Deutschland boomt.

Der oberste Angeber

Zumal sich Trumps Dollar wie eine Weichwährung benimmt und seit geraumer Zeit im Abwärtstrend trudelt, obwohl die amerikanische Notenbank munter die Zinsen erhöht. Macht der Dollar so weiter, wird Europa bald unerschwinglich für amerikanische Touristen werden. Trotzdem wird der oberste Angeber keine Gelegenheit versäumen, sich als genialer Vater der amerikanischen Geldvermehrung anzupreisen.

Und selbstverständlich wird er verlangen, dass alle Welt nach seiner Pfeife tanzt und alle Handelsverträge zugunsten der Vereinigten Staaten ausgehandelt werden. Viele Amerikaner sind unterdessen froh, Trump ein paar Tage an die Schweiz auszuleihen und ihn so loszuwerden. Nur mal so zum Luftholen. Danke, Schweiz!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.01.2018, 15:37 Uhr

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