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ABC suspendiert Reporter wegen Falschmeldung zur Russland-Affäre

Dem leitenden Investigativreporter Brian Ross war ein Fehler in einem Bericht über Ex-Sicherheitsberater Flynn unterlaufen. Ross' Beurlaubung ist eine Genugtuung für Donald Trump.

ABC-Investigativ-Journalist Brian Ross ist für vier Wochen von seiner Arbeit suspendiert. (Bild: Fred Lee/ABC via AP)
ABC-Investigativ-Journalist Brian Ross ist für vier Wochen von seiner Arbeit suspendiert. (Bild: Fred Lee/ABC via AP)

Für Donald Trump steht fest: Journalisten, zumindest die allermeisten, sagen nicht die Wahrheit. Sie erfinden Geschichten um ihn, den US-Präsidenten, in Misskredit zu bringen und seine Arbeit zu torpedieren. Mit dem Vorfall, der sich nun beim US-Nachrichtensender ABC News ereignete, dürfte sich Trump in dieser Annahme bestätigt fühlen: Der langjährige und leitende Investigativreporter von ABC News, Brian Ross, wurde wegen eines Fehlers in dessen Berichterstattung zur Russland-Affäre für vier Wochen suspendiert.

Was war passiert? Nachdem sich am Freitag der frühere Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn vor Gericht schuldig bekannt hatte, gegenüber dem FBI über seine Russland-Kontakte gelogen zu haben, meldete Ross, Flynn werde vor Gericht aussagen, dass Trump ihn während des Wahlkampfs zu einer Kontaktaufnahme mit Moskau aufgefordert habe. Trump war mit dieser Bitte jedoch erst an Flynn herangetreten, als er die Wahl bereits gewonnen hatte.

ABC korrigierte Ross' Bericht wenig später und teilte mit, seine Quelle habe vielmehr gesagt, Trumps Anweisung sei während der Übergangsphase zwischen der Präsidentschaftswahl von November 2016 und dem Amtsantritt Ende Januar erfolgt. Die Falschmeldung hatte da aber bereits die Aktienkurse an der Wall Street zum Schwanken gebracht.

«Wir bedauern dieser schweren Fehler von gestern zutiefst und entschuldigen uns dafür», erklärte ABC am Samstag, der Bericht des Korrespondenten habe nicht die sonst bei dem Sender übliche Überprüfung erfahren. Auch Ross räumte den Fehler auf Twitter ein und befand seine Bestrafung für richtig: «Mein Job ist es, Menschen zur Rechenschaft zu ziehen, und deshalb bin ich einverstanden, wenn ich selbst zur Rechenschaft gezogen werde.»

Trump lobte die Reaktion des Senders umgehend auf seinem Lieblingskommunikations-Kanal Twitter und nutzte die Gelegenheit für einen weiteren Schlag gegen die Medien und deren Berichte zur Russland-Affäre: «Gratulation an ABC News für die Suspendierung von Brian Ross für seinen schrecklich fehlerhaften und unehrlichen Bericht über die Russland, Russland, Russland Hexenjagd», schrieb er und fügte hinzu: «Weitere Sender und ‹Blätter› sollten dasselbe mit ihren Falschnachrichten tun.»

Im Zuge der Untersuchung zu den Russland-Kontakten des Trump-Teams sind Flynn und drei weitere Ex-Berater Trumps angeklagt. Flynn hatte am 22. Dezember mit dem russischen Botschafter telefoniert - laut einem am Freitag veröffentlichten Gerichtsdokument im Auftrag eines «sehr hohen Verantwortlichen» des heutigen Präsidenten.

Der dementiert, dass sein Wahlkampfteam in irgendeiner Form mit der russischen Regierung zusammengearbeitet habe - und wirft den etablierten US-amerikanischen Medien unter anderem deshalb vor, «Fake-News», also erfundene Nachrichten, zu verbreiten. Im Mittelpunkt von Trumps Hasstiraden stehen die New York Times, die Washington Post sowie die Fernsehsender CNN und NBC. Trumps Anhänger benutzen für sie mittlerweile sogar eine eigene Abkürzung: MSM, «Mainstream Media». Vor kurzem erst twitterte Trump: "Wir sollten einen Wettbewerb machen, welcher TV-Sender, inklusive CNN, aber ohne Fox, der unehrlichste, korrupteste ist und/oder derjenige, dessen Berichterstattung über euren Lieblingspräsidenten (mich) am verzerrtesten ist. Sie sind alle schlecht. Der Sieger bekommt den Fake-News-Pokal!".

Vor wenigen Tagen dann gab es Berichte darüber, dass die Washington Post offenbar gezielt zu einer Falschmeldung verleitet werden sollte - damit die MSM-Verfechter sie der Fehlberichterstattung überführen können. Die Zeitung enttarnte das Täuschungsmanöver allerdings. Auch deshalb dürften sich Trump und die «Fake-News»-Verfechter im Fall Ross nun umso mehr freuen.

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