Wer sich bei den US-Demokraten in Stellung bringt

Ex-Vizepräsident Biden, «The Rock» und Facebook-Chef Zuckerberg werden als Präsidentschaftskandidaten für 2020 gehandelt. Welche Chancen haben sie?

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Nur sechs Monate nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump werden bereits mehr als ein Dutzend mögliche Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020 gehandelt. Auch von Moderatorin Oprah Winfrey, Dallas-Mavericks-Eigentümer Mark Cuban, Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown und Senatorin Elisabeth Warren ist die Rede. Selbst Bernie Sanders gilt immer noch hartnäckig als liberaler Hoffnungsträger.

Bevor die Demokraten jedoch an die nächsten Wahlen denken können, müssen sie erst einmal den Richtungsstreit in der eigenen Partei beilegen und sich auf eine Linie einigen. Der Wahlkampf 2016 spaltete die Partei in zwei Lager: Auf der einen Seite stehen die ehemaligen Anhänger von Hillary Clinton. Sie treten für den amerikanischen Liberalismus ein, wollen im Grunde aber, dass alles wieder so wird, wie es unter Ex-Präsident Barack Obama war. Auf der anderen Seite stehen die Bernie-Sanders-Fans. Die Progressiven, die die Ideen des selbsternannten Sozialisten feiern und einen drastischen Wandel der amerikanischen Gesellschaft fordern.

Wir haben uns angesehen, wer schon jetzt als potentieller Kandidat gilt - und wie deren Chancen stehen.

Die alten Haudegen

Joe Biden Ist bereits Wahlkampf erprobt: Ex-Vize-Präsident Joe Biden. (Foto: AP)

Joe Biden war Vize-Präsident unter Obama und könnte mit seinen 74 Jahren eigentlich seinen Ruhestand geniessen. Doch der beliebte Politiker aus Delaware träumt offenbar immer noch vom Weissen Haus. 2016 trat er nicht an, weil kurz zuvor sein Sohn Beau einem Hirntumor erlegen war. Vor kurzem bekannte er jedoch, er bereue es, die Chance verpasst zu haben.

Im November erscheint nun in den USA seine Biographie «Promise Me, Dad: A Year of Hope, Hardship and Purpose». Thema ist der Tod seines Sohnes und das Leben danach. Auf Bidens Lesetour im Herbst wird es aber sicherlich nicht nur um das Buch gehen, sondern auch um die Frage: Was wäre, wenn er 2020 antreten würde? Biden hätte gute Chancen, bemisst man diese nur an seinen Beliebtheitswerten. Einzig sein Alter, er wäre dann 77, könnte ein Hindernis sein.

Elisabeth Warren Senatorin Elizabeth Warren. (Foto: AP Photo/Elise Amendola)

Die Senatorin aus Massachusetts und ehemalige Jura-Professorin gilt als weibliches Äquivalent zu Bernie Sanders. Kämpferisch tritt die 68-Jährige für linke Werte ein - auch und gerade, wenn sie auf Widerstand stösst.

Als im Februar die Nominierung von Justizminister Jeff Sessions diskutiert wurde, erteilte Mehrheitsführer Mitch McConnell ihr Redeverbot im Senat. Sie hatte einen alten Brief von Martin Luther Kings' Witwe vorgelesen, die damit 1986 gegen die Nominierung von Sessions zum Bundesrichter protestiert hatte. Zur Erklärung sagte McConnell: «Sie war gewarnt. Sie hat eine Erklärung bekommen. Nichtsdestotrotz hat sie nicht locker gelassen.»

Seine Sätze wurden zum grossen Thema in den sozialen Medien - und waren das beste Geschenk, das der Republikaner Warren machen konnte. Durch den Eklat wurde ihre Botschaft erst recht im Internet verbreitet und ihr Ruf als unerschrockene Kämpferin für liberale Werte gefestigt. Dass Warren auf Twitter schon öfter von Trump verunglimpft wurde, bringt ihr in progressiven Kreisen zudem die nötige «street credibility» ein. Warrens Chancen, 2020 für die Demokraten ins Rennen zu gehen, stehen sehr gut.

Bernie Sanders Senator Bernie Sanders. (Foto: AP)

Trump hat zwar im vergangenen November die Präsidentschaftswahl gewonnen, der Wahlkampf von Bernie Sanders ging jedoch einfach weiter. Seither absolvierte «Bernie» Auftritte in zahlreichen Kleinstädten - vor allem in Gegenden, in denen Trump recht erfolgreich war. Seine Mission: Den Kleinstadt-Amerikanern vermitteln, dass die Liberalen - und nicht die Konservativen - in Wahrheit ihre Interessen vertreten. Seine Themen: Krankenversicherung für alle, Mindestlohn von 15 Dollar die Stunde, kostenfreies Uni-Studium.

Sanders bezeichnet sich selbst als «Unabhängigen», um Distanz zum Establishment der Demokraten zu signalisieren. Als echtem Progressiven gehen ihm viele Ideen der Partei nicht weit genug.

2020 wäre Sanders schon 78 Jahre alt. Dass er noch einmal als Kandidat antritt, gilt als eher unwahrscheinlich. Doch durch seine ständigen Auftritte schafft er es vielleicht, den Weg für einen anderen progressiven Kandidaten zu ebnen.

Die Geschäftsleute

Mark Zuckerberg Facebook-Chef Mark Zuckerberg. (Foto: dpa)

Er ist der jüngste unter den möglichen Anwärtern - und gleichzeitig auch der reichste. Der Facebook-Gründer macht sich schon seit längerem für liberale Werte stark und fordert etwa eine Reform der Einwanderungspolitik. Öffentlich streitet Zuckerberg bislang jegliche Kandidatur-Absichten ab. Der Verdacht, dass Zuckerberg es auf das höchste Amt im Staat abgesehen habe, entstand durch sein Vorhaben, im Jahr 2017 alle 50 Staaten zu besuchen.

Seit Beginn des Jahres hat Zuckerberg nun schon einiges erlebt: Er tanzte bei Mardi Gras in den Strassen von New Orleans, Louisiana. Er fuhr in Blanchardville, Wisconsin, mit einem Bauern auf dem Traktor. In Charleston, South Carolina, sang er mit Afro-Amerikanern in der Methodistenkirche. Ausserdem auffällig: Er stellte mehrere ehemalige Politikberater respektive Wahlkampfmanager ein, etwa Joel Benenson (Obama; Clinton 2016), David Plouffe (Obama 2008) und Kenneth Mehlman (George W. Bush 2004).

Nicht nur, dass der Milliardär sich um die Finanzierung eines Wahlkampfes keine Sorgen machen müsste, Facebook ermöglicht ihm zudem den Zugang zu jeder Menge Datenmaterial über US-Wähler. Wer könnte ihn daran hindern, die Daten, die sowieso schon in seinem Besitz sind, für seinen Wahlkampf zu nutzen?

2020 wäre Zuckerberg erst 36 Jahre alt. Selbst wenn er erst 2052 anträte, wäre er immer noch jünger als Trump bei seiner Amtseinführung.

Mark Cuban Investor Mark Cuban. (Foto: AP)

Mark Cuban ist wie Trump Milliardär und hat sich als einer der lautesten Kritiker des Präsidenten hervorgetan. Sein Geld machte der 59-Jährige in der Tech-Industrie. Er investiert zudem ins TV- und Film-Geschäft, in Startups und erwarb 2000 die Mehrheit beim NBA-Basketball-Team Dallas Mavericks. Bei der von ihm finanzierten Reality-Show «Shark Tank» tritt er seit 2012 als Jury-Mitglied auf, was ihn einem breiteren Publikum bekannt machte. Ausserdem gründete er eine Stiftung, die Familien gefallener Soldaten unterstützt.

Der Investor und Philanthrop, der bislang keine politischen Erfahrungen hat, schnitt in einer Umfrage als möglicher Kandidat (40 Prozent) gegen Trump (41 Prozent) überraschend gut ab. Im Februar twitterte Trump, er glaube, Cuban sei nicht klug genug, um für das höchste Amt im Staat zu kandidieren. Zu Reportern sagte Cuban lediglich: «Das werden wir sehen». Die finanziellen Mittel für einen Wahlkampf hätte er zumindest.

Bob Iger und Howard Schultz

Neben Zuckerberg und Cuban zeigen sich noch zwei weitere Geschäftsmänner mit dickem Geldbeutel interessiert an einer Kandidatur: Bob Iger (66), Chef der Walt Disney Company, und Howard Schultz (64), Chef der Kaffeekette Starbucks. Beide verfügen bislang über keinen politischen Hintergrund. Aber diese Eigenschaft hat bekanntlich ja auch Trump nicht von einer Kandidatur abgehalten.

Die liberalen Vorkämpfer

Kamala Harris Senatorin Kamala Harris. (Foto: Nick Ut/AP)

Weiblich, jung, schwarz: Kamala Harris gilt vielen Demokraten als grosse Hoffnungsträgerin für die Zukunft. Die 52-Jährige sitzt erst seit Januar für Kalifornien im Senat. Die ehemalige kalifornische Generalstaatsanwältin gilt als hartnäckig, begabt und redegewandt. Bei der Anhörung von Trumps Kandidaten für die Ministerposten fiel sie durch unnachgiebige und intelligente Befragungen auf.

Aufgrund ihrer multiethnischen Herkunft repräsentiert Harris für viele Demokraten das Amerika der Zukunft. Ihr Vater stammt aus Jamaica und war Wirtschaftsprofessor an der Stanford Universität. Ihre Mutter kommt aus Indien und ging als Ärztin in die USA, um im Bereich Brustkrebs zu forschen.

Harris wäre eine ideale demokratische Kandidatin. Doch für 2020 ist sie wahrscheinlich noch zu jung. Politische Beobachter sagen, sie müsse erst mehr Erfahrung in Washington sammeln, um ein höheres Amt anzustreben. Bessere Chancen werden ihr für 2024 eingeräumt. Dann wäre Harris gerade einmal 59 Jahre alt.

Jerry Brown Gouverneur Jerry Brown. (Foto: AFP)

Der kalifornische Gouverneur ist der andere Kandidat von der Westküste, dem immer wieder Ambitionen für das Weisse Haus nachgesagt werden. Der 79-Jährige war schon 1975 bis 1983 Gouverneur von Kalifornien. 2010 wurde er erneut in das Amt gewählt. Im März sagte er bei einem Auftritt, als die Menge «Präsident!» skandierte: «Es ist nicht auszuschliessen.»

Brown hat nicht nur Trump schon oft wegen seiner Einwanderungspolitik kritisiert, er setzt sich auch mit Verve für den Klimaschutz ein. Als der US-Präsident verkündete, die USA würden aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen, versprach Brown, sein Bundesstaat werde das Abkommen einhalten und schwor: «Kalifornien wird Widerstand leisten.»

Zugute kommt Brown auch, dass er langjährige Regierungserfahrung hat und in Umfragen hohe Zustimmungswerte erzielt. Allerdings hat er es in der Vergangenheit schon drei Mal als Präsidentschaftskandidat probiert - und ist bislang jedes Mal gescheitert. 2020 wäre Brown schon 82 Jahre alt.

Cory Booker Senator Cory Booker. (Foto: Brian Snyder/Reuters)

Der Senator aus New Jersey ist erst 48 Jahre alt - Obama war 47, als er ins Weisse Haus einzog. Der Stanford- und Yale-Absolvent erinnert auch sonst in vielen Dingen an Präsident Obama. Wie dieser setzt sich der junge Senator für die Rechte von Frauen, Afro-Amerikanern und der LGBT-Community ein. Und wie Obama 2004 hielt Booker 2016 auf dem Parteitag der Demokraten eine vielbeachtete Rede.

Vielen scheint Booker dennoch zu unreif für das höchste politische Amt. Es gibt einige kuriose Geschichten, die Booker nachhaltig schaden könnten. Etwa der öffentliche Twitter-Flirt mit einer Stripperin aus Portland. Booker hat ausserdem einen Drogendealer namens «T Bone» erfunden und in Reden so getan, als gebe es ihn tatsächlich. Und um das Amt des Senators in New Jersey hat er gegen den damaligen Amtsinhaber Frank Lautenberg einen von vielen als unfair empfundenen Wahlkampf geführt.

Ob Booker die Chance bekommt, als Kandidat anzutreten, ist ungewiss. Grosses Interesse hat er jedenfalls.

Die Show-Stars

Oprah Winfrey Moderatorin Oprah Winfrey. (Foto: AP)

Im März machte die berühmte Talkshow-Moderatorin eine Andeutung, sie denke über eine Kandidatur nach - und die Medien jubelten vor Freude.

Was alleine ihre Beliebtheit angeht, hätte Winfrey sicherlich gute Chancen. Doch die 63-jährige Milliardärin, die im vergangenen Wahlkampf Hillary Clinton unterstützte, dürfte keine ernsthaften Absichten haben.

Dwayne «The Rock» Johnson Wrestler und Schauspieler Dwayne "The Rock" Johnson. (Foto: dpa)

Dwayne Douglas Johnson heisst er mit bürgerlichen Namen, doch in den USA kennt ihn jeder unter seinem Ring-Namen «The Rock» (der Fels). Der 45-Jährige aus Florida ist Profi-Wrestler und wirkte als Schauspieler in Action-Filmen wie «Fast & Furious», «San Andreas» und «Baywatch» mit. Seine Wrestling-Karriere hat er zwar 2013 offiziell beendet, manchmal taucht er jedoch noch bei speziellen Events wie der WrestleMania auf.

Das mit der Kandidatur war anfangs noch ein Witz von Johnson. Im Juli hat der Politikberater Kenton Tilford aus West Virginia dann ein Wahlkampfkomittee für ihn gegründet. Dass Johnson das Ganze deshalb jetzt ernster nimmt, dafür gibt es noch keine Anzeichen.

Der Frühstarter

John Delaney Der erste offizielle Kandidat (Foto: AP Photo/Jacquelyn Martin)

Einem ist es allerdings schon jetzt ernst mit der Präsidentschaft: John Delaney heisst der Mann, der im Juli als Erster und bislang Einziger verkündete, 2020 anzutreten. Der Kongressabgeordnete aus Maryland ist bislang eher unbekannt in Washington. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 06.08.2017, 16:18 Uhr

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