Was die Sioux-Frauen auf dem Zürcher Paradeplatz machten

Im Streit um eine US-Ölpipeline haben Indigene aus dem Indianerreservat Standing Rock Vertreter der Credit Suisse getroffen. Thema: Die Rolle der CS.

«Die Dakota Access Pipeline verletzt die Rechte der indigenen Bevölkerung»: Michelle Cook, Menschenrechtsanwältin aus Standing Rock (North Dakota). Video: Mario von Ow


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Michelle Cook steht am Zürcher Paradeplatz vor dem Hauptsitz der Credit Suisse, und sie zitiert eine alte indianische Redewendung: «Du magst in einem Boot sitzen und ich in einem Kanu. Aber wir teilen dasselbe Ufer. Für Wasser und Atmosphäre gibt es keine territorialen Grenzen. Wir leben in einer zusammenhängenden Welt.» Von ihrer Heimat in den USA bis nach Zürich seien es über 5000 Meilen, aber was die CS entscheide, «hat für uns massive Auswirkungen», sagt Cook.

Die junge Frau mit Gesichtsbemalung kommt aus Standing Rock, einem Sioux-Indianerreservat im Bundesstaat North Dakota. Sie ist Menschenrechtsanwältin und Angehörige des Diné/Navaho-Stammes – und sie engagiert sich im Kampf gegen die Dakota Access Pipeline (DAPL). Nach Darstellung von Greenpeace Schweiz spielt die CS eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung der umstrittenen Ölpipeline.

Die Schweizer Grossbank betonte auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet, dass sie nicht an der Projektfinanzierung der DAPL beteiligt sei. Der Vorwurf, dass sie die grösste Kreditgeberin des Pipeline-Projekts sei, «ist falsch und wird von der Bank entschieden zurückgewiesen.» Es trifft aber zu, dass die CS Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen unterhält, die in den Bau und Betrieb der Pipeline involviert sind.

Die indigene Bevölkerung, Menschenrechtler sowie Umweltschützer kritisieren das Pipeline-Projekt in North-Dakota, weil es «die Gebietsrechte der Sioux verletzt, ihre Trinkwasserreserven gefährdet und die Klimakrise befeuert».

Streit um Pipeline: Indigenen-Delegation aus North Dakota vor dem Treffen mit der CS in Zürich. Foto: Mario von Ow

Michelle Cook gehört einer Gruppe von indigenen Frauen an, die am Dienstag nach Zürich gekommen ist, um bei einem Treffen mit Verantwortlichen der CS ihre Sicht der Dinge darzustellen. Das Treffen hatte Greenpeace Schweiz eingefädelt. Die Umweltschutzorganisation engagiert sich ebenfalls im Kampf gegen die Pipeline in North Dakota.

«Als Betroffene wollen wir der CS die negativen Auswirkungen des Pipeline-Projekts aufzeigen», sagte Sarah Jumping Eagle. Die Kinderärztin und Mutter dreier Kinder gehört dem Oglala/Lakota-Stamm an. Die Pipeline führe durch Land, das den Sioux heilig sei, und sie drohe, durch Lecks das wichtigste Trinkwasserreservoir der Standing Rock Sioux und weiterer 17 Millionen Menschen zu verseuchen. Die CS müsse sich von dem drohenden «Umwelt-Genozid» distanzieren. «Wir hoffen, dass wir im direkten Gespräch Verstand und Herz der CS-Verantwortlichen erreichen», sagte Jumping Eagle.

Wie Menschenrechtsanwältin Cook betonte, ist schon längst von verschiedener Seite dokumentiert worden, dass das Pipeline-Projekt die Rechte der indigenen Bevölkerung verletzt. Die CS müsse sich zurückziehen aus dem Geschäft mit Unternehmen, die an der Pipeline beteiligt seien. Umso mehr, als sie gegen eigene Richtlinien verstosse. Die DAPL bedrohe nicht nur die indigene Kultur, sondern auch einen bedeutendem Raum mit Biodiversität. «Wir wollen das nicht», sagte sie sehr bestimmt. Und weiter: «Wir sind nach Zürich gekommen, um der CS Nein zu sagen.» Cook erwähnte noch, dass Norwegens grösste Bank DNB sowie andere Banken ihre Pipeline-Engagements aufgegeben hätten.

«CS verleugnet ihre Rolle beim Pipeline-Projekt»

Nach dem Treffen mit der Indigenen-Delegation teilte die CS mit, dass das Gespräch in offener und konstruktiver Atmosphäre stattgefunden habe. Für die Bank sei es wertvoll gewesen, im persönlichen Gespräch die Sichtweise der Standing Rock Sioux zu erörtern. Die Schweizer Grossbank beteuert, «dass sie die Besorgnis über DAPL ernst nimmt und diese bei der Weiterentwicklung der bankinternen Richtlinien berücksichtigen wird».

Kritisch äusserte sich Indigenen-Vertreterin Sara Jumping Eagle: «Die Bank verleugnet noch immer ihre Rolle bei dem Projekt.» Die CS versuche, sich von den Verletzungen von Menschen- und Indigenenrechten zu distanzieren. «Immerhin haben die Bankvertreter versprochen, die bankeigenen Geschäftsgrundsätze und Prozesse noch einmal zu überprüfen und Indigenen- und Menschenrechte zu berücksichtigen.»

Weiterbau nach Dekret von Donald Trump

Das Pipeline-Projekt war im Dezember 2016 – nach monatelangen erbitterten Protesten von Ureinwohnern und Umweltschützern – von der Regierung von Ex-Präsident Barack Obama vorläufig gestoppt. Sein Nachfolger Donald Trump ordnete jedoch kurz nach seinem Amtsantritt im Januar per Dekret den Weiterbau an.

Die knapp 1900 Kilometer lange Pipeline soll Ölfelder in North Dakota an der kanadischen Grenze mit einem Pipeline-Knotenpunkt in Illinois verbinden. Gemäss Greenpeace erfolgt die Finanzierung der schätzungsweise 3,8 Milliarden Dollar teuren Pipeline «teilweise über verschlungene Pfade». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.04.2017, 20:56 Uhr

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