«Warum fragen Sie nicht fucking Ted Nugent?»

Team Trump hat Probleme mit der Feier zur Amtseinführung: Stars und Promis verweigern die Teilnahme.

Bei ihm weiss man nie, was auf der Bühne passiert: Ted Nugent, der deftige Schusswaffen-Rocker, bei einem Auftritt 2005. Foto: chascar (Flickr)

Bei ihm weiss man nie, was auf der Bühne passiert: Ted Nugent, der deftige Schusswaffen-Rocker, bei einem Auftritt 2005. Foto: chascar (Flickr)

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Beim republikanischen Parteitag in Cleveland im vergangenen Sommer, als Donald Trump zum Kandidaten gekürt wurde, begegnete ich Andy, einem alten Bekannten und phänomenalen Mandolinenspieler aus Virginia. Er war ebenso überrascht wie ich, ausserdem aber peinlich berührt. Seine Bluegrass-Band spiele auf einem republikanischen Event am Rande des Parteitags, erklärte Andy verlegen. Und: «Sag das bitte niemandem zu Hause!»

Okay. Aber schreiben darf man darüber, bot Andy doch eine Vorschau auf Trumps Amtseinführung am Freitag. Obwohl sich Trump seit Jahrzehnten mit Stars und Showgrössen umgibt, weigern sich fast alle, bei seiner Amtseinführung aufzutreten und dem neuen Präsidenten ein Ständchen zu singen. Obama hatte Yo-Yo Ma und Beyoncé, Stevie Wonder und Aretha Franklin. Trump hat den Mormon Tabernacle Choir. Er hat die Radio City Rockettes und die Piano Guys, die Frontmen of Country und eine Rockband namens 3 Doors Down sowie Jon Voight, den Vater von Angelina Jolie.

Fast tragisch ist, was da geschieht. Allerdings hat Trump in einem völlig recht: Hillary Clinton trat mit Beyoncé und Jay-Z und Bruce Springsteen auf. «Schaut doch mal, was es ihr eingebracht hat: NICHTS!», twitterte Trump.

Mehr Respekt für den «Boss»

Aber schmerzlich wäre es schon gewesen, wenn am Freitag statt der E Street Band die B Street Band, eine Springsteen-Coverband, aufgetreten wäre. So war es geplant, die Coverband sagte jedoch aus Respekt für Springsteen plötzlich ab. Der «Boss» ist bekanntlich ein erbitterter Feind der Republikaner und legte sich bereits mit Ronald Reagan an. «Die Republik wird von einem Schwachkopf bedrängt», befand Springsteen wenig schmeichelhaft über Trump.

Absagen hagelte es auch von anderswo. Andrea Bocelli wollte zuerst für den neuen Präsidenten trällern, besann sich jedoch anders. Und Elton John sagte erwartungsgemäss ab. Er hatte sich bereits über die Verwendung seines Songs «Tiny Dancer» bei Trumps Wahlkampfauftritten aufgeregt. «Warum fragen sie nicht fucking Ted Nugent? Oder einen von diesen fucking Countrystars? Die machen das doch für Sie!», hatte Sir John geschimpft.

Sprengkraft auf der Bühne

Ted Nugent, der deftige Schusswaffen-Rocker, hätte mit Freuden in Washington musiziert. Aber bei ihm weiss man nie, was auf der Bühne passiert. Zuweilen verliert er sich in politische Parolen von solcher Sprengkraft, dass sie die Amtseinführung Trumps womöglich überschatten würden. Schliesslich beschimpfte er Obama als «Schimpansen» und «Promenadenmischung». Also lieber nicht!

Rapper Kanye West wiederum winkte ab, wenngleich er mit Trump befreundet ist und seine Ehefrau Kim Kardashian gewiss ein Gewinn für die Feierlichkeiten gewesen wäre. Auch scheiterte der Versuch von Trumps Beraterin Kellyanne Conway, Justin Timberlake zum Gesang zu animieren. «Rufen Sie mich an!», sagte Kellyanne im TV an die Adresse von Timberlake. Er rief nicht an. Ebenso wenig wie Celine Dion und Moby. Den wollten die Trumpisten als DJ. Worauf Moby antwortete, er werde kommen, «sofern Trump seine Steuererklärungen veröffentlicht».

Den grossen Auftritt der Stars gibt es beim Protestmarsch.

Bei Bob Dylan fragte selbstverständlich niemand an. Wer seiner eigenen Nobelpreisfeier fernbleibt, wird hundertprozentig nicht für Trump nuscheln wollen. Es bleibt also bei 3 Doors Down und den Piano Guys. Und bei Toby Keith. Der Countrystar reist an und singt als Dienst am Vaterland.

Mit Trump-Double: Am Sonntag gab es einen Probelauf für die Zeremonie. Video: Reuters

Den grossen Auftritt der Stars gibt es dann einen Tag nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten, wenn in Washington Hunderttausende beim Protestmarsch der Frauen gegen Trump erwartet werden. Scarlett Johansson, Katy Perry, Julianne Moore, Olivia Wilde und viele andere Promis marschieren mit. Immerhin kann Trump sagen, sie seien nur seinetwegen gekommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.01.2017, 08:39 Uhr

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