Trumps Ausbrüche sind ihm gleichgültig

Seit einem Jahr ermittelt Robert Mueller gegen den US-Präsidenten. Wer ist der Mann, der Trump zur Weissglut bringt?

Ein US-Amerikaner wie aus dem Bilderbuch: Der Princeton-Absolvent Robert Mueller verdiente sich im Vietnamkrieg einen Tapferkeitsorden.

Ein US-Amerikaner wie aus dem Bilderbuch: Der Princeton-Absolvent Robert Mueller verdiente sich im Vietnamkrieg einen Tapferkeitsorden. Bild: Andrew Harnik/Keystone

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Er ist ein Rätsel, ein «Mystery Man» im Schatten. Er verweigert sich jeglicher Publizität und ist schon deshalb ein Sonderfall in einer Stadt wie Washington, deren Akteure die Publizität suchen wie die Motten das Licht. Robert Mueller will davon nichts wissen.

Heute jährt sich der Tag, an dem der ehemalige FBI-Direktor und Ankläger als Sonderermittler in der Russland-Affäre berufen wurde. Seitdem wühlt Mueller in Donald Trumps unaufgeräumtem Leben – zum Zorn und Verdruss des Präsidenten. «Die haben ein ganzes Jahr gehabt», klagt Trumps neuer Lautsprecher, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, und verlangt ein Ende der Ermittlungen. Auch Vizepräsident Mike Pence will das. Es liege «im Interesse des Landes», sagte er neulich.

Ob es im «Interesse des Landes» läge, sei dahingestellt. Aber sicherlich läge es im Interesse Donald Trumps. Obschon niemand in Washington weiss, wohin Muellers Team steuert, begreift Trump die Ermittlungen als existenzielle Bedrohung. Aber auch er hat keine Ahnung, worauf Mueller zusteuert. Denn im Gegensatz zu Trumps Schwatzbude sind Mueller und sein Stab von Top-Anklägern und FBI-Agenten verschwiegen. Nichts leckt heraus.

Aufrechte und anständige Figur

Trump verarbeitet die dunkle Wolke über seiner Präsidentschaft unterdessen mit Drohungen sowie regelmässigen Wutausbrüchen. Und seine Unterstützer versuchen Muellers Arbeit schlechtzureden. Vom «Deep State» ist die Rede, der Trump ans Leder wolle. Trumps Agitprop-Truppe in Medien wie Fox News haut gleichfalls auf Mueller ein, manchmal in Form von Beleidigungen.

Das Problem damit ist, dass der Sonderermittler als aufrechte und anständige Figur wie aus einem amerikanischen Bilderbuch daherkommt, was sich von Trump nicht sagen lässt. Während sich Trump vor dem Vietnamkrieg drückte und laut eigener Aussage in Angst vor Geschlechtskrankheiten lebte, zog Mueller von der elitären Princeton University freiwillig in den Krieg. Als Marineinfanterist verdiente er sich einen Tapferkeitsorden in Vietnam.

Video – Erste Verhaftung nach Muellers Ermittlungen

Russlandaffäre: Alex van der Zwaan, ein Anwalt der eng mit dem früheren Trump-Wahlkampfmanager Paul Manafort zusammengearbeitet hatte, wurde zu 30 Tagen Gefängnis verurteilt. (Video: Reuters)

Der Kontrast könnte auffälliger kaum sein: Mueller will die Wahrheit, Trump ist eine sprudelnde Quelle von Lügen. Mueller versucht sie zu entschlüsseln, soweit es Trumps Beziehungen zu Russland betrifft. Es ist durchaus möglich, dass er nichts oder nur Bruchstückhaftes finden wird – womit Trump aus dem Schneider wäre. Dass Trump sich benimmt, als sei er schuldig, muss nichts bedeuten. Denn Trump regt sich darüber auf, dass er Mueller nicht kontrollieren kann. Und er droht in schöner Regelmässigkeit, den Sonderermittler hinauszuwerfen. Trump könnte es, wagt es aber nicht.

Höflich, aber hart in der Sache

Und während Trump seine Arbeit in der luxuriösen Atmosphäre des Weissen Hauses oder gar in seinem vermeintlichen «Traumschloss» in Florida erledigt, schnüffelt ihm Mueller in einer eher schmucklosen Umgebung nach. Seine Zeugen werden von einem Auto mit abgedunkelten Fenstern abgeholt und zum Bundesgerichtsgebäude in Washingtons Stadtmitte gefahren. Das Gebäude trägt den Namen des von Harry Truman nominierten Bundesrichters E. Barrett Prettyman.

Wer einvernommen wird, betritt einen unansehnlichen Raum, den ein Zeuge als ein «schlecht ausgestattetes Klassenzimmer» beschrieb. Neben dem Zeugen befinden sich die «Grand Jury» mit ihren Geschworenen sowie einer von Muellers Anklägern im Raum. Ein alter Projektor an der Decke wirft E-Mails und andere Infos im Besitz des Sonderermittlers auf eine Leinwand. Die Anwälte des Zeugen müssen draussen warten. Die Fragen seien höflich, aber hart in der Sache, sagen die Zeugen übereinstimmend. Und Muellers Team scheine die Antworten auf viele Fragen bereits zu wissen.

Die Einvernahmen dauern oft mehrere Stunden, nach draussen aber dringt lediglich, was die Zeugen und ihre Anwälte danach den Medien zustecken. Mueller selbst erscheint nur selten im Gerichtssaal. Er ist ein Geist, der keine Interviews gibt und sich niemals äussert. Auch wenn Trumps Fusssoldaten ihn angreifen.

Dass es an der Zeit sei, die Ermittlungen zu beenden, ist nicht unbedingt klar: Im Schnitt waren die seit Watergate berufenen 21 Sonderermittler und -ankläger dreieinhalb Jahre an der Arbeit. Kenneth Starr ermittelte über vier Jahre gegen Bill Clinton, Lawrence Walsh mehr als fünf Jahre nach Ronald Reagans Iran/Contra-Skandal. Mueller lässt sich wohl kaum beeindrucken von den Forderungen nach Eile und Abschluss, die Trump und seine Fans nahezu täglich erheben.

Trumps laute Ausbrüche sind dem Sonderermittler offensichtlich gleichgültig. Wer in Vietnam erlebt hat, was Robert Mueller erlebte, lässt sich von einem wie Trump nicht einschüchtern. Auch wenn Trump Präsident ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2018, 13:05 Uhr

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