Trump, vier Frauen und die Sex-Vorwürfe gegen Bill Clinton

Donald Trump stand vor dem TV-Duell in der Schusslinie – ging aber zum Gegenangriff auf Hillary Clintons Gatten über.

Muss sich unangenehme Vorwürfe aus der Vergangenheit gefallen lassen: Bill Clinton begrüsst beim TV-Duell Trumps Tochter Ivanka. (9. Oktober 2016)

Muss sich unangenehme Vorwürfe aus der Vergangenheit gefallen lassen: Bill Clinton begrüsst beim TV-Duell Trumps Tochter Ivanka. (9. Oktober 2016)

(Bild: Reuters Lucy Nicholson)

Noch bevor die eigentliche Debatte losgegangen ist, führt Donald Trump den ersten Schlag aus. Anderthalb Stunden vor Beginn gibt der Präsidentschaftskandidat der Republikaner eine Pressekonferenz. Er sitzt an einem Tisch, hinter ihm die US-amerikanische Flagge. Rechts und links jeweils zwei Frauen: «Diese vier sehr mutigen Frauen haben darum gebeten, hier sein zu dürfen», sagt Trump. Dann geben sie nacheinander Erklärungen ab.

Bei den Frauen handelt es sich um Paula Jones, Juanita Broaddrick, Kathleen Willey und Kathy Shelton. Alle vier berichten über persönliche Erlebnisse, die wichtig sind für die Strategie Donald Trumps. In den vergangenen Tagen war ein Video aus dem Jahr 2005 aufgetaucht, in dem klar zu hören war, wie Trump sexuelle Übergriffe verharmlost. Es sind Aufnahmen, die – erneut - Trumps Image als Frauenfeind zu belegen scheinen.

Die Missbrauchsgeschichten der vier Frauen sind offenbar als eine Art Gegenschlag zu verstehen. Hillary Clinton sei ebenfalls keine Feministin, das soll den Wählern, vor allem Wählerinnen, kommuniziert werden.

Die Vorwürfe der Frauen im Überblick

Kathleen Willey: Sie arbeitete 1993 als Hilfskraft im Weissen Haus. Bill Clinton soll sie begrapscht haben. Ebenfalls soll er mit seinen Händen durch ihre Haare gefahren sein und versucht haben, sie zu küssen. Eine Untersuchung des Falles ergab, dass die Beweislage «unzureichend» sei (hier als PDF-Version).

Paula Jones: Sie verklagte Bill Clinton wegen sexueller Belästigung. Der Vorwurf stammt aus dem Jahr 1991. Nach Angaben von Jones rief Clinton sie in ein Hotelzimmer. Dort versuchte er den Angaben zufolge, sie zu küssen und entblösste kurz darauf seinen erigierten Penis. (Durch diese Klage kam heraus, dass Bill Clinton eine – einvernehmliche – Affäre mit Monica Lewinsky hatte.)

Der Fall wurde in erster Instanz zu Gunsten von Clinton entschieden. Daraufhin ging Jones in Berufung. Doch die Angelegenheit wurde schliesslich aussergerichtlich geklärt – Clinton zahlte eine Summe von 850'000 Dollar. Es gab kein Schuldeingeständnis von ihm.

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Juanita Broaddrick: Sie wirft Bill Clinton vor, sie vergewaltigt zu haben und zwar 1978. Zu dieser Zeit war Clinton Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Arkansas. Broaddrick soll Clinton in einem Hotel getroffen haben. Dort soll Clinton versucht haben, sie zu küssen. Broaddrick habe sich geweigert. Daraufhin habe Clinton sie auf ein Bett gezerrt und dort vergewaltigt.

Juanita Broaddrick wirft Bill Clinton vor, sie vergewaltigt zu haben und zwar 1978.

Broaddrick schwieg jahrzehntelang. Es gibt keine Augenzeugen, zwei Freundinnen von Broaddrick gaben Aussagen zu Protokoll, die ihre Version der Ereignisse stützen. Broaddrick schilderte ihre Vorwürfe ausführlich 1999 im Interview in der Show «Dateline». Ein Drittel der Amerikaner gaben damals an, Broaddrick zu glauben. Clinton bestritt die Vorwürfe.

Broaddrick fügte ausserdem an, dass sie kurze Zeit später Hillary Clinton getroffen habe. Diese habe ihre Hand geschüttelt und sich für alles bedankt, was sie für Bill Clinton getan habe. Für Broaddrick fühlte sich dieser Satz an wie eine Drohung. (Ein sehr lesenswertes Porträt über Broaddrick finden Sie bei Buzzfeed.)

Die Vorwürfe wurden auch schon vor der Debatte am Sonntagabend thematisiert. Damals reagierte das Presseteam von Hillary Clinton mit der Aussage, dass sie «ihr ganzes Leben damit verbracht hat, für Frauen einzutreten» und dass Behauptungen, die das in Frage stellen, «grob unfair und unwahr» seien.

Vorwürfe richten sich eher an Bill Clinton

Die Vorwürfe von Broaddrick wiegen am schwersten. Auch deshalb, weil Hillary Clinton eine sehr klare Vorstellung vertritt, wenn es um sexuelle Gewalt geht: «Ich will eine Botschaft an jede Überlebende von sexueller Gewalt senden. Ihr habt das Recht, angehört zu werden. Ihr habt das Recht, dass man euch glaubt. Und wir sind mit euch.» Das trifft auch auf Broaddrick zu. Nach Angaben von CNN wurde Clinton im Dezember 2015 darauf angesprochen, was sie zu den Vorwürfen der drei Frauen sagen würde. Ihre Antwort lautete: «Nun, ich würde sagen, dass jeder das Recht hat, dass man ihm solange Glauben schenkt, bis man ihm, aufgrund von Tatsachen, nicht länger glaubt.»

In allen drei Fällen geht der direkte Vorwurf an Bill Clinton. Der Vorwurf an Hillary lautet: Sie sei ein «enabler» – sie habe ihrem Mann seine Taten also ermöglicht.

Kathy Shelton: Ihr Fall ist anders gelagert. Shelton wurde im Jahr 1975 von einem 41-Jährigen vergewaltigt. Sie selbst war zu diesem Zeitpunkt ein Kind, zwölf Jahre alt. Hillary Clinton, die zu dieser Zeit als Anwältin arbeitete, wurde damit beauftragt, den Mann zu verteidigen. Sie handelte einen Deal aus (was unter anderem damit zusammenhing, dass mit Beweismaterial nicht sorgsam umgegangen wurde, wie die «Washington Post» schreibt).

2014 wurde eine Audio-Aufnahme veröffentlicht, bei der zu hören war, wie Hillary Clinton lachte, als sie Jahre später über den Fall sprach. Die vier Stellen sind im Artikel der «Washington Post» dokumentiert. Die Zeitung schliesst mit der Einschätzung: «Die Art, wie sich Clinton an den Fall erinnert, kann von manchen Hörern als gefühllos oder zynisch gegenüber dem juristischen Prozess angesehen werden. Insbesondere deshalb, da sie unterstellt, dass ihr Mandant schuldig war.»

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