Rex Tillerson hat ausgedient

Wie wahrscheinlich eine Rochade um den US-Aussenminister ist und wer davon profitieren könnte.

Im Januar dürfte Schluss sein für den Aussenminister: Rex Tillerson und US-Präsident Donald Trump.

Im Januar dürfte Schluss sein für den Aussenminister: Rex Tillerson und US-Präsident Donald Trump. Bild: Reuters

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Sage keiner, dies seien nicht bewegte Zeiten in Washington: Was bereits vor Wochen gemunkelt wurde, soll laut einem Bericht der «New York Times» vom Donnerstag wahr werden, nämlich der Abgang von Donald Trumps umstrittenem Aussenminister Rex Tillerson. Möglichst bald, wahrscheinlich im Januar, soll der ehemalige Exxon-Boss das Aussenamt verlassen. Einrücken für ihn wird wahrscheinlich CIA-Direktor Mike Pompeo, ein enger Vertrauter des Präsidenten.

Es überrascht nicht weiter, dass Tillerson damit die kürzeste Amtszeit eines US-Aussenministers in über hundert Jahren hingelegt hat – ausgenommen jene Chefdiplomaten, die wegen eines neuen Präsidenten abtreten mussten. Der Wirtschaftskapitän brachte keinerlei Regierungserfahrung mit, er hatte keine Hausmacht in Washington. Und er dient einem wirren Präsidenten, dessen Sprunghaftigkeit mittlerweile legendär ist.

Dauerstreit zwischen Trump und Tillerson

Ob Iran, Nordkorea oder der Streit zwischen den US-Verbündeten Saudiarabien und Katar: Mehrfach fiel Trump seinem Aussenminister in den Rücken und stellte ihn öffentlich bloss. Tillerson wiederum bezeichnete den Präsidenten intern als «Schwachkopf» und dementierte dies nicht, obschon er wiederholt Gelegenheit dazu erhielt.

Weil Tillerson zudem das diplomatische Korps wie die Angestellten einer Frittenbude behandelte und einen Massenexodus erfahrener Diplomaten zu verantworten hat, wurde er zu einer der unbeliebtesten Figuren in der Geschichte der US-Diplomatie. Seine Neuorganisation des diplomatischen Apparats und seine Hinnahme beträchtlicher Etatkürzungen alarmierten den Kongress, wo Tillerson sicherlich keine Tränen nachgeweint würden, falls sich das Weisse Haus unter Führung von Stabschef John Kelly tatsächlich des Aussenministers entledigte.

Favorit für die Tillerson-Nachfolge: Mike Pompeo, derzeit CIA-Chef. Foto: Reuters

Mit Mike Pompeo rückte dann ein treuer Trump-Knappe an die Spitze des Aussenamts. Früh schon erklärte sich der republikanische Kongressabgeordnete aus Kansas für die Kandidatur des Aussenseiters Trump im Präsidentenwahlkampf und wurde dafür mit dem CIA-Posten belohnt. In dieser Rolle mochte Pompeo dem Präsidenten bei nahezu täglichen geheimdienstlichen Briefings im Weissen Haus imponieren, in der Zentrale des US-Dienstes im nahe gelegenen Langley aber war Pompeo umstritten. Er galt als zu politisch, seine Nähe zum Präsidenten wurde kritisiert.

Tom Cotton – Hardliner für CIA-Spitze

Die wirkliche Überraschung im Gefolge einer Entlassung Tillersons wäre die Ernennung von Senator Tom Cotton (Arkansas) zum Nachfolger Pompeos an der Spitze der CIA. Cotton gilt als aussenpolitischer Hardliner, der sich Trumps Vertrauen vor allem durch seine unnachgiebige Haltung gegenüber dem Iran verdiente. Würde Cotton zum CIA-Direktor berufen, dürften sich Saudiarabien und Israel freuen, Teheran hingegen müsste eine weitere Verschärfung der amerikanischen Gangart mitsamt neuen klandestinen Aktionen befürchten.

Problematisch könnte der Zeitpunkt von Tillersons Abgang werden: Eine Reihe von Mitarbeitern des Präsidenten möchte möglichst bald ausscheiden, darunter wichtige Berater, die erschöpft sind vom täglichen Rummel der Trump-Präsidentschaft und um ihren Ruf fürchten. Laut Insidern will Stabschef Kelly unter allen Umständen einen Auszug mehrerer Minister und Berater zum gleichen Zeitpunkt vermeiden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2017, 18:51 Uhr

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