Putins Oligarch sollte US-Spion werden

Das FBI versuchte, die reichsten Männer Russlands als Informanten anzuwerben. Unter ihnen Aluminiumkönig Oleg Deripaska.

Vertrauter des russischen Präsidenten: Oleg Deripaska (rechts) und Wladimir Putin bei einem Wirtschaftsgipfel in Vietnam.

Vertrauter des russischen Präsidenten: Oleg Deripaska (rechts) und Wladimir Putin bei einem Wirtschaftsgipfel in Vietnam. Bild: Keystone

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Das sei ein eklatanter Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen, schimpft Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Zuvor hat die «New York Times» enthüllt, dass US-Agenten versucht hatten, russische Oligarchen für ihre Dienste anzuwerben.

Der Prominenteste unter ihnen, Aluminiummagnat Oleg Deripaska, bekam zwischen 2014 und 2016 Besuch vom FBI. Beim letzten Treffen, zu dem FBI-Leute «unangemeldet und uneingeladen» in seiner Wohnung in New York erschienen, verlangten sie Informationen über russische Einflussnahme auf die amerikanischen Wahlen. Deripaska hatte früher Geschäfte gemacht mit Paul Manafort, dem ehemaligen Wahlkampfleiter von US-Präsident Donald Trump, sich dann aber mit ihm überworfen: Die beiden duellieren sich über einen gescheiterten Businessdeal vor Gericht. Manafort wird in den USA verdächtigt, als Kontaktmann zwischen dem Kreml und Trumps Team gearbeitet zu haben.

Eine «absurde» Theorie

Deripaska habe gelacht über die Theorie, dass Manafort den Trump-Wahlkampf mit Moskau koordiniere, und sie laut «New York Times» als «absurd» bezeichnet. Ansonsten verweigerte der Magnat, dem eine besondere Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt wird, die Zusammenarbeit ebenso wie die anderen Oligarchen. Darüber hinaus meldete er den amerikanischen Rekrutierungsversuch dem Kreml.

Auch 2014, als die gleichen FBI-Agenten bei Deripaska Informationen über das organisierte Verbrechen in Russland bekommen wollten, war man nicht ins Geschäft gekommen. Washington hatte Deripaska als Gegenleistung eine Lösung für seine anhaltenden Visumsprobleme versprochen. Der Alumagnat konnte, wenn überhaupt, nur mit Diplomatenpass in die USA einreisen, obwohl er gar nicht der russischen Regierung angehört.

Vermittelt wurden die Treffen zwischen FBI und Deripaska offenbar von Christopher Steele, einem britischen Geheimdienstmann, der den amerikanischen Kollegen das umstrittene Dossier übergeben hat, gemäss dem der Kreml belastendes Material gegen Trump in der Hand hat. Belege dafür wurden bisher keine vorgelegt. Offenbar hat Steele zwischendurch auch für eine von Deripaskas Firmen gearbeitet.

Aus für russisches Aluminium

Dass das FBI ausgerechnet Deripaska anwerben wollte, dürfte kein Zufall sein. Denn dieser hatte schon einmal mit den Amerikanern zusammengearbeitet, allerdings unter der ausdrücklichen Bedingung, dass das Engagement nicht zum Schaden Russlands sei. Damals ging es um eine Aktion im Iran. Deripaska hat den US-Geheimdienstern zwischen 2009 und 2011 bei der Suche nach einem dort verschollenen CIA-Mann geholfen. Der Russe hatte wegen seiner Geschäfte gute Beziehungen zu Teheran und soll bis zu 25 Millionen Dollar bezahlt haben für die Rettungsaktion. Die USA zeigten sich zumindest vorübergehend erkenntlich und liessen Deripaska mehrmals in die USA einreisen.

Doch im April hat Washington gegen 24 russische Oligarchen wegen Einmischung in die US-Wahlen neue Sanktionen verhängt. Unter ihnen ist auch Deripaska, der seither verzweifelt versucht, sein mit der ganzen Welt verknüpftes Imperium zu retten. Denn die Sanktionen bedeuten ein faktisches amerikanisches Importverbot für russisches Aluminium, das sich seither in den russischen Produktionsstätten stapelt. Der Wert der Ware, die nicht abgesetzt werden kann, wird bereits auf eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2018, 18:49 Uhr

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