Polit-Shooting-Star kann Miete nicht zahlen

Alexandria Ocasio-Cortez ist mit 29 Jahren die jüngste Abgeordnete im US-Kongress. Trotz des Wahlerfolgs plagen die Demokratin Alltagssorgen.

Auf Wahlkampftour: Alexandria Ocasio-Cortez kommt bei den Jungen und den ärmeren Bevölkerungsschichten gut an. (6. November 2018)<p class='credit'>(Bild: Keystone Justin Lane)</p>

Auf Wahlkampftour: Alexandria Ocasio-Cortez kommt bei den Jungen und den ärmeren Bevölkerungsschichten gut an. (6. November 2018)

(Bild: Keystone Justin Lane)

Sie gehört zu den grossen Gewinnerinnen der Midterms 2o18: Alexandria Ocasio-Cortez. Mit gerade 29 Jahren sicherte sie sich in New York den Sitz im Repräsentantenhaus, und das erst noch mit klarem Stimmenvorsprung gegenüber ihrem republikanischen Kontrahenten Anthony Pappas.

Schon in den Vorwahlen hatte sich die linke Demokratin gegen den reputierten Parteikollegen Joe Crowley durchgesetzt, was von den politischen Beobachtern als Sensation kommentiert worden war. «AOC», wie sie jetzt schon in heimischen Medien bezeichnet wird, ist die jüngste Frau, die jemals in den US-Kongress gewählt wurde. Kein Wunder, dass sie in den Zeitungen und auf Online-Portalen als junger «Superstar» beschrieben wird.

Video: Neue Hoffnungsträgerin der US-Demokraten

Jüngste Abgeordnete: Alexandria Ocasio Cortez schwingt bei den Zwischenwahlen im Big Apple obenaus. (Video: Reuters)

Aber dem grossen politischen Triumph zum Trotz plagen die New Yorkerin alltägliche Sorgen. So erklärte sie jüngst der «New York Times», dass sie Probleme habe, die Miete für eine Wohnung in Washington D.C. zu bezahlen. «Ich habe drei Monate vor mir, in denen ich nichts verdienen werde, bevor ich ein Mitglied des Kongresses bin. Also, wie soll ich eine Wohnung bekommen?»

Die Hauptstadt des Landes gilt als teurer Flecken, die Mieten sind ausgesprochen hoch. «Die Kosten für ein Ein-Zimmer-Appartement belaufen sich laut 'Business Insider' auf rund 2160 US-Dollar im Monat», schreibt das Magazin www.stern.de. Umgerechnet sind das ungefähr 2170 Franken.

Mit ihren Aussagen hat die Tochter von Eltern aus Puerto Rico, die in der Bronx aufwuchs, auf einen Fakt hingewiesen, mit dem sich viele Millennials herumschlagen müssen: den Kampf gegen das leere Portemonnaie. Wer eine höhere Schulbildung genoss, muss noch über Jahre Studiengebühren oder Bankkredite zurückzahlen. Bevor AOC ihre politische Laufbahn startete, arbeitete sie in einer New Yorker Bar. Aus ihrem «Financial Disclosure Report», den alle Kandidaten und Kandidatinnen im Vorfeld der Wahl vorlegen musste, ist zu entnehmen, dass Ocasio-Cortez zuletzt 26'800 US-Dollar im Jahr verdiente.

Typisch für Millennials

Der Shooting-Star der Demokraten sagte zudem, sie müsse jetzt mit ihren Ersparnissen auskommen. «Diese Probleme sind sehr real», fügte sie an. Im Netz erhielt AOC Lob für ihre Ehrlichkeit und positive Rückmeldungen von Frauen und Männer ihrer Generation. Ein User twitterte: «Sie kann die Miete für eine Wohnung in D.C . nicht bezahlen, das ist so typisch für Millennials, und ich kann das nachempfinden.»

Es überrascht nicht, dass Wohnungsnot, Armut oder kostenloser Zugang zu Fakultäten zu den zentralen Wahlkampfthemen der New Yorkerin gehört. Vor allem der soziale Wohnungsbau müsse ausgebaut werden. Mit dieser Forderung kommt AOC, die sich als demokratische Sozialistin bezeichnet, besonders bei ärmeren Bevölkerungsschichten sehr gut an.

Die Wählerschaft hinter der Bartheke mobilisiert

«Ihr Erfolg hat für viele Beobachter jedoch damit zu tun, dass sie in der Lage war, die von der Politik frustrierte Bevölkerung zu erreichen. Unter anderem vereint sie auf ihren Accounts in den sozialen Netzwerken mehr als eine Million Follower», hält welt.de fest. Ausserdem gelte sie als unabhängig, weil sie kaum Wahlkampfspenden von grossen Unternehmen angenommen habe.

Gegenüber dem Magazin «Bon Appetit» verriet AOC, dass sie ihre Kampagne hinter der Bartheke aus einer Einkaufstasche aus dem Supermarkt organisiert habe, statt mit einem Aktenkoffer in einem Büro. In der Tasche habe sie auch Kleider zum Wechseln aufbewahrt.

Die Bemühungen von AOC haben sich gelohnt, das beweist ihr Resultat bei den Zwischenwahlen. Und es gibt noch eine weitere gute Nachricht für die tapfere politische Aufsteigerin: Ab Januar 2019 stehen Ocasio-Cortez gesetzlich 174'000 Dollar pro Jahr zu. Bei diesem Gehalt müsste doch eine Bleibe im punkto Immobilien exklusiven Washington zu finden sein.

fal

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