«Klimawandel» wird durch «Wetterextreme» ersetzt

Die Trump-Administration verbietet mehrere wissenschaftliche Begriffe – und könnte die Veröffentlichung eines neuen US-Berichts über den Klimawandel verhindern.

Verzeichnet hohe Treibhausgas-Emissionen: Ein Kohlekraftwerk im US-Bundesstaat Wyoming.

Verzeichnet hohe Treibhausgas-Emissionen: Ein Kohlekraftwerk im US-Bundesstaat Wyoming. Bild: Jim Urquhart/Reuters

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Die Trump-Verwaltung nimmt starken Einfluss auf die Sprache von Bundesangestellten bei Umweltthemen. So dürfen Mitarbeiter des US-Landwirtschaftdepartements verschiedene Begriffe nicht mehr verwenden, darunter den Ausdruck «Klimawandel». Das zeigen interne E-Mails, die dem «Guardian» zugespielt wurden.

Bianca Moebius-Clune, Leiterin für Bodengesundheit, verschickte bereits am 16. Februar dieses Jahres ein Schreiben mit einer Liste mehrerer Begriffe, die künftig «vermieden» werden sollten. Der Ausdruck «Klimawandel» wurde demnach durch «Wetterextreme» ersetzt. Und anstatt von der «Reduktion von Treibhausgasen» zu reden, dem Hauptgrund für den vom Menschen verursachten Klimawandel, sollten Mitarbeiter vom «Aufbau organischer Bodensubstanzen» oder der «Erhöhung der Nährstoff-Nutzungseffizienz» sprechen.

Hinweise auf wirtschaftliches Wachstum, die Entstehung von Geschäftsmöglichkeiten in den ländlichen USA oder die Steigerung der Produkteffizienz durch Bodengesundheit sollten laut Moebius-Clune hingegen «von allen toleriert, wenn nicht geschätzt werden». Diese Begriffe sollten vermieden werden: Auszug aus den E-Mails. (Screenshot: «The Guardian»)

Leitenden Mitarbeitern wurde schon in einer anderen E-Mail am 24. Januar, also nur kurz nach Trumps Amtseinführung, klargemacht, dass die neue Regierung den Klimawandel nicht mehr als Priorität sehe. «Bitte informieren Sie Ihren Staff über diesen Perspektivenwechsel», schrieb der stellvertretende Programmleiter des Natural Resources Conservation Service (NRCS), Jimmy Bramblett. Bei Diskussionen über Treibhausgase sei «Vorsicht» geboten. Die Arbeit der Abteilung zu diesem Thema könnte eingestellt werden.

In den E-Mails wird klar, dass Trumps Regierung aktiv versucht, die Wissenschaft zu zensieren. Der amerikanische Präsident hat wiederholt die Glaubhaftigkeit der Klimaforschung infragegestellt, den Klimawandel sogar als Schwindel bezeichnet. Am Freitag informierte die US-Regierung die Vereinten Nationen schriftlich darüber, dass sie aus dem Pariser Klima-Abkommen aussteigen wolle. Zudem wies Trump die Umweltschutzbehörde an, verschiedene Vorschriften aufzuheben, die den Ausstoss von Treibhausgasen regelten. Erwähnungen zu den Gefahren des Klimawandels wurden von den Homepages des Weissen Hauses und des Innendepartements entfernt.

«Es gibt viele Beweise dafür, dass der Mensch hauptverantwortlich für den Klimawandel ist.»Erkenntnis im neuen Bericht

Das widerspricht diametral den Ansichten führender Wissenschaftler von dreizehn verschiedenen US-Bundesbehörden. Sie verfassten einen neuen Bericht, der vor drastischen Folgen des Klimawandels warnt. Zur Veröffentlichung braucht es noch die Genehmigung der Trump-Regierung. Jetzt befürchten die Verfasser, dass der Bericht absichtlich zurückgehalten werden könnte. Die «New York Times» hat ihn nun veröffentlicht, um etwaigen Abschwächungen zuvorzukommen.

Der Report befasst sich sowohl mit dem globalen Klimawandel als auch mit den Veränderungen, die in den USA bereits eingetreten oder zu erwarten sind. Die vergangenen Jahrzehnte waren demnach die wärmsten der zurückliegenden 1700 Jahre. Die Welt hat sich seit 1880 um rund 0,9 Grad Celsius erwärmt. Amerika dürfte bis zum Jahr 2100 sogar um 2,8 bis 4,8 Grad Celsius wärmer sein als Ende des 19. Jahrhunderts. Die Autoren – darunter Wissenschaftler der US-Meeres- und Klimabehörde NOAA – gehen auf die zahlreichen Beweise ein, die zeigen, dass ein Grossteil des Temperaturanstiegs auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist.

Der umfangreiche, 500-seitige Bericht ist Teil der nationalen Klima-Auswertung, die der US-Kongress alle vier Jahre in Auftrag gibt. Die National Academy of Sciences hat ihn bereits abgesegnet. Bis zum 18. August müsste aber unter anderem auch die Umweltschutzbehörde dem Report zustimmen, deren Chef Scott Pruitt den Zusammenhang von CO-2 und Klimawandel leugnet. Die Trump-Regierung könnte also zum finalen Stolperstein werden und den Bericht versenken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2017, 17:37 Uhr

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