High times in the USA

Warum die Vereinigten Staaten den Haschischkonsum legalisieren werden.

«Soll ichs Ihnen einpacken?»: Marihuana-Joints zum Verkauf. Foto: Ben Nelms (Reuters)

«Soll ichs Ihnen einpacken?»: Marihuana-Joints zum Verkauf. Foto: Ben Nelms (Reuters)

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Aus Männern werden Vergewaltiger, vor allem wenn sie schwarz sind oder mexikanisch. Frauen verlieren jede Hemmung und allen Willen. Zuletzt taumeln sie gemeinsam dem Wahnsinn entgegen. Das behaupteten amerikanische Behörden und Medien noch in den Dreissigerjahren. Heute klingt das so psychotisch wie die Wirkung, die sie dem Cannabis zuschrieben – jenem Unkraut, das seit über 5000 Jahren konsumiert wird. Königin Victoria nahm es gegen ihre Migräne, die Bauern im Emmental rauchten es nach der Ernte. Über 160 Millionen Menschen nutzen es bei Gelegenheit, um alles lustig zu finden, Musik neu zu hören und noch besseren Sex zu haben.

Er habe geraucht, aber nicht inhaliert, sagte Bill Clinton. Natürlich habe er inhaliert, sagte Barack Obama, das sei doch gerade der Punkt. Zwischen den beiden Präsidenten hat Amerika umgedacht. Und es gab einiges zu denken. Die amerikanische Repression, über den Suchtkontrollrat der UNO weltweit exportiert, hat zu einer Kriminalisierung von Millionen geführt, ohne den Massenkonsum zu verhindern. Aus der Illegalität der Substanz ergeben sich Vergiftungen und Überdosierungen. Die Drogenhändler verdienen Milliarden. Das amerikanische Gesetz stuft Marihuana bis heute so gefährlich ein wie Heroin und noch gefährlicher als Kokain und Methamphetamin. Das widerspricht allem, was relevant ist: der Pharma­kologie, der Erfahrung und den Statistiken. Und es behindert die Aufklärung und Prävention.

Aus diesen Gründen hat die «New York Times» die Konsequenz gezogen. Die amerikanischen Bundesstaaten sollten selber über die Freigabe von Marihuana entscheiden, schreibt die Zeitung. Und weist darauf hin, dass die Legalisierung an vielen Orten faktisch vollzogen ist, aber ohne staatliche Kontrolle und Steuereinnahmen. Ein Joint Venture aus liberalen Demokraten und libertären Republikanern könnte im Kongress die Wende bringen.

Wer die Propaganda von früher nicht glaubt, soll sich «Reefer Madness» hochziehen, den Horrorfilm von 1936 über die Folgen von Marihuana. Vergewaltigung, Mord, Selbstmord und Wahnsinn inklusive. Gedreht in grosser Nüchternheit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.07.2014, 23:26 Uhr

Der Komiker Robin Williams über die Wirkung von Hanf.

Jack Nicholson raucht seinen ersten Joint (Szene aus «Easy Rider»).

Der Film «Reefer Madness».

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