Hier lieben sie Trump

Die Zustimmungswerte des US-Präsidenten liegen unter 40 Prozent. Doch das ist seinen Anhängern egal. Ein Besuch in Florida.

«Willkommen Zuhause»: Eine Trump-Unterstützerin in West Palm Beach, Florida. (10. Dezember 2017)

«Willkommen Zuhause»: Eine Trump-Unterstützerin in West Palm Beach, Florida. (10. Dezember 2017)

(Bild: Reuters Kevin Lamarque)

Rudolf Burger

In Florida ist Donald Trump gelegentlicher Wochenendaufenthalter. In Palm Beach steht sein Millionenanwesen Mar-a-Lago, wo er sich gerne von seinen präsidentiellen Pflichten erholt. In Florida, dem bei Präsidentenwahlen wichtigen Bundesstaat, hat er mit 49,1 Prozent der Stimmen gegenüber 47,8 Prozent für Hillary Clinton einen wichtigen Sieg errungen. Dazu beigetragen haben 58 der 67 Counties, verloren hat Trump fast nur in den dicht besiedelten Regionen. In Floridas Norden, wo es wenig Indus­trie und Tourismus gibt, war Trump fast überall voraus.

Baker County an der Grenze zu Georgia ist Teil des «Rost- und Bibelgürtels» und damit typisch für Floridas Norden. Im Hauptort Macclenny mit 6000 Einwohnern gibt es an die 20 Kirchen. Viele Bewohner arbeiten im eine Autostunde entfernten Jacksonville, der grössten Stadt Floridas. Im Restaurant des Heri­tage-Parks treffen sich von Montag- bis Freitagmorgen Kriegsveteranen zum Kaffee. Heute ist ein halbes Dutzend um den Tisch versammelt. Alle sind über 65, sie haben in Korea oder Vietnam gedient, und alle haben für Trump gestimmt. Sind sie mit ihm zufrieden?

Das Gegenteil von New York

«Trump ist ein guter Mann», sagt Marvin Legle, er hat in einem Jahr mehr getan als Obama in acht.» Die Runde ist sich einig. «Endlich haben wir einen Politiker, der etwas tut.» «Er hat Regulierungen aufgehoben, die Unternehmen geschadet haben.» «Früher haben wir drei Jahre gewartet, bis unsere Anträge auf Beihilfe wegen kriegsbedingter Invalidität beantwortet wurden. Jetzt bekommen wir innert 40 Tagen Bescheid.»

«Trump ist ein guter Mann»: Marvin Legle (l.), Kriegsveteran aus Macclenny (FL).

Ist es richtig, wenn Trump für 20 Milliarden Dollar eine Mauer bauen will? «Es kostet uns mehr, wenn wir die Mauer nicht bauen», sagt Clark Mixon, «wir geben für illegale Immigranten 113 Milliarden Dollar pro Jahr aus.» Ins Gespräch kommen jetzt die «sozialistischen Medien», die «Trump hassen», und Robert de Niro, der kürzlich Trump am Fern­sehen als «verdammten Idioten» beschimpft hat. «De Niro ist ein Schwachkopf», sagt Meinungsführer Legle, «all die Hollywood-Leute, die gesagt haben, sie würden das Land unter Trump verlassen, sind noch da. Ich würde für ihr Ticket bezahlen.» Dass die Zustimmungsrate zu Trump auf 39 Prozent gesunken ist – tiefer als jemals für Barack Obama –, kümmert die Veteranen nicht.

In der Crooked Rooster Brewery in Macclenny werden 20 verschiedene Biere ausgeschenkt. Auch Greg Sheppard, der Besitzer des Ladens, wählte Trump. «Hier sind alle für ihn, er versteht es, mit allen Leuten umzugehen.» In Baker County waren 81,5 Prozent für Trump. Sheppard, eingeschriebener Republikaner, hat für eine Gesprächsrunde Parteimitglieder mobilisiert. Bei den Vorwahlen sei er zunächst für Marco Rubio gewesen, sagt Charles Prachar, aber «je mehr ich über Trump gehört habe, desto besser hat er mir gefallen». Und wenn er andere Länder als «Scheissloch» bezeichnet? «Trump sagt das, was die Leute denken.» Ehefrau Gedone ist nicht ganz einverstanden: «Trump sollte sich besser benehmen.»

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Ortsvorsitzender der Republikaner im Baker County ist Chuck Brannan. Er war Ermittler bei der Polizei und kandidiert jetzt fürs Staatsparlament. «Baker County ist so verschieden von New York wie nur möglich», sagt er, «Orte wie unser County sind Trumps Basis.» Auch Brannan hat Trump nicht von Anfang an unterstützt, und er will ihn «nicht für alles entschuldigen, was er tut», aber jetzt zählt für ihn das Portemonnaie: «Die Aktienkurse sorgen dafür, dass ich heute als Pensionierter mehr verdiene als zu Zeiten, wo ich noch gearbeitet habe.» Vor 20 Jahren gab es in Baker County noch viel mehr Demokraten als Republikaner. Doch das seien «Dixiecrats» gewesen, konservative Demokraten, die immer wieder auch für Republikaner stimmten. Heute ist das County fest in republikanischer Hand.

Der einzige Skeptiker in der Runde ist Danny Nolan, einst Besitzer eines Transportgeschäfts, jetzt pensioniert, aber noch im Gemeinderat von Macclenny. «Wir brauchen eine freie Presse», sagt er, «da bin ich mit Trump nicht einverstanden.» Und was die Wirtschaft betrifft, äussert er sich kritischer als andere: «Was mich alarmiert, ist das Defizit. Schon Barack Obama hat viel Geld ausgegeben, dass er nicht hatte. Es kommt so weit, dass wir die Schulden nicht mehr im Griff haben.» «Die Steuerreform wird helfen», wird ihm entgegnet.


Video: Trumps erstes Amtsjahr

Komische Szenen, denkwürdige Momente: Ein Auszug aus dem ersten Amtsjahr des US-Präsidenten. Video: TA


Anderthalb Autostunden westlich von Baker County liegt das noch ländlichere und mit nur 9000 Einwohnern kleinere Lafayette County. Hauptort ist Mayo mit 1200 Einwohnern – hier gibt es nicht einmal einen McDonald’s, aber dafür ein Bed and Breakfast in einem ehemaligen Gerichtsgebäude. Besitzerin ist die über 80-jährige Betty Land, sie ist auch Besitzerin mehrerer Landwirtschaftsbetriebe und langjährige Vorsitzende der Republikaner. Land steht zu «100 Prozent» hinter Trump. «Ich liebe ihn», sagt sie. «Obama hat das Land ruiniert, deshalb ist Trump angetreten. Ein Land führen heisst, ein riesengrosses Unternehmen führen, das macht Trump.» Dass er sich auf Twitter und in der Öffentlichkeit nicht gerade um eine präsidiale Sprache bemüht, stört sie nicht. «Er ist ein Mann vom Bau, die Leute vom Bau reden so. Halb Amerika übrigens auch.»

Hass auf Hillary Clinton

Betty Land hat auch eine Erklärung dafür, wieso Trump in Europa keinen guten Ruf hat: «Europäer sind Sozialisten. Wir sind konservativ. Sozialismus führt zum Kommunismus. Davon wollen wir nichts wissen, wir sind christliche Leute.» Und wie erklärt sie sich die 82,8 Prozent für Trump in einem Bezirk, der angeblich vor 40 Jahren «total demokratisch» war? «Ich selber war Demokratin. Ich habe gewechselt, als ich die demokratische Plattform gelesen habe. Die bringen Babys um.»

«Europäer sind Sozialisten. Wir sind konservativ»: Betty Land aus Mayo, Lafayette County.

Zumindest Hillary Clinton gehöre ins Gefängnis, findet Scott Gadsby. In seinem Garten in Macclenny steht seit über einem Jahr das Schild «Hillary for Prison». Seine Erklärung: «Clinton ist korrupt. Sie sollte büssen für das, was sie diesem Land angetan hat.» Gadsby ist mit seiner Aversion gegen Hillary Clinton in guter Gesellschaft. Sie habe sich nur für Trump entschieden, weil sie Hillary nicht mochte, sagt Jessica Prevatt, Produzentin bei der Lokalzeitung «The Baker County Press». Sie hoffe, die Auswahl sei beim nächsten Mal besser, bei Trump vermisse sie den Respekt für das Amt. Mit «alle ausser Hillary», erklärt auch ihr Chef, James McGauley, Chefredaktor der Zeitung, seine Stimme für Trump. Sein Urteil über Trump ist aber kritisch: «Trump verändert die Präsidentschaft, sie wird nie mehr sein, was sie war.» McGauley ist der Einzige, der Clintons Stimmenplus von drei Millionen Stimmen im ganzen Land anspricht. Trotzdem verteidigt er das Wahlmännersystem: «Es verhindert, dass die USA von Los Angeles, New York, Chicago und Philadelphia regiert werden.»

Schwarze üben keine Kritik

Selbst am Martin-Luther-King-Day hört man kaum Kritik an Trump. Die Teilnehmer an der Feier im Heritage-Park sind überwiegend schwarz. Dennoch ist über den 45. US-Präsidenten in den vielen Reden nichts Negatives zu hören. Der Veteran Toni Esterling, gebürtiger Puertoricaner, ist von Trump überzeugt. «Die Wirtschaft wächst. Die Arbeitslosigkeit unter Schwarzen ist so tief wie nie mehr seit 1990.»

«So kann man ein Land nicht regieren»: Lynward Bones aus Macclenny.

Mit Lynward Bones, dem schwarzen Gemeinderat von Macclenny, findet sich doch ein Clinton-Wähler. «Trump schaut nur für die Wirtschaft», sagt er, «so kann man ein Land nicht regieren, man muss all die verschiedenen Leute einbeziehen.» Mit dem zweiten Teil des Satzes ist auch Gemeinderatskollege Danny Nolan, Trump-skeptischer Republikaner, einverstanden. Er ist einer der wenigen Weissen, die sich an der Feier für Martin Luther King haben blicken lassen.

Sara Blackwell, Anwältin für Arbeitnehmerrechte in Sarasota (54,3 Prozent für Trump), hat sich im Wahlkampf für den Immobilienmogul engagiert, weil er sich im Gegensatz zu Clinton für die Rechte der US-Arbeiter einsetze. Sie findet, Trump arbeite hart, habe sich aber mit viel Kritik herumschlagen müssen «zum Teil fair, zum Teil unfair». Was ihre Interessen betreffe, hätte er mehr tun können, und dennoch: «Für Firmen, die Ausländer anwerben, ist es schwieriger geworden, die nötigen Visa zu bekommen.» Seine Tweets hält Blackwell für «unpassend, aber das ist nun einmal seine Persönlichkeit». Würde sie Trump noch einmal wählen? «Kommt auf den Gegenkandidaten an. Gegen Hillary auf jeden Fall, da würde ich sogar für meinen Nachbarn stimmen, den ich nicht einmal kenne.»

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