US-Verfassung knapp hinter «Harry Potter»

Das Verfassungsbüchlein der USA schaffte es in der Bestsellerliste weit nach oben. Der Grund hat mit Donald Trump zu tun.

Werbung für das Verfassungsbüchlein: Ghazala und Khizr Khan während ihrer Rede am demokratischen Parteitag. (28. Juli 2016)

Werbung für das Verfassungsbüchlein: Ghazala und Khizr Khan während ihrer Rede am demokratischen Parteitag. (28. Juli 2016)

(Bild: Keystone Justin Lane)

In der jüngsten Kontroverse um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump hat es die Taschenausgabe der US-Verfassung auf Platz zwei der Bestenliste von Internethändler Amazon geschafft – knapp hinter dem neusten Buch aus dem Harry-Potter-Universum.

Der plötzliche Erfolg des Verfassungsbüchleins geht auf den Auftritt des Vaters eines im Irak-Krieg getöteten muslimischen US-Soldaten beim Parteikonvent der Demokraten zurück. Khizr Khan hielt während seiner Rede in Philadelphia am Donnerstag ein Exemplar der Verfassung hoch und fragte, ob Trump diese überhaupt gelesen habe.

Khizr Khans Rede. (Video: Youtube/PBS NewsHour)

14. Zusatzartikel empfohlen

Der aus Pakistan stammende Khan, dessen Sohn 2004 bei einem Selbstmordanschlag im Irak starb, warf Trump vor, Muslime in den USA zu verteufeln. Der Rechtspopulist hatte vor einiger Zeit verlangt, im Kampf gegen mögliche Terrorgefahren Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern. Nun fordert er ein Einreiseverbot für Menschen aus «Terrorstaaten».

Trumps Reaktion. (Video: Youtube/Bruce Willas)

Khan empfahl Trump insbesondere die Lektüre des 14. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der denselben Schutz der Gesetze für alle garantiert. An Trump gewandt sagte Khan: «Ich leihe Ihnen gern meine Ausgabe!»

Das einzige Werk, dem die ein Dollar teure US-Verfassung auf der US-Bestsellerliste von Amazon den Vortritt lassen musste, war am Montagabend das Skriptbuch des Harry-Potter-Bühnenstücks «Harry Potter and the Cursed Child» (Harry Potter und das verwunschene Kind) von Potter-Autorin Joanne K. Rowling. Auch bei den Amazon-Buchbestellungen aus der Schweiz war das neuste Potter-Werk auf Platz eins.

Trumps Vize relativiert

Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence versucht, Donald Trump nach dessen umstrittener Kritik an den Eltern eines im Irak gefallenen muslimischen US-Soldaten aus der Schusslinie zu nehmen. «Hauptmann Khan ist ein amerikanischer Held. Wir ehren ihn und seine Familie (...), wir schätzen seine Familie», sagte Pence am Montagabend auf einer Wahlkampfveranstaltung in einem Casino in Nevada.

Eine Frau, deren Sohn bei der Luftwaffe dient, hatte Pence im Casino von Carson City zuvor gefragt, wie Pence Trumps Aussagen tolerieren könne. Sie wurde daraufhin von der Menge ausgebuht. Das verbat sich Pence, weshalb er das Publikum zur Ruhe ermahnte und zu der Fragestellerin sagte: «Das ist, wie Freiheit aussieht. Das ist, wie sich Freiheit anhört.» Er fügte hinzu, er habe noch nie Zeit mit jemanden verbracht, der sich hingebungsvoller dem Militär und Veteranen widme als Trump.

Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten hatte der in Pakistan geborene Khizr Khan die Geschichte seines Sohnes erzählt und sich gegen Trump als Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen. Er stellte infrage, ob Trump jemals die Verfassung gelesen oder selbst Opfer gebracht habe. Seine Frau Ghazala stand bei der Rede stillschweigend an seiner Seite, was Trump zu dem Kommentar hinriss: «Sie hatte nichts zu sagen. Ihr war es vermutlich nicht erlaubt, etwas zu sagen.»

chk/sda/AP

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