Die Unnahbare im Weissen Haus

Ex-Model, PR-Expertin, Ivanka-Freundin: Die 28-jährige Hope Hicks ist Donald Trumps neue Kommunikationsdirektorin.

Absolut loyal zum US-Präsidenten: Hope Hicks, Kommunikationschefin des Weissen Hauses.

Absolut loyal zum US-Präsidenten: Hope Hicks, Kommunikationschefin des Weissen Hauses. Bild: AFP

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Hope Hicks ist bereits die dritte Person im Amt des Kommunikationsdirektors im Weissen Haus, seit Donald Trump US-Präsident ist. Michael Dubke war im Mai aus «persönlichen Gründen» zurückgetreten. Sein Nachfolger Anthony Scaramucci wurde Ende Juli nach nur zehn Tagen gefeuert, weil er unflätige Aussagen über Trump-Berater gemacht hatte. Auf Scaramucci folgte Hicks zunächst interimistisch. Seit Dienstag ist sie nun die neue Kommunikationsdirektorin der Trump-Administration.

Die 28-jährige Hicks gehört zum innersten Kreis des US-Präsidenten. Im Wahlkampf war sie als Pressechefin von Kandidat Trump tätig gewesen. Nach Trumps Einzug ins Weisse Haus arbeitete sie als hochrangige Beraterin für strategische Kommunikation.

Hicks verkörpert das Kontrastprogramm zu ihrem schwatzhaften und prahlerischen Vorgänger Scaramucci. Sie meidet das Rampenlicht, ist wortkarg bei öffentlichen Auftritten. Sie wirkt fast vollständig hinter den Kulissen. Vor allem gilt sie als absolut loyal. Im Wahlkampf hatte sie unliebsame Journalisten von Trump ferngehalten. «Sie war absolut grandios», sagte Trump nach seinem Wahlsieg über seine Pressechefin.

Journalisten, die im letztjährigen Wahlkampf mit Hicks zu tun hatten, sehen dies anders. Die «Washington Post» bezeichnete Hicks «als fast unsichtbares Wesen». Die «New York Times» kritisierte Hicks als «die wahrscheinlich unqualifizierteste Pressechefin in der jüngeren Geschichte der Präsidentschaftswahlkämpfe». Und das Magazin «Politico» charakterisierte Trumps neue Kommunikationsdirektorin kürzlich als «Unberührbare». Trotz ihres Jobs ist sie weder auf Twitter noch auf Facebook aktiv. Und ihr Instagram-Account ist privat.

Hicks verdankt ihren Top-Posten in der US-Regierung einem stabilen, intakten Vertrauensverhältnis zum Präsidenten. Medienberichten zufolge verzichtet Hicks darauf, Trump allzu sehr in seine sehr eigenwillige Kommunikation hineinzufunken. «Sie weiss, dass es vergebliche Liebesmüh ist, wenn sie Trump erzählt, was er nicht sagen soll», will das Magazin «Politico» wissen. «Und sie akzeptiert, dass er Dinge sagt, welche die Menschen schockierend oder verstörend finden.»

Hicks lässt Trump weitgehend frei kommunizieren. Und das passt dem selbstgefälligen Präsidenten. Trump schätzt die Loyalität von Hicks. Und er schätzt offenbar auch, dass Hicks es verstanden hat, sich aus den erbitterten internen Machtkämpfen der vergangenen Monate im Weissen Haus herauszuhalten. Um Hicks gab es nie Schlagzeilen.

PR-Fachfrau mit wenig politischer Erfahrung

Vor dem Wahlkampfjob für Trump hatte Hicks keine politische Erfahrung gehabt. Sie machte jedoch als PR-Fachfrau Karriere. Nach einem Anglistik-Studium an der Southern Methodist University in Texas arbeitete sie für eine bekannte New Yorker PR-Firma. In diesem Job bearbeitete sie ab 2012 Aufträge von Ivanka Trumps Modelinie. Dabei machte sie auch Bekanntschaft mit der Trump-Tochter, mit der sie seither ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegt. 2014 wurde Hicks von der Trump Organization, dem Zusammenschluss der Trump-Unternehmen, angeheuert.

Die neue Kommunikationsdirektorin im Weissen Haus hat Public Relations gewissermassen im Blut. Ihre Familie arbeitet seit Jahrzehnten in der Branche. Ihr Vater, Paul Hicks, war viele Jahre Kommunikationschef des Mineralölkonzerns Texaco und danach Kommunikationsdirektor der Nationalen Football-Liga (NFL).

Hope Hicks als Model und It-Girl

Hicks wuchs in Greenwich Village auf, einem noblen Stadtteil von New York. Als Kind und Teenager hatte sie mehrere Jobs als Model. Hicks stand bei der Modelagentur Ford unter Vertrag und modelte für den Designer Ralph Lauren. Sie liess sich von Star-Fotograf Bruce Weber ablichten. Zudem versuchte sie sich als Schauspielerin.

In der Berichterstattung ist das gute Aussehen von Hicks oft ein Thema. «Sie ist eine junge Frau nach dem Geschmack der Amerikaner», hiess es in einem Hicks-Porträt im Männermagazin «GQ». «Sie ist der Frauen-Typ, der Tom Petty zu Songs inspiriert.»

Als Kommunikationsdirektorin der Trump-Administration wird Hicks eng mit Mediensprecherin Sarah Huckabee Sanders zusammenarbeiten. Während Huckabee Sanders Medienkonferenzen und Briefings gibt, hat die Kommunikationsdirektorin eine einheitliche Botschaft aus dem Weissen Haus zu orchestrieren und abzustimmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2017, 20:24 Uhr

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