Die US-Flagge brennt so schön

Donald Trump hat wieder etwas getweetet. Oder: Wenn Nebelgranaten von echten Problemen ablenken.

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten: Brennende US-Flagge. Foto: Andy Rain (EPA, Keystone)

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten: Brennende US-Flagge. Foto: Andy Rain (EPA, Keystone)

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Viele Dinge rund um den designierten nächsten Präsidenten der USA verdienen Aufmerksamkeit. Dass er sein Amt zur persönlichen Bereicherung nutzen könnte, auch wenn er seine Firma abgibt. Oder dass es den US-Steuerzahler viel Geld kosten wird, wenn Trumps Familie in Manhattan bleibt und der Tower bewacht werden muss.

Stattdessen diskutiert Amerika, ob man die US-Flagge verbrennen darf oder nicht. Donald Trump hat via Twitter die Ansicht geäussert, dass dies «niemandem erlaubt sein» dürfe und mit Haft oder Ausbürgerung bestraft werden müsse.

Die Reaktionen waren absehbar heftig. In den USA ist die Flagge ein heiliges Tuch. Schüler leisten den Treueschwur zur Nation der Flagge zugewandt. Särge von Soldaten werden ins Sternenbanner gewickelt. Nach dem Nationalfeiertag am 4. Juli können Einwegfahnen in speziellen Boxen respektvoll entsorgt werden.

Dass die Flagge legal verbrannt werden darf, ist aber ebenso klar. Der Oberste Gerichtshof hielt 1990 fest, das Entzünden einer Flagge sei eine Form der freien Meinungsäusserung und als solche geschützt durch den ersten Verfassungszusatz. Freedom of Speech. Der unlängst verstorbene konservative Bundesrichter Antonin Scalia sagte 2012, gerade solche Kritik müsse in einem freien Land möglich sein: «Das wäre die Art von Äusserung, die ein Tyrann unterdrücken wollte.»

Trumps Geringschätzung für die Freiheit zur Staatsbeleidigung ist ernüchternd – hier endet seine Lust am politisch Inkorrekten. Zugleich ist seine Haltung nicht neu; viele Politiker forderten Verbrennverbote. Bis jetzt sind alle gescheitert. An der Verfassung, auf die Trump schwören wird.

Doch Trump geht es weniger um Politik als um Ablenkung. Während alles über Fahnen sprach, machte er zwei Wallstreet-Insider zu Finanz- und zu Handelsminister. Er, der gegen das Establishment antrat. Flaggen brennen eben heller.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2016, 23:29 Uhr

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