Der Heilsbringer in der Lederjacke

El Salvadors neuer Präsident Nayib Bukele verspricht eine Zeitenwende. Die Herausforderungen sind riesig: Armut, Korruption, Gewalt und Trump.

Triumph des Favoriten: Nayib Bukele, El Salvadors neuer Präsident, mit seiner Ehefrau Gabriela.

Triumph des Favoriten: Nayib Bukele, El Salvadors neuer Präsident, mit seiner Ehefrau Gabriela.

(Bild: Reuters)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

«Das ist ein historischer Tag. El Salvadors Volk hat das Zweiparteiensystem zerstört», sagte Nayib Bukele nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag. Der erst 37-jährige Politiker steht für einen Neuanfang in der Politik des zentralamerikanischen Landes.

Seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1992 hatten zwei Parteien dominiert: die weit rechts stehende Republikanische nationalistische Allianz (Arena) und die linksgerichtete Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (FMLN). Mit Bukele steht nun ein Politiker an der Staatsspitze, der weder der FMLN noch der Arena angehört. Er kandidierte für die konservative Partei Grosse Allianz für die nationale Einheit (Gana).

Mit Motorrädern reich geworden

Von seinen Anhängern wird Bukele wie ein Heilsbringer gefeiert. Im Wahlkampf inszenierte er sich als Kämpfer gegen das skandalträchtige Establishment von FMLN und Arena. «Die Menschen in El Salvador sind wütend auf die korrupten Politiker und die gebrochenen Wahlversprechen. In Bukele sehen sie einen Politiker, der nicht zu dem korrupten System gehört», kommentierte Roberto Cañas, Politikwissenschaftler der José Simeón Cañas Central American University in San Salvador. Die Programme der drei Präsidentschaftskandidaten seien nicht sehr unterschiedlich gewesen. Bukele hat es laut Cañas am besten geschafft, als Antikorruptionskämpfer aufzutreten. «Wir haben genug Geld, wenn es niemand stiehlt», sagte Bukele im Wahlkampf.

Dabei war Bukele selber Teil des Systems gewesen. Eine FMLN-Koalition hatte es ihm ermöglicht, Bürgermeister von San Salvador zu werden. Von 2015 bis 2018 regierte er die Hauptstadt El Salvadors. 2017 wurde Bukele allerdings aus der FMLN ausgeschlossen, weil er offensichtlich zu deutliche Kritik an der Partei geäussert hatte.

Die Erwartungen in der Bevölkerung sind riesig: Anhänger von Nayib Bukele in San Salvador. Foto: Reuters

Bukele, dessen Vater palästinensischer Herkunft ist, hatte als junger Mann als Unternehmer begonnen, ehe er sich der Politik verschrieb. Seit seiner Unternehmerzeit ist Bukele Eigentümer von Yamaha Motors El Salvador. Der neue Staatspräsident El Salvadors gilt als sehr wohlhabend.

Bei der Präsidentschaftswahl 2019 startete Bukele als Aussenseiter. Er schaffte es aber schnell zum Favoriten. Und als Favorit ging er schliesslich als klarer Sieger hervor. Seinen Wahlkampf hatte er professionell geführt, auch via Facebook und Twitter. Bukele gilt in seinem Land als Social-Media-Star.

7 Millionen leben in Armut

Bukele hat versprochen, nicht nur die Korruption zu bekämpfen, sondern auch die grassierende Gewalt in seinem Land. Die Mordrate liegt bei 51 pro 100'000 Einwohnern – und damit erheblich über dem weltweiten Durchschnitt. Letztes Jahr wurden 3340 Morde registriert. Mächtige Strassengangs sollen 70'000 Mitglieder haben, von denen 17'000 hinter Gittern sind.

Eine weitere Herausforderung ist die Wirtschaftskrise. Zwar wuchs die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent, doch etwa 30 Prozent der rund 7 Millionen Salvadorianer leben unter der Armutsgrenze. Und das begünstigt wiederum die Strassengang- und Gewaltkriminalität in El Salvador.

El Salvador von Trump als «Drecksloch-Land» beschimpft

Eine Herausforderung für den neuen Präsidenten El Salvadors ist auch US-Präsident Donald Trump, der die Zuwanderung aus Zentralamerika eindämmen will. Dies könnte dazu führen, dass die Trump-Administration Hilfsgelder an El Salvador reduziert. In der Terminologie Trumps gehört El Salvador zu den «Drecksloch-Ländern» («shithole countries»), aus denen unerwünschte Menschen in die USA kommen. Möglicherweise kommt es zu einer erzwungenen Rückwanderung aus den USA nach El Salvador. Die erleichterte US-Niederlassung von Immigranten aus El Salvador wurde abgeschafft.

Das Amt des Staatspräsidenten wird Bukele am 1. Juni übernehmen. Allerdings wird er ohne Mehrheit im Parlament regieren müssen. Dort verfügt seine Partei über nur 11 der insgesamt 84 Sitze. Bukele wird also ein Bündnis mit der Rechten schliessen müssen.

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