Der Albtraum des US-Präsidenten

Niemand bringt Donald Trump so in Rage wie die in Somalia geborene Abgeordnete Ilhan Omar.

Ihr Vater arbeitete als Taxifahrer und Pöstler, sie ist die jüngste Parlamentarierin im Land: Ilhan Omar. Foto: Keystone/EPA/Shawn Thew

Ihr Vater arbeitete als Taxifahrer und Pöstler, sie ist die jüngste Parlamentarierin im Land: Ilhan Omar. Foto: Keystone/EPA/Shawn Thew

Christian Zaschke@ChZaschke

Wenn Ilhan Omar vor einem Auftritt vorgestellt wird, spielt in der Regel das Wort «erste» eine entscheidende Rolle. Sie ist die erste amerikanische Kongressabgeordnete, die in Somalia geboren wurde. Sie ist die erste Frau mit Migrationshintergrund, die Minnesota in Washington vertritt. Sie ist die erste Frau, die im Parlament ein Kopftuch trägt. Gemeinsam mit Rashida Tlaib aus Michigan ist sie die erste Muslimin im Abgeordnetenhaus. Nicht zuletzt ist sie die Frau, die Präsident Donald Trumps Zorn auf sich zieht wie kaum jemand sonst im politischen Betrieb.

In einer Reihe von Tweets hatte der Präsident Omar und drei anderen Demokratinnen in dieser Woche mitgeteilt, sie könnten in die Länder zurückkehren, aus denen sie gekommen seien, falls es ihnen in Amerika nicht gefalle. Die anderen drei Frauen sind in den USA geboren worden. Omar sagte, mit seiner «offen rassistischen Attacke» verfolge der Präsident die Agenda weisser Nationalisten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Omar und Trump aneinandergeraten sind. Unter anderem beschuldigte Trump sie, mit dem Terrornetzwerk al-Qaida zu sympathisieren, obwohl sie sich deutlich davon distanziert hatte. Als sie in einer Rede über die Anschläge vom 11. September 2001 die Worte «Leute haben etwas getan» benutzte, liess er diese Passage aus dem Zusammenhang reissen und mit Bildern unterlegen, die die einstürzenden Türme des World Trade Center in New York zeigten. Nachdem sie sich kritisch über Israels Siedlungspolitik und den Einfluss der Pro-Israel-Lobby in Washington geäussert hatte, forderte er, sie solle sich entschuldigen.

Der Vater war Taxifahrer und Pöstler

Omar wurde 1982 als jüngstes von sieben Kindern in Mogadiscio geboren. Als sie acht Jahre alt war, landete die Familie in einem Flüchtlingslager in Kenia. Vier Jahre lang lebten die Omars in Armut. 1995 wurde die Aufnahme in den USA bewilligt. Zuvor hatte sich die Familie einen Informationsfilm für Immigranten angesehen. In diesem erschien Amerika als Idyll, in dem Gleichheit und Frieden herrschen. Als sie in New York ankam, einem, wie Omar damals fand, schmutzigen Moloch voller Menschen, sagte sie zu ihren Vater: «Das ist nicht das Amerika, das du uns versprochen hast.» Diese Geschichte erzählt sie bis heute gern bei Auftritten.

Zunächst zog die Familie in die Nähe von Washington, schliesslich liess sie sich in Minnesota nieder, dem Zentrum der somalischen Diaspora. Omars Vater arbeitete zunächst als Taxifahrer, später bei der Post. Ihren Grossvater begleitete sie regelmässig zu Veranstaltungen der Demokraten, wo sie für ihn übersetzte. «Auf diese Weise habe ich mich in die Politik verliebt», sagt sie.

Mit 17 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin, mit 20 hatte sie ihr erstes von drei Kindern, mit 28 schloss sie ihr Politikstudium ab, mit 34 bewarb sie sich erfolgreich um einen Sitz im Regionalparlament von Minnesota, mit 36 zog sie ins Abgeordnetenhaus in Washington ein.

Als sie in der «Daily Show» zu Gast war, fragte der Moderator: «Und, was ist der Plan?» Omar antwortete: «Ich bin Amerikas Hoffnung und des Präsidenten Albtraum.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt