Das US-Dilemma im Jemen

Die USA haben Kriegsschiffe vor die Küsten des Bürgerkriegslandes verlegt. Zu den Gründen machen sie widersprüchliche Angaben.

Der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt und der Waffenkreuzer USS Normandy wurden vor die Küsten Jemens verlegt.

Der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt und der Waffenkreuzer USS Normandy wurden vor die Küsten Jemens verlegt.

(Bild: Keystone Josh Petrosino)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Die Obama-Administration gibt widersprüchliche Signale über den Einsatz der US-Marine vor der Südküste des Jemen ab. Derzeit befinden sich neun amerikanische Kriegsschiffe in der Region, darunter der Raketenkreuzer USS Normandy sowie der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt mit 60 Kampfflugzeugen an Bord.

Die Trägergruppe war angeblich vor die Küste des Jemen entsandt worden, um einen Konvoi iranischer Frachter mit Kurs auf die umkämpfte jemenitische Hafenstadt Aden zu beobachten. Die US-Regierung hat Teheran beschuldigt, Waffen an die Huthi-Rebellen zu liefern, was der Iran bestreitet.

Die Kriegsschiffe sollen Optionen schaffen

Bereits am Dienstag hatte Pentagon-Sprecher Steve Warren erklärt, die Entsendung der Kriegsschiffe verschaffe den USA «mehr Optionen». Am Dienstagabend sagte Präsident Obama dem TV-Sender NBC, man habe Teheran informiert, «dass es ein Problem ist, wenn Waffen an die Kriegsteilnehmer im Jemen geliefert werden». Die Erklärungen hatten in US-Medien Spekulationen ausgelöst, wonach die US-Marine die iranischen Frachter notfalls stoppen werde.

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Marie Harf, die Sprecherin des US-Aussenministeriums, wies diese Interpretation jedoch zurück: Die amerikanischen Kriegsschiffe befänden sich nicht in den Gewässern vor dem Jemen, um iranische Schiffe nach Waffen zu durchsuchen. Es gehe darum, die Schifffahrtswege «offen und sicher zu halten», so Harf. Analysten in Washington sind überzeugt, dass die Regierung Obama eine Konfrontation mit Teheran vermeiden möchte, da andernfalls eine Vereinbarung zur Beilegung des Atomstreits gefährdet wäre.

Munition für Gegner des Atomabkommens

Allerdings hat die iranische Unterstützung für die jemenitischen Huthi-Rebellen den Gegnern einer solchen Vereinbarung in Washington bereits Munition verschafft: Die Vorgänge im Jemen unterstrichen, «dass der Iran rund um die Welt in problematische Aktivitäten verwickelt ist», warnte der republikanische Kongressabgeordnete Mac Thornberry, der den aussenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses leitet.

In dieser Woche vor 27 Jahren hatte sich schon einmal eine Konfrontation zur See zwischen dem Iran und den USA ereignet: Nachdem die US-Fregatte Samuel B. Roberts am 14. April 1988 im Persischen Golf auf eine iranische Seemine gelaufen und schwer beschädigt worden war, zerstörte die amerikanische Marine zwei iranische Ölbohrplattformen sowie mehrere iranische Kriegsschiffe.

DerBund.ch/Newsnet

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