Buch voller «Lügengeschichten»: Trumps Team schlägt zurück

Das Enthüllungsbuch über Trump von Reporterlegende Bob Woodward zwingt das Weisse Haus nach der Veröffentlichung erster Inhalte zu Reaktionen.

Die Tonaufnahmen des Telefonats zwischen Bob Woodward und Donald Trump vom August 2018. (Video: Tamedia/AP)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

US-Präsident Trump gerät erneut durch ein Enthüllungsbuch unter Druck – diesmal verfasst von Pulitzer-Preisträger Bob Woodward. Nur Stunden nach Veröffentlichung erster Inhalte durch die «Washington Post» schlägt das Weisse Haus in scharfem Ton zurück.

Das Weisse Haus hat die Darstellungen des Pulitzer-Preisträger Bob Woodward in dessen neuem Enthüllungsbuch über die Regierung von Präsident Donald Trump scharf zurückgewiesen. Das Buch, das umgehend auf Platz 1 der Amazon-Liste schnellte, enthalte nichts anderes als «Lügengeschichten, viele davon von verärgerten früheren Mitarbeitern», teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders am Dienstag mit.

Trumps Stabschef John Kelly wies besonders die Darstellung Woodwards zurück, wonach er – Kelly – Trump als «Idioten» bezeichnet habe. «Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, die Menschen zu beschmutzen, die Präsident Trump nahestehen, und von den vielen Erfolgen der Regierung abzulenken.»

Autor Bob Woodward beschreibt in Anekdoten, wie die Mitarbeiter des Präsidenten ständig versuchen, ihren Chef unter Kontrolle zu bringen und seine Anweisungen missachten. Das meldete die «Washington Post», die vorab eine Kopie des Buches erhalten hatte, am Dienstag.

«Beängstigende Zustände»

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf das Buch von beängstigenden Zuständen im Weissen Haus. Woodward zitiert in dem Buch mit dem Titel «Angst – Trump im Weissen Haus» unter anderem Kelly, der im Kreis von Mitarbeitern über den Präsidenten gesagt haben soll: «Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist entgleist.»

Woodward schreibt auch für die «Washington Post». In dem Buch berichtet er nach Angaben der Zeitung, der damalige Wirtschaftsberater Gary Cohn habe «einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen», mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea habe auflösen wollen.

Cohn habe einem Mitarbeiter später gesagt, er habe damit die Nationale Sicherheit schützen wollen – und dass Trump das Fehlen des Schreibens nicht bemerkt habe.

Trumps Anruf bei Woodward

Die «Washington Post» veröffentlichte auch einen Mitschnitt und ein Transkript eines Telefonats Trumps mit Woodward nach Abschluss des Buch-Manuskripts. Woodward hatte sich zuvor um ein Interview mit Trump bemüht, das aber nicht zustande kam. Trump sagte in dem Telefonat, niemand habe ihn darüber informiert.

Trump rief Woodward an, nachdem das Manuskript des Buches fertiggestellt worden war. Quelle: Washington Post

Der Präsident äussert in dem Gespräch bereits die Erwartung, dass das Buch negativ ausfällt, versucht aber, das als belanglos abzutun. «Also habe ich ein weiteres schlechtes Buch, das rauskommt. Grosse Sache.»

Woodwards Buch erscheint am 11. September im Verlag Simon & Schuster. Der Verlag teilte mit, der Autor decke «das erschütternde Leben im Inneren von Präsident Donald Trumps Weissem Haus» auf. (nag/sda)

Erstellt: 04.09.2018, 22:57 Uhr

Artikel zum Thema

Furcht im Weissen Haus

Watergate-Rechercheur Bob Woodward legt sein Enthüllungsbuch über Donald Trump vor. Mehr...

«Das Buch wird ein Killer»

Porträt US-Reporterlegende Bob Woodward brachte US-Präsident Richard Nixon zu Fall, jetzt legt er ein Buch über die Trump-Regierung vor. Mehr...

«Nixon war viel schlimmer, als wir dachten»

Richard Nixon habe lange vor dem Watergate-Skandal zu illegalen Methoden gegriffen. Das sagen die Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward, 40 Jahre nachdem sie die Affäre enthüllten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...