«Bachmann ist die ungefährlichste Kandidatin für Obama»

Michelle Bachmann gewinnt eine Testwahl und Texas-Gouverneur Rick Perry steigt ins Präsidentschaftsrennen. Tagesanzeiger-Korrespondent Martin Kilian sagt, wer bei den Republikanern die grössten Chancen hat.

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Jan Knüsel

Michele Bachmann hat eine Testabstimmung der Republikaner in Ames, im US-Bundesstaat Iowa, gewonnen. Wie wichtig ist dies Wahl? Der sogenannte Straw Poll ist nicht besonders wichtig. Er kann zwar Signalwirkung wie 1999 haben. Damals hatte George W. Bush gewonnen. Später die Präsidentschaft. Es gibt aber auch Straw Polls, bei denen andere Kandidaten am Ende nominiert wurden. Die Testwahl hat aber insofern Signalwirkung, dass Bachmann damit in den Vordergrund tritt. Wie läuft ein Straw Poll ab? Republikanischen Parteimitglieder versammeln sich an der Iowa State University in Ames. Gegen Bezahlung einer Gebühr können sie an der Wahl teilnehmen. Diese Tatsache macht den Straw Poll nicht wirklich verlässlich. Es geht auch soweit, dass die Kandidaten ihren Unterstützern die Eintrittskarten für den Straw Poll bezahlen. Ganze Busse von Fans werden manchmal herangekarrt. In diesem Sinne handelt es sich bei dieser Testabstimmung um keine wissenschaftliche Umfrage. Ist Michele Bachmann nun Favoritin unter den Republikanern? Sie ist sicherlich eine Mitfavoritin. Momentan sehe ich Michele Bachmann, Mitt Romney und den Texaner Rick Perry an der Spitze des republikanischen Kandidatenfeldes. Rick Perry, der derzeitige Gouverneur von Texas, ist seit diesem Wochenende offiziell im Präsidentschaftsrennen. Wie gut stehen seine Chancen? Ich schätze die Chancen für Ricke Perry als sehr gut ein. Er ist einer der wenigen Kandidaten, der bei beiden Flügeln der Republikanern gut ankommt. Seine Politik spricht die Sozialkonservativen, aber auch die Geschäftsleute an. Zudem hat er als Gouverneur von Texas keine schlechte Regierungsbilanz vorzuweisen. Was hat Perry als Gouverneur geleistet? Rick Perry ist der am längsten dienende Gouverneur von Texas. Er verweist vor allem auf die Schaffung neuer Arbeitsplätzen. Zum Teil handelt es sich jedoch um schlecht bezahlte Jobs. Ausserdem ist auch Perry inzwischen gezwungen, grössere Budgetkürzungen vorzunehmen, darunter im Bildungswesen. Kann man Perry zur Tea Party zählen? Er kann mit seinen Positionen die Tea Party durchaus einnehmen. Perry hat aber nicht die Unterstützung der religiösen Kreise, wie sie Bachmann hat. Perry war bis 1989 sogar Demokrat. Die republikanische Welle in den amerikanischen Südstaaten und in Texas hat ihn und viele andere die Seiten wechseln lassen. Perry spricht davon, Washington «so belanglos werden zu lassen, wie ich kann». Das ist die typische Rhetorik der Republikaner. Er will den Föderalismus zulasten des Bundes fördern. Auch staatliche Renten und die staatliche Medizinversorgung der Senioren will Perry abschaffen. Und hier könnte sein Problem liegen. Denn die meisten Amerikaner befürworten beide staatliche Leistungen. Was Perry vorschlägt, wird also von einer breiten Mehrheit abgelehnt. Damit kann der Texaner sicherlich nicht gegen Obama punkten. Was ist mit Sarah Palin los? Wird sie antreten? Sarah Palin würde das Rennen um die republikanische Nomination noch einmal kräftig aufmischen. Noch hält sie sich bedeckt. Auch ihre Vertrauten und ihre Familie geben keine Auskunft. Die Zeit eilt. Palin müsste sich in den nächsten zwei bis drei Monaten entscheiden, denn bereits Ende Dezember beginnt die Vorwahlsaison. Welchem republikanischen Favoriten geben Sie die besten Chancen? Das ist schwer zu sagen, da kann sich noch so viel ereignen. Romney ist sicherlich der Schwächste der drei Favoriten. Rick Perry könnte sich bessere Chancen gegen Obama ausrechnen als Bachmann. Diese sagt so unglaubliche Dinge, dass man ihr einfach einen Strick daraus drehen könne. Wie steht es um die Chancen von Barack Obama? Seine Chancen sind sicherlich nicht die allerbesten, und das nicht nur wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise. Der Enthusiasmus seiner Wählerbasis ist verschwunden. Viele jungen Leute werden nicht mehr für ihn in die Schlacht ziehen und Freiwilligenarbeit leisten. Wären morgen die Wahlen, wäre Perry der gefährlichste. Bachmann ist die ungefährlichste, Romney ist in der Mitte anzuordnen. Sollte Bachmann die Nomination gewinnen, dann kann sich Obama ein Glas Wein einschenken. Die beiden Wunschkandidaten des Weissen Hauses wären sicherlich Michelle Bachmann und Sarah Palin.

DerBund.ch/Newsnet

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