Aufrecht gegen das «billige Geschwätz»

Die Tochter von Senator John McCain hat die Trauerfeier zu dessen Tod genutzt, um Anstand in der Politik anzumahnen.

Was Klimaschutz, Familienplanung oder die Rechte von Homosexuellen angeht, steht sie bis heute weit links von den meisten Republikanern: Meghan McCain. Foto:

Was Klimaschutz, Familienplanung oder die Rechte von Homosexuellen angeht, steht sie bis heute weit links von den meisten Republikanern: Meghan McCain. Foto: Bild: Heidi Gutman/Keystone

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Am Wochenende versammelte sich das alte Washington noch einmal, um Abschied von John McCain zu nehmen. An seinem flaggenbedeckten Sarg bekam auch der amtierende Präsident Donald Trump, ein Intimfeind McCains, seinen Rüffel. Diese Aufgabe fiel Meghan McCain zu, der Tochter des Verstorbenen, und sie erledigte sie mit Bravour. Meghan McCain erwähnte Trump in ihrer Rede zwar nicht namentlich. Aber jedem Gast in der National Cathedral war völlig klar, wen und was sie meinte, als sie die Opfer- und Dienstbereitschaft ihres Vaters lobte und dem Opportunismus und «billigen Geschwätz» gewisser anderer Politiker gegenüberstellte. Selbst Trumps Wahlslogan – «Make America Great Again» – wandte Meghan McCain gegen den Amtsinhaber: «John McCains Amerika muss nicht erst wieder gross gemacht werden, es war schon immer gross.»

Meghan Marguerite McCain, geboren 1984, ist das älteste von vier Kindern aus der zweiten Ehe von John McCain. Während ihre Brüder Jack und Jimmy wie einst der Vater zum Militär gingen und praktisch nie öffentlich auftreten, wurde Meghan McCain das, was man in den USA eine «public figure» nennt: Die studierte Kunsthistorikerin schreibt Bücher, kommentiert im Fernsehen und auf Twitter. Sie ist eine der Moderatorinnen der erfolgreichen Fernsehshow «The View» auf dem Sender ABC, in der eine Gruppe prominenter Frauen aktuelle Themen bespricht. Vor allem aber ist Meghan McCain in den vergangenen Jahren zu einer Art Verwalterin des politischen Erbes ihres Vaters geworden.

Das trifft sich, denn Tochter und Vater verbindet viel. Da ist zum einen der Hang zur Missachtung von Parteidogmen. Eine eingetragene Republikanerin ist Meghan McCain erst seit 2008, als ihr Vater Präsidentschaftskandidat der Partei war. Was Klimaschutz, Familienplanung oder die Rechte von Homosexuellen angeht, steht sie bis heute weit links von den meisten Republikanern. Ihre wirtschafts- und sicherheitspolitischen Ansichten sind dagegen konservativ. Bei John McCain war das ähnlich.

Für die Mehrheit der Parteianhänger ist sie eine Verräterin, sie würde keine Vorwahl überstehen.

Zum anderen teilt Meghan mit ihrem Vater eine tiefe Verachtung für Donald Trump. Dessen plumpes, rechtspopulistisches Gerede und dessen spalterische Politik waren schon John McCain zuwider. Bei der Tochter ist das nicht anders. Dass Meghan McCain – eine Republikanerin mit einem bekannten Namen – sich immer wieder offen gegen Trump stellt, ist inzwischen ein wesentlicher Teil der Rolle geworden, die sie im Fernsehgeschäft spielt.

An Meghan McCain kann man freilich auch gut sehen, wie sich Amerikas Politik unter Trump verändert hat. Eine Karriere bei den Republikanern als Abgeordnete oder Senatorin, wie ihr Vater sie gemacht hat, wäre für sie heute unmöglich. Für die Mehrheit der Parteianhänger ist sie eine Verräterin, sie würde keine Vorwahl überstehen.

Meghan McCain sprach am Samstag zwar vor der gesamten politischen und gesellschaftlichen Elite Washingtons, und sie sprach den meisten aus dem Herzen. Aber das kann nicht verdecken, dass diese Elite nicht mehr viel zu sagen hat. Trump beherrscht alles. Insofern passte der Anlass der Rede zur politischen Lage Amerikas: Es war eine Beerdigung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2018, 22:16 Uhr

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