100'000 US-Soldaten sollen Opfer sexueller Übergriffe sein

Die Zahl der Soldaten, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, ist erschreckend hoch.

Nur etwa 20 Prozent der betroffenen Männer in der US-Army melden einen sexuellen Übergriff. Foto: Reuters

Nur etwa 20 Prozent der betroffenen Männer in der US-Army melden einen sexuellen Übergriff. Foto: Reuters

Bei den US-Streitkräften sind in den vergangenen Jahren nach einem Bericht der New York Times etwa 100'000 Männer Opfer von sexuellen Übergriffen geworden. Wie die Zeitung unter Berufung auf Zahlen des US-Verteidigungsministeriums berichtete, waren allein im Jahr 2018 etwa 7500 Männer betroffen. Die Zahlen umfassen Fälle von sexueller Belästigung, versuchter Nötigung bis hin zu Vergewaltigung.

Die Opfer seien meist jünger als 24 Jahre und hätten einen niedrigen Dienstgrad. Viele von ihnen sähen sich in der Folge gezwungen, die Armee zu verlassen, und hätten dann Schwierigkeiten, im Alltag wieder Fuss zu fassen. In der Geschichte der New York Times werden sechs Männer porträtiert, die ihre Erfahrungen schildern.

Grössere Dunkelziffer bei Männern

Dem von der Zeitung zitierten Bericht des Verteidigungsministeriums zufolge wurden im vergangenen Jahr etwa 13'000 Frauen Opfer sexueller Übergriffe. Die Zahl der weiblichen Opfer liegt im gleichen Zeitraum also um mehr als 70 Prozent höher als die der männlichen Opfer. Allerdings gibt es Unterschiede im Anzeigeverhalten. Während nur etwa 20 Prozent der betroffenen Männer die Tat melden, sind es bei den Frauen den Daten zufolge etwa 38 Prozent.

Man sei sich bis 2006 sicher gewesen, dass fast ausschliesslich Frauen betroffen seien.

Mehr als die Hälfte aller Übergriffe auf Männer geht nach Angaben des Verteidigungsministeriums von Männern aus. 30 Prozent der betroffenen Männer gaben an, die Täter seien weiblich gewesen, in 13 Prozent der Fälle handelte es sich um männliche und weibliche Täter. Bei den weiblichen Opfern waren die Täter in der überwiegenden Zahl Männer.

Wie es in dem Bericht heisst, erhebt das US-Verteidigungsministerium erst seit 2006 Zahlen über männliche Opfer sexueller Übergriffe. Man sei sich bis dahin sicher gewesen, dass beinahe ausschliesslich Frauen betroffen seien, zitierte die Zeitung Nathan W. Galbreath vom zuständigen Büro des Verteidigungsministeriums. Übergriffe seien entweder gar nicht erst gemeldet oder nicht weiter verfolgt worden.

SZ/dpa

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