Viel, viel Spott und ein 5-Punkte-Plan

Boris Johnson schlägt zurück. Nach dem Premierminister-Aus äussert sich der Held der Brexiteers im «Telegraph». Und teilt heftig aus.

Die Tory-Kandidaten brauchen einen Plan für den Brexit – hier ist meiner: Screenshot der Boris-Johnson-Kolumne im «Telegraph».

Die Tory-Kandidaten brauchen einen Plan für den Brexit – hier ist meiner: Screenshot der Boris-Johnson-Kolumne im «Telegraph». Bild: Screenshot / Telegraph

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Nachdem sich Boris Johnson selber aus dem Rennen um das Beerben von David Camerons Premierministerposten genommen hat, meldet er sich zurück. Im Köcher: einen Post-Brexit-Plan mit fünf «grundsätzlichen Wahrheiten» und viel Spott für die Anti-Brexit-Protestierenden, die am Samstag auf dem Trafalgar Square ihrem Unmut Luft machten.

«Sie hatten die Aura von Idealisten, Corbynistas; Linke; die Art von Menschen, die auf einen Protestmarsch gehen würden, um einen Krieg zu stoppen», spottet Ex-London-Bürgermeister Boris Johnson über die geschätzten 50'000 Demonstranten unter der Wortführung von Musiker Bob Geldof. Üble Beleidigungen hätten Sie ihm zugeworfen, beklagt sich Johnson in seiner mit 250'000 Pfund pro Jahr vergoltenen Kolumne im «Telegraph». «Sonst sahen die jungen Leute charmant aus, so, als ob sie fasten würden, um Geld für ein Dritte-Welt-Lepraprojekt zu sammeln», schreibt Johnson weiter.

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Boris Johnsons Fünf-Punkte-Plan - solide oder nicht?





Er verstehe nicht, warum die Linken «Wir lieben dich, EU!» singen würden und warum Bob Geldof allen Ernstes behaupte, die «ältere Generation hat euch um eure Zukunft beraubt». Eigentlich sei eine Anti-EU-Haltung immer schon ein linkes Anliegen gewesen. So habe der legendäre Labour-Politiker Tony Benn die EU zu seinen Lebzeiten als «undemokratisch» bezeichnet, und auch Jeremy Corbyn, aktueller Labour-Führer, sei alles andere als überzeugt von der EU. «Was wollen wir? Mehr EU-Regeln! Wann wollen wir es? Jetzt!», fasst Johnson die Haltung der Anti-Brexiteers zusammen. Er rät den jungen Protestierenden stattdessen, sich gegen die Europolitik der EU zu stellen.

Es geht gar nicht um die EU

«Also, um was geht es?», fragt Johnson rhetorisch. In der Bevölkerung gebe es einfach irrationale Emotionen. «Eine Art Hysterie, ein ansteckendes Trauern von der Art, als 1997 die Prinzessin von Wales (Diana) gestorben ist.» Natürlich gehe es in diesem Streit nicht um die EU, «oder zumindest nicht ganz». Die Linken würden die Funktionsweise der EU nicht verstehen. Das, was jetzt geschehe, seien die letzten psychologischen Beben des «Project Fear», einer Bezeichnung für die Anti-Brexit-Kampagne, die gemäss dem Befürworterlager primär auf Ängsteschüren gesetzt habe. Jetzt könne man nicht warten, bis es einen neuen Premierminister gebe – die Zeit für klare Worte sei jetzt.

Seine klaren Worte sind allerdings grösstenteils Wiederholungen aus dem Wahlkampf:

Johnsons 5 Punkte für einen Brexit-Plan

  • 1. Der Status der EU-Bürger in Grossbritannien sei absolut nicht bedroht. Ja, die Einwanderung werde weitergehen, aber kontrolliert. Damit würde man Extremisten ausschalten.
  • 2. Es sei von «überwältigendem wirtschaftlichem Interesse» für die EU, ein Freihandelsabkommen mit dem UK zu schliessen, während «wir uns aus der Gesetzgebungsgewalt der EU herausziehen».
  • 3. Das Vereinigte Königreich solle Freihandelsabkommen mit «Ländern rund um die Welt» abschliessen.
  • 4. Man könne immer noch eine Führungsrolle in Europa übernehmen – «in Sicherheitsfragen und anderen Angelegenheiten». Allerdings «zwischenstaatlich».
  • 5. Bob Geldof solle lieber singen, man habe eine strahlende Zukunft vor sich. Das sei nämlich so.

(rsz)

Erstellt: 04.07.2016, 10:25 Uhr

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