Ein Untersee-Kabel zwischen Brasilien und Europa

Die EU und Brasilien wollen sich angesichts der NSA-Abhöraffäre mit einem gigantischen Glasfaserkabel durch den Atlantik vor Spionage schützen.

8500 Kilometer lang soll das neue Unterwasserkabel zwischen Lissabon und Fortaleza werden.

8500 Kilometer lang soll das neue Unterwasserkabel zwischen Lissabon und Fortaleza werden. Bild: Reuters

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Die EU und Brasilien ziehen ihre Konsequenzen aus dem NSA-Abhörskandal und haben ein gemeinsames Untersee-Datenkabel durch den Atlantik vereinbart: Die Verbindung zwischen Lissabon und Fortaleza im brasilianischen Nordosten solle 185 Millionen Dollar kosten, erklärte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff beim EU-Brasilien-Gipfel in Brüssel. «Wir wollen nicht, dass Unternehmen ausspioniert werden», sagte Rousseff. Das Projekt werde hoffentlich im kommenden Jahr abgeschlossen.

Bisher gab es nur eine einzige direkte, 8500 Kilometer lange Telekommunikationsverbindung zwischen Europa und Brasilien. Sie reicht von Lissabon nach Fortaleza und heisst «Atlantis II». Sie stammt aus dem Jahr 2000 und gilt als alt und überlastet. Aus diesem Grund wurde sie nur für die Übertragung von konventionellen Telefongesprächen verwendet – den Internet-Datenverkehr konnte sie nicht bewältigen.

Verbindung über die USA

Die Internetverbindungen Brasiliens über den Atlantik laufen über drei weitere Unterseekabel. Und diese führen allesamt über die USA. Das birgt nicht nur Sicherheitsrisiken, sondern ist auch langsamer und teurer als eine Direktverbindung.

Das Unterseekabel dürfte von einem Gemeinschaftsunternehmen aus Brasiliens Telekomkonzern Telebras und der spanischen Firma IslaLink Submarine Cables verlegt werden.

Verärgerung wegen des NSA-Skandals

Rousseff soll wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vom US-Geheimdienst NSA überwacht worden sein. Brasilien zeigte sich besonders verärgert darüber, dass Telefongespräche und Mails von Rousseff ausspioniert worden waren. Die Präsidentin sagte deswegen im vergangenen Jahr einen Besuch in Washington ab.

Nach der NSA-Abhöraffäre wird auch in Europa vermehrt über Alternativen in der Telekommunikation nachgedacht. So wollen Frankreich und Deutschland die Möglichkeit eines europäischen Internets ausloten. (czu/sda)

Erstellt: 24.02.2014, 20:12 Uhr

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