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Der Kanton Bern zeichnet Literatinnen und Literaten ausAusgezeichnete Romane, Gedichte und Spoken Word-Werke

Die Preisverleihung ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Aber die Literaturpreise des Kantons Bern werden trotzdem verliehen. Das sind die Gewinner.

Die Autorin Ariane von Graffenried und Komponist Robert Aeberhard alias Fitzgerald & Rimini gehören zu den Preisträgern.
Die Autorin Ariane von Graffenried und Komponist Robert Aeberhard alias Fitzgerald & Rimini gehören zu den Preisträgern.
Michael von Graffenried

Der Kanton Bern zeichnet dieses Jahr sechs Literatinnen und Literaten für ihr Schaffen aus. Fünf von ihnen erhalten je 10'000 Franken. Mit einem Spezialpreis von 5000 Franken wird ein Werk über die Geschichte des Schweizer Kriminalromans ausgezeichnet.

«Mord im Alpenglühen» heisst das Werk, in dem Paul Ott die Entwicklungen des Schweizer Krimischaffens über 200 Jahre nachzeichnet.

Auch unter den preisgekrönten Werken findet sich ein Kriminalroman: «Der Schwur» von Sunil Mann. Im Buch entwirrt das frisch gebackene Detektivpaar Bashir Berisha und Marisa Greco im Zürcher Kreis 4 ein Knäuel von Prostitution, Rechtsaussenpolitik, Menschen- und Drogenhandel und sorgt für Gerechtigkeit.

Am Meer in Bern

Mit ihren Romanen haben auch Giuliano Musio und Regula Portillo die Juroren überzeugt. In «Wirbellos» verortet Musio Bern am Meer und lässt die Möwen über dem Strand im Mattenquartier kreisen. Mit grosser Lust lässt er seinen Protagonisten – eine Person ohne Rückgrat – ein Lügengebilde aufbauen, bis dieser selbst den Überblick verliert.

Regula Portillo hat mit «Andersland» einen Familienroman geschrieben, der sich mit aktuellen Themen wie Heimat, Muttersprache, Homosexualität und Adoption befasst.

Auch die Gattung Spoken Word findet sich unter den Preisträgern. Mit ihrem dritten Album «50 Hertz» errichteten Fitzgerald & Rimini in hörspielartigen Miniaturen musikalisch-literarische Denkmäler für Störenfriede und Störgeräusche und würdigten so auf ihre Weise vergessene und verkannte Frauenfiguren, die in ihrer Zeit aneckten und störten.

Mit «frau verschwindet (versionen)» ist Julia Haenni eine «kluge Kritik» am Status Quo der Geschlechterverhältnisse im Theater gelungen. Im Stück rätseln drei Frauen über eine verschwundene Frau. Sie erfinden ein Stück im Stück voller Humor – und mit befreiender Lust an der Ausweitung der Möglichkeiten.

Mit ihrem literarischen Debüt aufhorchen liess Eva Maria Leuenberger. Ihr Gedichtband «dekarnation» besticht durch eine unheimliche Körperlichkeit, während der der Leser Zeuge eines sprachlichen Auflösungsprozesses wird.

Im Lesejahr 2019/20 hat die deutschsprachige Literaturkommission des Kantons Bern rund 75 Werke besprochen.

Auf Reisen

Wegen der Coronapandemie musste die Preisverleihung von Ende Juni abgesagt werden. Dafür wird die «Literatour», die traditionelle Lesereise der ausgezeichneten Autorinnen und Autoren, mit zusätzlichen Stationen ergänzt.

An der abgesagten Preisverleihung wären auch die Empfängerin und der Empfänger der Berner Schreibstipendien 2020 gewürdigt worden. Für ihre aktuellen Schreibprojekte erhalten Karoline Arn und Hartmut Abendschein je ein Schreibstipendium in der Höhe von 20'000 Franken.

(SDA)