Diese Parteien könnten von Pulvers Rücktritt profitieren

Bernhard Pulver tritt sieben Monate vor den Wahlen ab. Das könnte Auswirkungen auf deren Ausgang haben.

Wer wird den Sitz von Bernhard Pulver im Berner Regierungsrat übernehmen?

Wer wird den Sitz von Bernhard Pulver im Berner Regierungsrat übernehmen?

(Bild: Adrian Moser)

Basil Weingartner@bwg_bern

Für die Grünen war es ein Selbstläufer. Der weit über die eigene Partei hinaus populäre Bernhard Pulver wurde alle vier Jahre mit einem Spitzenresultat wiedergewählt. Doch nun ist Pulver weg – sieben Monate vor den Gesamterneuerungswahlen am 25. März 2018. Nun sind die Grünen gefordert – nun sind die Linken gefordert. Denn mit Pulver verliert die rot-grüne Regierungsratsliste nach dem bereits feststehenden Rücktritt von Barbara Egger (SP) auch ihr zweites Aushängeschild. Der einzige Bisherige, Christoph Ammann (SP), ist in seinem ersten Amtsjahr blass geblieben.

Gleichwohl stehen die Chancen gut, dass die Linken ihre drei Sitze (2 SP, 1 Grüne) verteidigen können. Dies nicht zuletzt, weil die bürgerlichen Parteien die Linken nicht angreifen wollen. Das hatten SVP, FDP und BDP im Frühling so entschieden. Und sie bleiben auch nach Pulvers Rücktritt dabei, obwohl ihnen dieser Chancen geboten hätte.

Es sei damals vereinbart worden, dass man auch in diesem Fall mit einem Viererticket (2 SVP, 1 BDP, 1 FDP) antrete, sagt BDP-Präsident Enea Martinelli. Nun hat Martinellis BDP ein starkes Interesse daran, dass das bürgerliche Lager keinen zusätzlichen Sitz gewinnt. Denn nur in der Konstellation von drei rechtsbürgerlichen und drei linken Vertretern kann die BDP in der Mitte das Zünglein an der Waage spielen.

Doch auch SVP-Präsident Werner Salzmann – der lange mit einem SVP-Dreierticket liebäugelte – bestätigt, dass man den Sitz der Grünen nicht angreifen werde. Somit verteidigen die Bürgerlichen im kommenden März einzig die vier bisherigen Sitze.

Die bürgerliche Zurückhaltung hat einen guten Grund. Fast 12 Jahre liegt er zurück. Damals wagten SVP und FDP den Grossangriff. Die beiden Parteien traten mit sechs Kandidaten an – und wurden von den Wählern dafür bestraft. Anstatt sechs der sieben Sitze zu gewinnen, verloren sie die Regierungsmehrheit an Rot-Grün. Die linke Mehrheit hielt in der Folge zehn Jahr lang – auch weil sich die Bürgerlichen nach dem Flop von 2006 auf keine gemeinsame Liste mehr einigen konnten.

Dieses Mal wollen sie alles besser machen. Die Viererliste ist ein hart errungener Kompromiss. Das Bündnis ist aber brüchig. Politologe Daniel Bochsler sagt auf Anfrage, ihn würde es nicht erstaunen, wenn doch noch einer ausbrechen würde. «Die Geschichte der letzten Jahre zeigt, dass die Berner Bürgerlichen ein riesiges Problem mit der Disziplin haben.»

Überraschung im Jura?

Ohne einen bürgerlichen Überraschungsangriff droht den drei linken Sitzen (1 Grüne, 2 SP) einzig aus der politischen Mitte Gefahr – zumindest potenziell. Bei den letzten Wahlen erreichten die Kandidaten der Mitte-Liste aber jeweils nur rund halb so viele Stimmen wie die Kandidaten der Linken. Diesen Vorsprung dürfte Rot-Grün auch ohne den Bisherigenbonus verwalten. Politologe Bochsler erachtet die Kandidaten von GLP und EVP deshalb als chancenlos.

Die drei linken Sitze sind also kaum in Gefahr. Bei der SP und den Grünen schaut man den Wahlen denn auch entspannt entgegen, wie Jan Remund, Co-Präsident der Grünen, und SP-Präsidentin Ursula Marti übereinstimmend sagen. Ist der grüne Sitz somit gesichert? Politologe Bochsler sieht eine Chance, dass der Sitz innerhalb der Listen an die SP gehen könnte. Dies dann, wenn Christophe Gagnebin (SP) die Kandidatin der Grünen überflügeln würde.

Dazu käme es in folgenden Situationen: Der SP-Mann müsste Pierre Alain Schnegg (SVP) vom Jura-Sitz verdrängen, Schnegg aber im Gesamtkanton doch wiedergewählt werden. Oder aber Gagnebin unterliegt zwar Schnegg, überholt die Kandidatin der Grünen aber im Gesamtkanton. Viel wahrscheinlicher als diese Varianten ist aber, dass alles beim Alten bleibt. Auch ohne Pulver.

Der Bund

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