Der drohende Herztod beim Sport

Die Stadt Bern will Schulhäuser und öffentliche Anlagen mit Defibrillatoren ausrüsten. In Köniz hat dies schon zwei Menschen das Leben gerettet.

Dank dem Defibrillator seines Tennisclubs konnte der Berner Simon Widmer einem Spieler das Leben retten.

Dank dem Defibrillator seines Tennisclubs konnte der Berner Simon Widmer einem Spieler das Leben retten.

(Bild: Adrian Moser)

Naomi Jones

Beinahe wäre Peter Meyer beim Tennisspielen gestorben. Doch er hatte grosses Glück. Der Tennisclub Lawn in Bern besass ein AED-Gerät, gemeinhin als Defibrillator bekannt; ein Elektroschock-Gerät, das bei einem Herzstillstand die normale Herzaktivität wieder aktivieren kann.

Ausserdem sass im Clubrestaurant gerade der Rettungssanitäter Simon Widmer und wartete auf seinen Spielpartner. «Ich sah sogleich, dass der Patient nicht mehr atmete», erzählt Widmer. So konnte er nur kurz nachdem Meyer zusammengebrochen war, mit einer Herzdruckmassage beginnen.

Unterdessen holte ein anderer Tennisspieler den Defibrillator und alarmierte die Sanität. Als die Ambulanz knapp zehn Minuten später da war, hatte Meyer wieder einen intakten Kreislauf.

Turnhallen für Notfall gerüstet

Damit Ostermundigen künftig ebenfalls für einen solchen Notfall gerüstet ist, hat die lokale FDP Defibrillatoren für die Gemeinde gekauft. Diese Geräte seien nun in drei Turnhallen und zwei Verwaltungsgebäuden installiert, sagt Aliosha Walter von der FDP Ostermundigen.

«Beim Sport ist das Risiko für einen Herzstillstand grösser.»Claude-André Chételat, Herzspezialist

In einer Spendensammlung gemeinsam mit dem Samariterverein und verschiedenen Turn- und Sportvereinen seien rund 10'000 Franken zusammengekommen. Damit habe man die fünf Geräte kaufen können.

Auch die Turnhallen der Gemeinde Köniz sind mit Defibrillatoren ausgerüstet. Die Geräte haben bereits Leben gerettet. «Innerhalb der letzten zehn Monate hatten wir zwei Fälle», sagt Stephan Baeriswyl. Er ist für die Sportanlagen der Gemeinde Köniz zuständig. Beide Personen, die wiederbelebt werden mussten, überlebten. «Wir hatten Glück, dass immer ein Arzt anwesend war», sagt Baeriswyl.

In Bern erst nächstes Jahr

In Bern gibt es noch keine Defibrillatoren in den Turnhallen. «Kinder haben in der Regel keine Herzprobleme», sagt Werner Meile vom Personalamt der Stadt Bern. Allerdings werden Turnhallen nicht ausschliesslich von den Schulen, sondern auch von Freizeitsportlern benutzt.

Die Stadt ist sich dessen bewusst. Deshalb habe der Gemeinderat im Frühling ein Sicherheits- und Erste-Hilfe-Konzept verabschiedet, erklärt Meile. Dieses sehe Defibrillatoren für Turnhallen, Verwaltungsgebäude und öffentliche Anlagen wie etwa Schwimmbäder vor. Dazu wolle die Stadt 50 bis 70 neue Geräte anschaffen.

Allerdings müsse der Gemeinderat den Kredit dazu erst bewilligen. Ein Gerät kostet nämlich 2000 bis 4000 Franken. Die Geräte sollten im Laufe des nächsten Jahres montiert werden.

Warum hat die Stadt nicht früher gehandelt? «Defibrillatoren waren lange umstritten», erklärt Meile. Doch unterdessen gehöre es zum Standard, dass an Orten mit hohem Publikumsverkehr solche Geräte montiert seien. Ausserdem habe es eine Weile gedauert, bis man sich in der Verwaltung dazu entschlossen habe, die Erste Hilfe für die gesamte Stadt zu regeln.

Zuerst 144 anrufen

«Ein Defibrillator rettet noch kein Leben», sagt Marco Harder von der Sanitätsnotrufzentrale Bern. Wichtig sei, dass Helfer den Notruf alarmierten und sogleich mit einer Herzdruckmassage begännen. Denn nach fünf Minuten könne man einen Patienten auch mit einem Defibrillator nicht mehr wiederbeleben.

Ausserdem seien die Notfälle, in denen ein solches Gerät von Nutzen sei, eher selten. Von rund 40'000 Rettungseinsätzen in den Regionen Bern, Emmental und Berner Oberland sei der Defibrillator bei rund 1000 angewendet worden.

Der Herzspezialist Claude-André Chételat begrüsst die Installation von Defibrillatoren auf Sportplätzen. «Beim Sport ist das Risiko für einen Herzstillstand grösser», sagt er. Das Gerät sei eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederbelebung und damit Patienten den Herzstillstand ohne Spätschäden überlebten.

Er geht davon aus, dass in den meisten Vereinen mindestens ein Mitglied Nothilfekenntnisse hat und das Gerät wie auch die Herzmassage richtig anwenden kann.

Der Bund

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