Erst die Vision und dann die Kostenexplosion

Ursprünglich sollte der 
Bärenpark 10'000 Quadratmeter umfassen. Am Schluss gaben aber vor allem die Franken und nicht die 
Quadratmeter zu reden.

Die Baustelle, die immer teurer wurde im September 2008.

Die Baustelle, die immer teurer wurde im September 2008.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Wälti

Am Anfang dachte man grosszügig. Als der damalige Gemeinderat Adrian Guggisberg (CVP) im März 2001 die Projektskizze für einen Bärenpark präsentierte, sollten mehr als 10'000 Quadratmeter Fläche für das Berner Wappentier zur Verfügung stehen. Geplant waren zwei getrennte, aber miteinander verbindbare Bärenanlagen von 6000 respektive 4400 Quadratmetern Grösse. «Dieses Ding ist visionär», sagte Tierparkdirektor Bernd Schildger damals.

Im November 2003 wurde das Siegerprojekt des Wettbewerbs für den Bärenpark vorgestellt. Drei Tage lang sei die 24-köpfige Jury unter der Leitung des Stadtpräsidenten Klaus Baumgartner (SP) «kaserniert» worden, um die 45 Projekte zu begutachten, hiess es.

Durch die Erweiterung erhoffte man sich eine «weltweit einmalige touristische Attraktion». Damals war auch noch die Rede von neuen Stallungen sowie der Realisierung einer Eisbahn im alten Bärengraben. Das alles sollte für 7 Millionen Franken zu haben sein und bereits im Jahr 2007 eröffnet werden.

Diese Annahmen erwiesen sich als unrealistisch: In den Folgejahren wurde das Projekt abgespeckt und verkleinert, gleichzeitig wurde es immer teurer. Als das Stimmvolk im Juni 2007 zur Umzonung und zur Überbauungsordnung des Areals befragt wurde, veranschlagte man die Kosten auf 9,7 Millionen Franken.

Die Zustimmung fiel mit 88 Prozent Ja-Anteil überaus deutlich aus. Allerdings waren mit den Anpassungen ja keine Kosten für die öffentliche Hand verbunden, dachte man damals noch.

Die Pläne, die genehmigt wurden, lassen die heute angepeilte Vergrösserung grundsätzlich zu. «Die zur Umzonung beantragte Fläche bleibt unverändert und lässt so die Option einer allfälligen späteren Erweiterung des redimensionierten Bärenparks offen», so stand es in einer Medienmitteilung der Stadt Bern.

Der direkt an die heutige Treppe angrenzende Bereich befindet sich wie der Bärenpark in der Zone für öffentliche Nutzung, der anschliessende Teil liegt innerhalb der Überbauungsordnung, ist aber der Schutzzone A zugewiesen, in welcher die Bäume geschützt sind.

Politisches Nachspiel

Im Zug der Bauarbeiten zeigte sich, dass das Kostendach nicht eingehalten werden konnte. Der geologisch instabile Aare­hang wurde für das Projekt beinahe zum Kalvarienberg.

Die Kostenexplosion trübte bei der feierlichen Eröffnung im Oktober 2009 etwas die Stimmung. 2010 deckte eine Administrativuntersuchung organisatorische Mängel und Verletzungen der Infor­ma­tions­pflicht auf. Ein beträchtlicher Teil der Kritik richtete sich an Gemeinderätin Barbara Hayoz (FDP) und den Chef von Stadtbauten Bern (Stabe), Rudolf Lanzrein. Die Parteien reagierten konsterniert.

Bei der Kreditabrechnung zeigte sich, dass die Anlage über 21,3 Millionen Franken gekostet hatte. Durch Sponsoring konnten insgesamt 12,4 Millionen gesammelt werden, die Stadt Bern musste letztlich für 8,9 Millionen Franken aufkommen. Den fälligen Nach­kredit verweigerte der Stadtrat Ende März 2011, um dem Gemeinderat einen Denkzettel zu verpassen. Konkrete Folgen hatte das jedoch nicht, weil das Geld ja bereits ausgegeben worden war.

Der Bund

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