Der Teamleader meldet sich zurück

Christoph Spycher ist der wichtigste Spieler bei YB. Sein Wort hat Gewicht – und er hat etwas zu sagen. Obwohl er nicht hundertprozentig fit ist, dürfte er heute in Liverpool zum Einsatz kommen.

Christoph Spycher: Ein Charakterkopf, der sich Gehör verschaffen kann.

Christoph Spycher: Ein Charakterkopf, der sich Gehör verschaffen kann.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

Vor dem heutigen Saisonhöhepunkt an der Anfield Road gibt es bei den Young Boys wenige offene Fragen. Marco Wölfli, der mit einem verhärteten Oberschenkelmuskel kämpft, wird zwischen den Pfosten stehen. Einsatzbereit sind auch Christoph Spycher und Jan Lecjaks, die für die Position des gesperrten Mario Raimondi infrage kommen. Nimmt man Martin Ruedas Aussagen als Richtwert, besitzt Spycher die besseren Chancen.

Der Trainer war beeindruckt vom sonntäglichen Comeback des 34-Jährigen: «Er brauchte keine fünf Minuten, um Ruhe in unser Spiel zu bringen – und das nach zweimonatiger Verletzungspause.» Nach einem kurzen Gespräch vor dem Abflug nach Liverpool hat Rueda Gewissheit, dass das Problemknie Spychers den Belastungstest in der Meisterschaft gegen St. Gallen bestanden hat. Das einzige Fragezeichen sei, «ob Christoph physisch mithalten kann» gegen die körperlich starken Engländer.

Spycher selber sagt, er sei zweifellos noch nicht in Topform nach fast achtwöchiger Zwangspause wegen einer hartnäckigen Entzündung im rechten Knie. Doch er fühle sich fit genug, um in der Europa League zumindest einen Teileinsatz zu absolvieren. «Wäre das nicht der Fall, wäre ich gar nicht mitgekommen nach Liverpool.»

Kein Nachtreten gegen Kaenzig

Christoph Spycher ist auf seine älteren Tage nicht zu einem Spektakelmacher geworden, sondern macht das, was ihn die ganze Karriere ausgezeichnet hat: Er liefert zuverlässige und solide Arbeit ab, denkt in erster Linie ans Team und tut seine Meinung kund, wenn er glaubt, es sei an der Zeit, etwas zu sagen. Bei YB ist er neben Marco Wölfli eine der wenigen echten Leaderfiguren. Er redet viel mit den jungen Spielern; er diskutiert mit der spanischsprachigen Fraktion über ihr Rollenverständnis; er macht sich Gedanken über die Auswirkungen, die die Turbulenzen in der Teppichetage haben. Es spricht für Spycher, dass er gegen den entlassenen CEO Ilja Kaenzig nicht nachtritt, obwohl er und der Luzerner das Heu längst nicht immer auf der gleichen Bühne hatten.

Nach Bern geholt hat ihn 2010 Kaenzigs Vorgänger Stefan Niedermaier. Der Stadionchef sicherte dem Heimwehberner einen Job im Management zu nach dessen Karriereende. Die Dinge hätten sich ganz anders entwickelt, als er sich das vorgestellt habe, sagt Spycher. Er hätte gerne nochmals einen Titel errungen. Stattdessen ist er Mitglied einer Mannschaft, die es nie fertigbrachte, eine gewisse Konstanz zu entwickeln. Der Routinier hat eine Erklärung für die vielen Durchhänger: «Wir haben zu wenige Spieler, die regelmässig gute bis sehr gute Leistungen abrufen können.»

Kein Sportchef Spycher

Auch wenn sich das Kapitel YB anders entwickelt hat als erwartet: Die Lust am Fussball hat Spycher nicht verloren. Er denkt laut darüber nach, seinen Ende Saison auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern – sofern es die Gesundheit zulässt. Die Verhandlungen mit der Clubführung wurden nach Spychers Knieverletzung ausgesetzt. Und was ist, sollte sich der Vizecaptain entscheiden, seine Karriere im Frühling zu beenden?

Er werde YB in irgendwelcher Funktion erhalten bleiben, versichert der Berner. Was er ganz sicher vorerst nicht wird: YB-Sportchef. Dieser Job sei für einen Neuling wie ihn eine Nummer zu gross.

Der Bund

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