Gilets jaunes wollen Thuner Waffenfabrik blockieren

Kreise der Protestbewegung rufen zur Blockade des Waffenherstellers auf, der gegen sie eingesetzte Gummischrot-Gewehre produziert. Diese sind auch im Grossen Rat Thema.

Zwischen den Gilets jaunes und der französischen Polizei ist es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen.

Zwischen den Gilets jaunes und der französischen Polizei ist es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen.

(Bild: Keystone/Christophe Petit Tesson)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Die von Frankreich auf die Schweiz übergeschwappten Gelbwesten-Proteste könnten dieses Wochenende Thun erreichen. Ab Freitag ist eine Blockade des in der Alpenstadt angesiedelten Waffenherstellers B&T AG geplant. Der Gilets-jaunes-Bewegung nahestehende Online-Plattformen aus Frankreich und aus der Westschweiz rufen zu Aktionen gegen Lieferanten der französischen Polizeikräfte auf.

B&T stellt den von Polizisten in Frankreich verwendeten Geschosswerfer GL06 her. Eigentlich sollten die damit verschossenen Geschosse keine schweren Verletzungen verursachen, es handelt sich um eine sogenannte «Non-lethal» Waffe, also um ein Instrument um Demonstranten in Schach zu halten. Wie verschiedene Medien berichten, sind bei den Demonstrationen der Gelbwesten in Frankreich dennoch mehrere Personen durch von diesem Werfer abgefeuerte Tränengas-Petarden schwer verletzt worden. B&T gibt an, dass die französische Polizei für den Werfer nicht vorgesehene Munition benütze.

Vorstoss gegen B&T-Waffen

Nicht nur aufgrund der Ereignisse in Frankreich ist der Thuner Waffenhersteller umstritten: Wegen Verstosses gegen das Kriegsmaterialgesetz ist der Gründer der Firma 2018 rechtskräftig verurteilt worden. Produkte von B&T waren unzulässigerweise nach Kasachstan verkauft worden. Die Firma gibt auch in Bern zu reden: Derzeit testet die Kantonspolizei Bern im Rahmen eines Pilotprojekts den Werfer GL06 und die von der Firma hergestellten Gummigeschosse. Diese werden von B&T als sicher eingestuft. Wie «Bund»-Recherchen jedoch gezeigt haben, kamen Forscher der Universität Bern in einem nie veröffentlichten Gutachten zum Schluss, dass die Geschosse schwere Verletzungen verursachen können. So sei bei einer Schussdistanz von unter 60 Metern mit Rippenbrüchen und Erblindung und bei einer Distanz unter 30 Metern gar mit Leberrissen und Schädelfrakturen zu rechnen.

In der Folge haben die Grossrätinnen Christa Ammann (AL) und Tanja Bauer (SP) in einem Vorstoss verlangt, dass der Test mit den B&T-Produkten beendet wird. «Dass der Kanton Bern erhebliche und bleibende Schäden in Kauf nimmt, ist nicht verantwortbar», schreiben sie in ihrer Motion an den Regierungsrat. Der Protest dürfte denn auch Berner Demonstranten anziehen: Der Aufruf der Gilets jaunes wurde auch von «Copwatch Bern», einer polizeikritischen Gruppe, geteilt.

Auf Anfrage sagt Ramona Mock, Sprecherin der Kantonspolizei Bern, dass man von den Aufrufen zur Blockade von B&T Kenntnis habe. Sie würden in die Planung des Korps einfliessen. Zu näheren Details könne man keine Auskunft geben. Auch die B&T AG wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Dass es in der Schweiz durchaus Leute gibt, die bereit sind, dem Aufruf zu folgen, zeigte sich am Montag in Wallisellen. B&T führt dort einen weiteren Standort. Laut einem Bekennerschreiben auf dem linksradikalen Portal barrikade.info wurden die Eingangstüren mit Feuerwerk beschossen.

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