Japan weitet Evakuierungszone nun doch aus

Die japanische Regierung wird die Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima I vergrössern. Um wie viele Kilometer, will sie nicht sagen. Derzeit beträgt der Evakuierungsradius 20 Kilometer.

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Mit Schweigeminuten und Gedenkveranstaltungen hat Japan an die Opfer des Erdbebens und Tsunamis vor einem Monat erinnert. Genau um 14.46 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt der Katastrophe am 11. März, heulten Sirenen. Überall im Land trauerten Menschen unter Tränen um die bis zu 25'000 Toten und teilten das Leid der Zehntausenden Überlebenden, die ihr Heim verloren haben. Erneut erschütterte ein Nachbeben der Stärke 7,1 das Land. Es gab eine Tsunami-Warnung wie bei einem ebenso starken Beben vorige Woche, dem allerdings keine Welle gefolgt war. Derweil wurde die Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgeweitet.

Die Regierung wies die Einwohner von fünf weiteren Ortschaften in teilweise mehr als 30 Kilometern Entfernung von dem AKW an, binnen eines Monats ihre Häuser zu verlassen. An einigen Orten seien erhöhte Strahlenwerte festgestellt worden, und es würden langfristige Gesundheitsrisiken befürchtet, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Bislang waren bis zu 80'000 Menschen aus einem 20-Kilometer-Radius evakuiert und Einwohner weiter entfernter Orte aufgefordert worden im Haus zu bleiben.

Tepco-Chef in Fukushima

In dem bei der Naturkatastrophe beschädigten Atomkraftwerk hat die Betreibergesellschaft Tepco die Lage immer noch nicht im Griff. Boden, Wasser und Luft sind radioaktiv belastet. Bis das Kühlsystem wiederhergestellt ist, dürften noch Monate vergehen. Der Vertreter der Atomaufsichtsbehörde Hidehiko Nishiyama entschuldigte sich für die Probleme und die Unannehmlichkeiten. «Es ist immer noch schwierig, einen Zeitplan zu nennen, wann wir das Problem lösen können», sagte er. «Es tut uns sehr leid für die Evakuierten, die das Problem gelöst sehen wollen.»

Der Chef der Betreiberfirma Tepco, Masataka Shimizu, besuchte nach Unternehmensangaben am Montag die Päfektur Fukushima, um seine Dankbarkeit auszudrücken und sich zu entschuldigen. Vor der Presse äusserte er sich nicht. Am Firmensitz in Tokio verharrten hunderte Mitarbeiter um 14.46 Uhr in einer Schweigeminute.

Die Strahlung aus dem Kernkraftwerk hat auch die Suche nach Toten in der verwüsteten Umgebung verzögert. Bislang wurden 13.000 Todesopfer bestätigt. Mehr als 14.000 Menschen werden noch vermisst. Viele wurden wahrscheinlich ins Meer gerissen und werden nie gefunden werden. Dank für internationale Hilfe

«Ich finde keine Worte für meinen Kummer», sagte der Gouverneur von Fukushima, Yuhei Sato, als er den Schmerz und das Leid der Einwohner der Präfektur beklagte. Seit Kollege aus Iwate, Takuya Tasso, nahm an einer Gedenkveranstaltung in einer Schule in Kamaishi teil. Dort beginnt am Dienstag wieder der Unterricht, obwohl noch über 120 Flüchtlinge in der Turnhalle leben.

In den Trümmern der Stadt Natori unterbrachen Feuerwehrleute und Soldaten die Bergungsarbeiten, legten Helme und Mützen ab und versammelten sich Hand in Hand auf einem kleinen Hügel, der zu einer Erinnerungsstätte für die Opfer geworden ist. Mönche läuteten Gebetsglocken und beteten für die Toten.

Die Regierung bedankte sich am Montag in Zeitungsanzeigen in China, Südkorea, Russland, Frankreich, Grossbritannien und den USA bei den Menschen in aller Welt für die Hilfe. Ministerpräsident Naoto Kan schrieb, er danke aus tiefstem Herzen für das «kizuna», das Band der Freundschaft. Mithilfe der internationalen Gemeinschaft werde Japan sich erholen und stärker werden denn je.

Das Erdbeben der Stärke 9,0 und der Tsunami am 11. März verwüsteten Städte und Dörfer entlang eines Hunderte Kilometer langen Küstenstreifens. Die Regierung schätzt die Kosten der Katastrophe auf bis zu 310 Milliarden Dollar.

bru/sda

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