Der Bauer hatte wegen der toten Bienen «schlaflose Nächte»

Ein Obstbauer ist schuld an einem Bienensterben von letztem Sommer. Bestraft wird er aber nicht, auch weil er einen SMS-Alarm für die Imker einrichten will.

Ein Pflanzenschutzmittel verursachte das Bienensterben.

Ein Pflanzenschutzmittel verursachte das Bienensterben.

(Bild: zvg (Symbolbild))

Anita Bachmann@anita_bachmann

Letztes Jahr Mitte Mai spritzt ein Obstbauer aus Grosshöchstetten ein Pflanzenschutzmittel gegen den Schädling Sägewespe. Das macht er seit 15 Jahren so. Aber diesmal geht es schief. «Ich hatte schlaflose Nächte, als mich der erste Imker anrief», sagte der 38-jährige Landwirt gestern vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Aufgrund des Einsatzes des Pflanzenschutzmittels Actara in seinen Apfelplantagen waren mehrere Bienenvölker in der Region verendet. Die betroffenen Imker verloren die Hälfte ihrer Bestände. Gestern musste sich der Mann wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Umweltschutzgesetz vor Gericht verantworten. Richterin Bettina Bochsler verurteilte ihn auch, sah aber von einer Geldstrafe ab. Der Landwirt muss deshalb lediglich die Verfahrenskosten tragen.

Im Dilemma befunden

Doch warum endete der Routineeinsatz vor einem Jahr in einem Bienensterben? Die Sägewespe, so die Ausführungen des Verteidigers des Landwirts, lege Eier in die Apfelblüten. Die Larven fressen sich später durch die kleinen Äpfel und zerstören die Ernte. Gemäss Hersteller des Pflanzenschutzmittels darf dieses aber erst eingesetzt werden, wenn die Apfelbäume nicht mehr blühen – dann aber bereits vom Schädling befallen sein können. Er habe sich in einem Dilemma befunden und seine Ernte retten wollen, sagte Bochsler. «Das Grundproblem war, dass ich nicht wusste, wann ich das Mittel spritzen sollte», sagte der Landwirt. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Blütezeit aufgrund des schlechten Wetters lange hinzog. Als er das Mittel verteilt hatte, fiel zudem entgegen der Wetterprognose Regen. Der Landwirt ist überzeugt, dass dies dazu beigetragen hat, dass die Bienen gestorben sind.

Für die Richterin war klar, dass der Mann die Bienen nicht mit Absicht getötet hatte. Trotzdem sei es richtig und wichtig, den Aufwand für das Strafverfahren betrieben zu haben. «Die Bienen stehen an oberster Stelle», sagte Bochsler. Sie hoffe, dass es in der Region nie mehr zu einem Bienensterben komme. Die Staatsanwaltschaft hätte das Verfahren bereits beenden können, weil der Angeschuldigte alle Schäden gedeckt und «alle zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, um das von ihm bewirkte Unrecht auszugleichen», wie es im Strafgesetzbuch heisst. Die Versicherung des Landwirts hat den betroffenen Imkern die Schäden von insgesamt rund 20'000 Franken bezahlt.

Zudem hat der Obstbauer aus eigenem Antrieb nach einer Lösung gesucht, um ein Bienensterben künftig zu verhindern. Ab nächstem Jahr will er die Imker im Umkreis von 15 bis 20 Kilometer mit einem SMS-Alarm warnen, wenn er das Mittel spritzt. Die Imker könnten dann dafür sorgen, dass die Bienen so lange im Stock blieben, bis das Mittel trocken sei, erklärte der Landwirt am Rande der Verhandlung. Denn dann sei es für die Bienen nicht mehr gefährlich. Die Richterin honorierte dies, indem sie von einer Geldstrafe absah.

Konzept bei Bienensterben

Der Vorfall vom letzten Sommer war nicht der einzige in der Region. Bereits 2014 kam es im benachbarten Zäziwil zu einem Bienensterben viel grösseren Ausmasses. Damals verwendete ein Obstbauer ein Fungizid, das bei der Produktion in Israel irrtümlich mit dem Giftstoff Fipronil verunreinigt worden war. Dies wurde allerdings erst aufgeklärt, als die Bienenzüchter mit einer Beschwerde ans Obergericht gelangt waren. Deshalb wurde auch die Politik aktiv. 2015 beauftragte der Grosse Rat die Regierung, ein Konzept auszuarbeiten, wie bei Bienenvergiftungen vorgegangen werden muss. Dieses Konzept kam beim Fall in Grosshöchstetten nun zum ersten Mal zur Anwendung.

Der Bund

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