Der Gegentrend zum Fitnesswahn

Der Könizer Unihockeyspieler Kaspar Schmocker hat mit dem «Sensopro Trainer» ein Sportgerät entwickelt, für das sich sogar Manchester City interessiert.

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Alles begann vor gut acht Jahren: Als ­Kaspar Schmocker auf der Suche nach ­einem geeigneten Thema für das Praktikum im Rahmen seines Sportstudiums war, schlug ihm sein Onkel vor, ein multifunktionales Sportgerät zu entwickeln. «Es gibt heute unzählige spezifische ­Geräte, auf denen man die Bauch-, ­Unterschenkel- oder Oberarmmuskeln kräftigen kann.

Die Möglichkeit, die verschiedenen ­Elemente wie Ausdauer, Kraft, Koordination, Reaktion und Stabilisation auf einem einzigen Gerät trainieren zu können, gab es aber nicht», erzählt der Wimmiser. Der 27-Jährige ging mit seinen Ideen und Plänen zu einer Metall- und Fensterbaufirma, die ihn bei der Herstellung unterstützen sollte. Und schon kurze Zeit später lag ein erster Entwurf seines Sportgeräts vor.

Nach der Abgabe des Praktikums­berichts rückte das Projekt etwas in den Hintergrund. Schmocker konzentrierte sich unter anderem vermehrt auf den Unihockeysport, wo er seit fast 10 Jahren in der NLA spielt und ein Jahr beim schwedischen Topclub Pixbo Wallenstam verteidigte.

Vorwiegend aus Spass arbeitete der 74-fache Nationalspieler weiter an der Entwicklung des Geräts. Hoffnungen auf den grossen Durchbruch hegte er keine. Unverhofft gelang dieser ein Jahr später an einer Sport­geräte-Ausstellung. «Die anwesenden Fachleute schienen sich für unser Gerät zu interessieren», erinnert sich der dreifache WM-Teilnehmer. «Am nächsten Tag hatten wir fast 100 Mails im Postfach.» Da wurde ihm ­bewusst, dass er den nächsten Schritt machen muss: bei Sportclubs, Fitnesszentren und Physiotherapeuten für sein Gerät zu werben.

Der Besuch in Manchester

Nach losem Interesse und Testläufen in der Fitnessabteilung des FC Thun war der FC Zürich im letzten Winter der erste grosse Sportclub, der sich ein ­Gerät anschaffte. Mittlerweile heisst der Apparat «Sensopro Trainer» und kostet inklusive des Videosystems «Your Coordination Coach» 17'680 Franken.

Zehn Mitarbeiter tüfteln an dessen Weiter­entwicklung und Vermarktung. Nach dem FCZ nahmen auch Spieler des BSC YB und des FC Basel das regelmässige Training auf dem Sensopro Trainer auf. Und auch Einzelsportler wie der Langläufer Curdin Perl oder die Berner NHL-Stars Mark Streit und Roman Josi nutzen dieses Gerät inzwischen.

Das Training auf dem Sensopro, das durch eine individuelle Videobedienungsanleitung begleitet wird, stiess ­inbesondere bei Sportlern auf Interesse, die sich in der Rehabilitation befinden. So kam beispielsweise Gilles Yapi nach seiner schlimmen Knieverletzung auch dank dem von Schmocker entwickelten Gerät unerwartet schnell zurück auf den Platz.

Auch Alexander Gerndt arbeitete nach seiner komplizierten Fussverletzung mit dem Sensopro. «Bei meinem monatelangen Aufbautraining hat mir dieses Gerät enorm geholfen, weil ich meinen Fuss dank den flexiblen Gummibändern früher als gewohnt und vor ­allem schmerzfrei belasten konnte. Das Training gestaltete sich, im Gegensatz zu den anderen Reha-Programmen, sehr ­abwechslungsreich. Jede Einheit beinhaltete komplett neue Übungen und Herausforderungen, was zugleich den Spass­faktor erhöhte», erzählt der YB-Stürmer.

Interesse aus Russland, Belgien und England

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland fand das multifunktionale Sportgerät nach und nach mehr ­Beachtung. Neben den 50 bisher abgesetzten Geräten gelang es Schmocker, sein Produkt dem russischen Verein FK Krasnodar und dem 13-fachen belgischen Meister FC Brügge zu verkaufen. Und zum bisherigen Highlight kam es im letzten Herbst, als ein Physiotherapeut von Manchester City an einem internationalen Kongress auf den Sensopro aufmerksam wurde. Nur ­Wochen später sass Schmocker mit ­Florian Kuchen – Mitinhaber der Firma und ebenfalls Uni­hockeyaner bei Köniz – im Flieger Richtung Manchester, um sein Gerät vor Ort testen zu lassen. «Das war ein unvergessliches Erlebnis. ManCity schwebt definitiv in anderen Sphären. Die haben ungefähr 15 Physiotherapeuten und neben 17 Fussballplätzen auch noch drei Fitnessräume», schwärmt der Captain von Floorball ­Köniz noch heute.

Andererseits zeigte sich die medizinische Abteilung des vierfachen englischen Meisters angetan vom Training auf dem Sensopro. «Die Kombinationsmöglichkeiten erlauben individuelle und zielorientierte Trainings für die gesamte Mannschaft, und zwar vom Warm-up bis zum Cool-down», erklärte Robin Sadler, einer der Physiotherapeuten. Nach mehrwöchiger Testphase wollen die «Citizens» nun einige Geräte anschaffen.

Für Spitzen- und Breitensport

Der Sensopro Trainer ist aber nicht nur für den Spitzensport geeignet, sondern auch für Breiten- und Freizeitsportler jeglichen Alters. Zur Hauptzielgruppe zählen Fitnessstudios sowie Altersheime und Hotels. «Das Training auf dem Sensopro kann dank den drei ­verschieden starken Gummibändern, der frei schwingenden Standfläche und dem Videocoach-System je nach Alter und Trainingsbedürfnissen individuell angepasst werden», erklärt Schmocker. Und so haben inzwischen auch ältere Menschen Gefallen am Sensopro Trainer gefunden.

In der heutigen Zeit besuchen vor ­allem jüngere Leute stundenlang die ­Fitnesszentren, ohne dabei genau zu ­wissen, was oder wofür sie trainieren. «Diesem oberflächlichen Trend wollen wir entgegenwirken. Wir wollen den Leuten eine neue Trainingsmotivation mit ganzheitlichen Bewegungen bieten. Dazu sollen sie trainieren, um Spass und schliesslich ein gutes Körpergefühl zu haben», verspricht Schmocker.

Der Bund

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