Eine Zeitreise um die Ecke

An den Solothurner Filmtagen kam «Tscharniblues II» gut an. Aron Nick und sein Team haben sich für den Kinostart etwas Besonderes ausgedacht.

Ihre Freundschaft hat die Jahre überdauert: Die «Tscharniblues»-Giele heute.

Ihre Freundschaft hat die Jahre überdauert: Die «Tscharniblues»-Giele heute.

(Bild: zvg)

Regula Fuchs

«Wiene Chlapf a Gring»: So hat Aron Nick die Premiere seines ersten langen Films erlebt. «Tscharniblues II» eröffnete im Januar die Solothurner Film­tage, und die grosse Aufmerksamkeit, die der Berner Regisseur und sein Team dort bekamen, habe sich angefühlt wie ein Wirbelsturm – ein unglaublich schöner allerdings.

Aron Nick hat in seinem Langfilm­debüt einen Faden aufgenommen, den sein Vater Bernhard und dessen Freunde Ende der Siebzigerjahre gesponnen hatten. Als Teenager drehten sie, die alle im Tscharnergut aufgewachsen waren, damals einen Film, in dem sie sich selber zum Thema machten. «Dr Tscharniblues» war ein wildes, struppiges Stück Amateurkino, das eine Generation zeigte, die herumlungerte, kiffte und mit der stieren Erwachsenenwelt rang.

Was ist aus den Protagonisten von damals geworden, aus ihren Träumen und Hoffnungen? Das fragt Aron Nick in «Tscharniblues II»; dafür hat er die Protagonisten von einst nochmals zusammengetrommelt. Das Leben war nicht zu allen gnädig, doch was Bestand hatte, ist die Freundschaft: Nicks Film ist ein intimes Gruppenporträt und ein unprätentiöses Lob der Verbundenheit.

Im Dauerprogramm

Das kam gut an in Solothurn – so, wie vor vierzig Jahren auch der erste «Tscharniblues» an den Filmtagen Furore machte. Nun steht für «Tscharniblues II» der Kinostart an, und das soll in Bern auf eine spezielle Art gefeiert werden. «Eine übliche Premieren­vorstellung, bei der man auf den Film anstösst und fertig, hätten wir uns nicht vorstellen können», sagt Aron Nick. Und so läuft «Tscharniblues II» im Berner Kino Rex ein Wochenende lang im Vollprogramm, von früh bis spät, und an mehreren Vorstellungen sind die Crew und die Protagonisten anwesend. «So hat man Zeit für das Publikum und füreinander, und das finde ich stimmig für einen Film wie unseren.»

Was auch stimmig ist: dass die Crew von «Tscharniblues II» mit ihrem Filmfest eine alte Art der Programmation wieder entdeckt hat. In nicht allzu ferner Vergangenheit war es ja üblich, dass ein Film den ganzen Tag über gezeigt wurde und nicht nur in einzelnen, zeitlich verstreuten Vorstellungen. Auch in dieser Hinsicht schliessen Nick und sein Team die Vergangenheit und die Gegenwart kurz, gleich wie in ihrem Film.

Am «Tscharniblues»-Wochenende werden denn auch «Dr Tscharniblues» von 1979 und «Eine vo dene» aus dem Jahr 1980 gezeigt. Dem Zweitling der Tscharni-Giele sieht man an, dass Fördergelder im Spiel waren und man grössere filmische Ambitionen hegte. Die Verspieltheit ist zwar immer noch da, die Kritik an Konsum, Engstirnigkeit und Konformität erscheint allerdings viel pointierter als beim Erstling. Da zersägt ein Jüngling, der die Schule geschmissen hat, im Schlachthof Kühe, und eine junge Frau streift in der Migros durch die Gestelle, wo der Überfluss in Konservendosen sitzt. Und Eltern und Arbeitgeber machen sowieso nur Stress, gar nicht so anders als heute. «Eine vo dene» ist zwar eine Zeitreise – weit weg fährt man da aber nicht.

Kino Rex Bern, 5. bis 7. April

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt