Die Game-Evolution made in Zurich

In einem gemeinschaftlichen Projekt haben ETH und die Hochschule der Künste Computerspiele entwickelt. Diese können jetzt getestet und prämiert werden.

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Alexandra Bröhm@sonntagszeitung

Noch längst ist es nicht in jedermanns Bewusstsein angekommen: Zürich ist eine Stadt der Game-Designer. So findet am Mittwochabend an der ETH das Finale des «Game Programming Laboratory» statt. Ein Semester lang haben Studierende der ETH und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) gemeinsam Computerspiele entworfen. Nun stellen die sechs Teams ihre Spiele in einer öffentlichen Veranstaltung vor, Besucher können die Games vor Ort testen. Gleich zwei Awards werden an dem Abend vergeben. Das Publikum verleiht nach der Präsentation einen Preis, ausserdem hat ein professionelles Studio die Games für den Jury-Award Probe gespielt.

Schon seit 2007 führt ETH-Dozent Bob Sumner das Game Programming Laboratory durch. Der Kurs läuft im Rahmen des ETH-Informatikstudiums. «Beim Spieleprogrammieren müssen die Studierenden all das praktisch anwenden, was sie während der Ausbildung gelernt haben», sagt Sumner. Und auch die Förderung der zwischenmenschlichen Fähigkeiten stehe so ganz nebenbei auf dem Lehrplan. Die Studierenden müssen in kleinen Teams arbeiten und sich gemeinsam auf ein Projekt einigen, es planen und durchführen.

Dieses Jahr fand das Game Programming Laboratory erstmals in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Künste (ZHDK) statt. An der ZHDK gibt es bereits seit 2004 einen Lehrgang für Game-Designer. Studierende beider Hochschulen, also Informatiker und Game-Designer, tüftelten nun während 13 Wochen gemeinsam an den Projekten. Als Grundlage diente ihnen die Game Engine Unity – eine Entwicklungsumgebung für Spiele.

«Spielerische Evolution»

Kursleiter Sumner gibt den Studierenden für ihre Games jeweils ein Thema vor, dieses Jahr hiess das Oberthema Evolution. Wie sie diesen breiten Begriff in ein Game übersetzen wollten, konnten die Teilnehmer selbst entscheiden. Entsprechend unterschiedlich sind die Umsetzungen. In «Life of Blob» muss sich der Spieler, gemäss den Gesetzen der Evolution, besonders geschickt der Umgebung anpassen. Fressen oder gefressen werden, heisst das Motto. Blob wächst zwar mit jedem verschlungenen Feind, doch um die Ecke lauert meistens der nächstgrössere. Nur wer sich gut anpasst, der hat eine Chance.

Im Team, das das Spiel «Evolution Party» entwarf, lief der Prozess der Ideenfindung demokratisch: «Wir haben Ideen gesammelt und dann abgestimmt», sagt Philomena Schwab. Schwab studiert an der ZHDK Game-Design im vierten Jahr und entwickelte zusammen mit drei anderen Teilnehmern das Spiel. «Es war sowohl für uns wie für die ETH-Studenten eine gute Erfahrung», sagt Schwab.

«Evolution Party» ist ein Multiplayer-Titel für vier Gamer. Das Ziel des Spiels ist es, gemeinsam möglichst viele Naturkatastrophen zu überstehen. Meteoriten fallen vom Himmel, oder Blizzards fegen über das Land. Die Figuren überleben nur mit gutem Teamwork. Dabei passt sich «Evolution Party» auch dem Verhalten der Gamer an. Wer beispielsweise viel hüpft, der wird leichter. Wer sich wenig bewegt, der legt an Masse zu, lässt sich dafür aber nicht so leicht von heftigen Winden davonpusten. Auch die Studierenden der ZHDK lernen während ihrer Ausbildung das Programmieren. Ungefähr 30 Prozent ihrer Zeit verbringen sie damit. Trotzdem übernahmen sie in der Kooperation mit den Informatikern einen grösseren Teil der grafischen Umsetzung. 13 Wochen sind eine kurze Frist, um ein Game zu entwickeln. Grosse Studios arbeiten zum Teil mehrere Jahre an ihren Titeln.

Kursleiter Sumner leitet beim Zürcher Ableger von Disney Research die Forschungsgruppe zu Animation und interaktiver Grafik. Dort beschäftigt sich der Amerikaner beispielsweise mit der Frage, wie Bärte realistisch im Gesicht von Gamefiguren spriessen und sich mitbewegen, wenn der Protagonist grinst oder schimpft.

Sumner gelang es auch, das Spielestudio Gobo für die Jury zu gewinnen. Gobo hat seine Büros in Brighton und Zürich. Seine Designer arbeiteten unter anderem an dem Disney-Spiel «Infinity» mit, bei dem physische Spielfiguren von bekannten Disney-Charakteren mit dem Game verbunden werden.

Schweizer Gamestudios haben international bereits mehrere Preise gewonnen wie beispielsweise der Titel «First Strike» des Studios Blindflug. Auch an der Game Developers Conference in San Francisco hatte die Schweiz dieses Jahr eine erfolgreiche Präsenz. Trotzdem bekommt die heimische Gameindustrie noch längst nicht so viel Förderung wie andere Bereiche. Einzig die Pro Helvetia vergibt in ihrem Programm «Gameculture» jährliche Förderbeiträge.

Unterstützung durch die Politik

Aus diesem Grund hat die Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr ein Postulat zur Unterstützung der Schweizer Gameindustrie eingereicht. Es soll demnächst im Nationalrat behandelt werden. In ihrem «Bericht über das Potenzial der Schweizer Gameindustrie für Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft» stellt Fehr verschiedene Fragen. Sie fordert, dass sich die Politik mit der Frage beschäftigt, wie die Schweiz ihr Potenzial als Game-Standort noch besser ausschöpfen könne. Zudem brauche es Investitionsanreize. Denn das Talent und Know-how sind auf jeden Fall vorhanden.

Die Präsentation findet am 27. Mai um 18 Uhr im Audi-Max-Auditorium im ETH-Hauptgebäude statt, Rämistrasse 101, Zürich. Die Veranstaltung ist öffentlich.

DerBund.ch/Newsnet

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