Der Kollateralschaden der Reitschul-Besetzer

Für den Künstler zZARÁ ist es ein «finanzielles und ideelles» Debakel, dass seine Ausstellung in der Grossen Halle nicht stattfinden kann.

Wie offen soll Berns Grosse Halle in Zukunft sein?

Wie offen soll Berns Grosse Halle in Zukunft sein?

Es hätte eine grosse Sache werden sollen: die Ausstellung des Künstlers zZARÁ in der Grossen Halle der Berner Reitschule. Seit zwei Jahren ist der in Spanien lebende Schweizer mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die Ausstellungsobjekte – rund 200 teils sehr grosse Werke – waren bereits auf dem Weg in die Schweiz. Doch nun ist klar: Die Ausstellung wird aufgrund der aktuellen Besetzung definitiv nicht stattfinden. «Für mich ist die Absage ein Debakel», sagt zZARÁ, der seinen bürgerlichen Namen nicht preisgibt, auf Anfrage. Der Schaden sei ideeller und finanzieller Natur.

So habe er bereits über 20 000 Franken in die Ausstellung investiert. Noch immer befänden sich die Bilder in der Hand des Transportunternehmens. «Jeder Tag kostet mich weiteres Geld.» Zudem hätten zahlreiche Bekannte und Kunstinteressierte aus Spanien, aber auch aus Nord- und Südamerika bereits Flugtickets für die Ausstellung gekauft, die sie nicht zurückgeben konnten. «Zu den angemeldeten Gästen gehört auch die Spanische Botschafterin und ihre Kulturattachée.»

Grosse Halle hätte gut gepasst

Mehr noch als den finanziellen Schaden bedaure er aber, dass dem Publikum die Ausstellung vorenthalten wird. «Meine sprechenden Bilder sind einzigartig – die Ausstellung hätte weit über Bern hinaus Beachtung gefunden», sagt zZARÁ. Zudem sei die Grosse Halle eigentlich der ideale Ort für seine sozialkritischen Werke. So sei es der einzige nicht-kuratierte Ausstellungsort der gesamten Schweiz. «Auch die Sprayereien in der Halle selber und auf dem Areal hätten gut zu meiner Ausstellung gepasst.» Schliesslich sei es ihm ein grosses Anliegen gewesen, in der Stadt auszustellen, wo er sein Studium gemacht habe. Der Künstler zZARÁ wohnt mittlerweile in Madrid, ist aber in Burgdorf aufgewachsen und hat Kunst, Soziologie und Archäologie in Bern studiert.

Leitung hofft auf baldige Einigung

Die «Wohlstandsverwahrlosten», wie sich die Besetzer der Grossen Halle nennen, waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Nina Engel, Co-Leiterin der Grossen Halle, bedauert aber die Absage, wie sie auf Anfrage sagt. «Ich verstehe auch den Frust des Künstlers, da er schon sehr viel Vorbereitungsarbeiten geleistet hat.» Die Trägerschaft der Grossen Halle versuche, dem Künstler ein neues Datum anzubieten. «Wir sind gewillt, eine Lösung zu finden, damit die Ausstellung zu einem anderen Zeitpunkt noch stattfinden kann.» Der Künstler zZARÁ wäre – trotz der Querelen – offen für einen zweiten Anlauf. «Bedingung ist allerdings, dass die Durchführung und die Sicherheit der Werke garantiert werden können», sagt er.

Seit die Besetzer Ende März die Grosse Halle in Beschlag genommen haben, war die Ausstellung von zZARÁ die einzige programmierte Veranstaltung, die nicht stattfinden konnte. Während des monatlichen Flohmarkts duldeten die Besetzer die Verkäufer. Doch bereits im Mai stehen weitere Veranstaltungen an.

Engel zeigt sich «optimistisch», dass die programmierten Theaterproduktionen auch tatsächlich durchgeführt werden können. «Die Verhandlungen mit den Besetzern stimmen uns zuversichtlich», sagt sie. Engel hofft, dass bereits an diesem Wochenende eine vorläufige Einigung mit den Besetzern erzielt werden kann. Zur Frage, wie eine solche Einigung inhaltlich aussehen könnte, will sie sich aber noch nicht äussern.

Der Bund

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