Argumentieren mit Bildern, die lügen?

Die Umfahrungsbefürworter arbeiten mit einer Fotomontage, die eine «reale» Situation zeigen soll. Beginnt hier das Reich von Fake-News?

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Wer ein Auge dafür hat, sieht es auf den ersten Blick: Das Sujet, das die Befürworter der Umfahrung Aarwangen derzeit überall aufschalten und drucken lassen, ist eine Fotomontage. Bei den Lastwagen, der Bahn und dem Mädchen handelt es sich zwar um «echte» Bildelemente; sie sind aber erst später zusammengefügt worden.

Das führt zwangsläufig zu Unstimmigkeiten bei Licht und Schatten, Distanzen und Proportionen. Die Frage ist jetzt natürlich, ob es schlimm ist, wenn jene Leute, die nicht wissen, was mit Bildbearbeitungs-Programmen heute alles möglich ist, dieses Bild als echt betrachten. Oder anders gefragt: Ist das Bild Fake-News?

«Es ist kein Bild, es ist ein Plakat»

Nina Zosso, Leiterin der Kommunikationsstelle von Berner KMU und der Kampagne des Pro-Komitees, bestreitet es vehement. Es sei klar, sagt sie, dass dieses Sujet so nicht fotografiert werden konnte. Nur schon des Mädchens wegen, das viel zu lange am Strassenrand hätte stehen müssen.

«Es ist aber auch kein Bild», sagt sie, «es ist ein Plakat, es ist unser Kampagnensujet.» Wichtig sei, dass die politische Aussage stimme und nicht irreführend sei. Und das sei hier ganz klar der Fall, denn das Plakat zeige «eine reale Situation in Aarwangen».

Zosso bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie gar nichts davon hält, wenn die Fotomontage mit dem Thema Fake-News in Verbindung gebracht wird. Sie verweist auf die Kampagne der Umfahrungsgegner, die ebenfalls mit einer Fotomontage arbeiten. Es habe keinen Sinn, die Sujets gegeneinander auszuspielen, sagt sie.

Wenn man aber über Fake-News sprechen wolle, dann müsste man über die Inhalte der Gegner reden, über ihre Variante «Null plus» zum Beispiel, die bei dieser Abstimmung gar nicht zur Diskussion stehe.

Es stimmt. Auch die Umfahrungsgegner arbeiten mit einer Montage. Ihr Bild zeigt echte Fahrzeuge in einer echten Umgebung auf einer unechten Strasse – auf der Strasse, die sie bekämpfen. Umfahrungskritiker Fredy Lindegger sagt, das sei entscheidend. «Bei uns wird aus diesem Grund sofort klar, dass es eine Montage ist.»

Gestellte Bilder wie jenes der Befürworter seien kein Skandal, sagt er, es störe ihn aber, wenn damit Angstmacherei betrieben werde. Lindegger sagt, dass die Konstellation, wie sie die Befürworter darstellen, wegen der Verkehrssteuerung real nicht möglich sei.

Das aber wird bei der Aare Seeland mobil AG, welche die Bahn betreibt, die durch Aarwangen fährt, bestritten. Eine Situation, wie sie die Befürworter auf ihrem Bild zeigten, sei bei hohem Verkehrsaufkommen durchaus realistisch. Durch Ampeln ober- und unterhalb des abschüssigen Abschnitts werden Motorfahrzeuge gestoppt, wenn ein Zug kommt.

Einigen Fahrzeugen aus der Gegenrichtung begegnet der Zug trotzdem. Solche, die in die gleiche Richtung fahren, müssen dem Zug den Vortritt lassen und können ihn nicht mehr einholen.

Hat sich aber ein Stau gebildet, kann es sein, dass der Zug Autos und Lastwagen überholt, die stehen oder nur langsam vorankommen. Zu berücksichtigen seien zudem Fahrzeuge, die aus Seitenstrassen und von Parkplätzen einbiegen, heisst es bei der Bahngesellschaft. (Der Bund)

Erstellt: 02.05.2017, 06:49 Uhr

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