Zum Hauptinhalt springen

Folgen der Corona-KriseArbeitslosigkeit in den USA steigt auf fast 15 Prozent

Wegen des Shutdown gehen in einem Monat so viele Stellen verloren, wie die US-Wirtschaft zuvor in elf Jahren geschaffen hat.

Die Schlangen vor den Arbeitsämtern in den USA werden immer länger, wie hier in Fayetteville im US-Bundesstaat Arkansas.
Die Schlangen vor den Arbeitsämtern in den USA werden immer länger, wie hier in Fayetteville im US-Bundesstaat Arkansas.
Foto: Nick Oxford (Reuters) 

Die Corona-Krise hat in den USA allein im April 20,5 Millionen Menschen den Job gekostet. Wie die Regierung in Washington am Freitag mitteilte, stieg die Arbeitslosenquote von 4,4 auf 14,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit der sogenannten Grossen Depression in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Damit wurden in einem Monat fast so viele Stellen vernichtet, wie die Firmen in den elf Jahren seit der Überwindung der vorigen Rezession geschaffen hatten.

Dabei spiegeln die Zahlen mutmasslich noch nicht einmal das ganze Ausmass der Misere wider, die den US-Arbeitsmarkt in den vergangenen Wochen ereilt hat. Die Regierung gestand ein, dass in den Statistiken Hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen fehlen könnten, die zwar im April ihre Stelle verloren, sich aber nicht umgehend auf die Suche nach einer neuen gemacht hätten.

Experten befürchten, dass es viele Monate, ja Jahre dauern könnte, bis der Stellenabbau wieder wettgemacht ist.

Ohnehin sorgen die US-Arbeitsmarktstatistiken immer wieder für Stirnrunzeln, da etwa die Beschäftigtenzahl und die Erwerbslosenquote auf der Grundlage völlig unterschiedlicher Datenbasen erhoben werden. Manche Experten schätzen deshalb, dass die Quote in Wahrheit bei mehr als 20 Prozent liegt. Andere gehen sogar von einer noch viel höheren Zahl aus, wenn man tatsächlich alle Menschen, die einen Job wollten, aber keinen hätten, einbezöge.

Eine weitere Kategorie sind die sogenannten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die sich in den vergangenen sieben Wochen landesweit auf die nie dagewesene Zahl von 33 Millionen summiert hatten. Allerdings geben die Daten keinen Aufschluss darüber, wie viele Menschen nach nur kurzer Erwerbslosigkeit einen neuen Job gefunden haben. So stellen in den USA etwa Lebensmittelanbieter, Logistikfirmen oder Lieferdienste derzeit in grossem Stil Mitarbeiter ein.

Das allerdings reicht bei Weitem nicht, um auch nur ansatzweise die massiven Stellenverluste auszugleichen, welche die behördlich angeordneten Kontakt- und Reisebeschränkungen sowie die weitgehende Einstellung der Produktion in Millionen grosser und kleiner Firmen nach sich gezogen haben. Experten befürchten, dass es viele Monate, ja Jahre dauern könnte, bis der Stellenabbau wieder wettgemacht ist. Bis Februar war die Beschäftigtenzahl in den USA 113 Monate in Folge gestiegen. Die Arbeitslosenquote erreichte mit 3,5 Prozent den niedrigsten Stand seit 50 Jahren.