«Angst, dass das Geschäft kaputtgeht»

Verschiedene kleine Berner Skigebiete haben wenig Freude am gestern lancierten gemeinsamen Saisonabo der grossen Destinationen. Sie fühlen sich übergangen oder werfen den Grossen Dumping vor.

Die Kleinen wie die Wiriehornbahnen wurden nicht informiert.

Die Kleinen wie die Wiriehornbahnen wurden nicht informiert.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Die kleinen Skigebiete erfuhren davon aus der Zeitung: vom gemeinsamen Saisonabo, das die Jungfrauregion, Gstaad, Meiringen-Hasliberg und Adelboden-Lenk gestern lancierten. Das kam nicht überall gut an. Eine Vertreterin eines kleinen Skigebiets, die nicht namentlich genannt werden will, sagt: «Ich hätte es schön gefunden, wenn wir angefragt worden wären.» Und: «Mein erster Gedanke war: ‹Was der Schneemangel nicht schaffte, schafft jetzt dieses Abo.›»

Verärgert sei sie nicht, sagt Marina Schmoll, Geschäftsführerin der Wiriehornbahnen, die sich derzeit in Nachlassstundung befinden. Aber: «Wir hätten uns vielleicht überlegt, mitzumachen.» Sie fände es grundsätzlich gut, wenn Skigebiete zusammenarbeiteten. Noch besser wäre es aber gewesen, wenn das über das gesamte Oberland geschehen wäre.

Heute gibt es bereits den Saison-Sportpass Berner Oberland. Bei ihm sind auch die Kleinen mit dabei. Er kostet mit 1200 Franken aber fast doppelt so viel das gestern lancierte Saisonabo. Und er werde nicht so oft verkauft, sagt Bernhard Tschopp, Betriebsleiter der Niederhornbahnen. «Vielleicht hätte es die Möglichkeit gegeben, diesen Pass etwas günstiger zu machen», sagte Schmoll von den Wiriehornbahnen. Ihr Fazit: «Wir werden sicher den einen oder anderen Kunden an diese Aktion verlieren.» Das bedeute, dass sich die kleinen Skigebiete noch viel mehr auf ihre Stärken fokussieren müssten.

Sie tun das unter anderem mit dem Skipass «Voralpen-Charme». Er umfasst 19 kleine Skigebiete aus der Thunerseeregion, deren gemeinsamer Saisonpass mit 620 Franken in einer ähnlichen Preisspanne liegt wie das Abo der Grossen. Neben den Wiriehornbahnen gehören unter anderem die Skigebiete Niederhorn und Grimmialp zum «Voralpen-Charme».

Ueli Wampfler, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Grimmialp-Bergbahnen, sieht dem neuen Pass gelassen entgegen: «Das ist kein Problem.» Seine Kundschaft sei eine andere als die der grossen Gebiete. Seine Kunden schätzten die kurzen Anfahrtswege. Auch Bernhard Tschopp von den Niederhornbahnen ist der Ansicht, dass der «Voralpen-Charme»-Pass sowie der gesamtoberländische Pass für sein Skigebiet reichten. «Wir hätten bei der neuen Aktion wahrscheinlich nicht mitgemacht», sagt er.

«Es wäre komplexer geworden»

Dennoch sieht er das 666-Franken-Abonnement kritisch. «Ich habe Angst, dass das Wintersportgeschäft durch diese Preispolitik kaputt gemacht wird.» Die Skigebiete verkauften sich zu billig. Es sei fraglich, ob so die Qualität gehalten werden könne. «Es wäre zwar gut, wenn dadurch wieder mehr Leute zum Skifahren bewegt werden könnten», so Tschopp. Er sei sich aber nicht sicher, ob das mit tieferen Preisen klappe. Es könne auch sein, dass davon einfach jene profitierten, die ohnehin auf die Piste gingen.

Deutliche Worte zum neuen Angebot findet David Wandfluh vom Skigebiet Oeschinensee: «Das sind Dumpingpreise. Es ist ein reiner Verdrängungskampf.» Dadurch bringe man langfristig die zusätzlich benötigten Skifahrer nicht auf die Pisten. Er hätte deshalb auf keinen Fall beim Angebot mitgemacht. «Wir verfolgen die Politik, in Qualität zu investieren», sagt er. Das sei fairer, als Preise zu machen, die langfristig ohnehin nicht zu halten seien.

Jungfraubahn-Chef Urs Kessler verteidigt gegenüber dem «Bund» seine Allianz der Grossen. «Je mehr Partner, desto komplexer ist eine Kooperation», sagt er. Man wolle jetzt einmal schauen, wie sich der neue Pass bewähre. Im nächsten Jahr könne dann immer noch überprüft werden, ob allenfalls weitere Partner an Bord geholt werden sollten.

Das freut Christian Hulliger, Präsident des Skigebiets Axalp. «Wir würden eine Teilnahme sicher prüfen», sagt er. Ob man mitmachen würde, hinge aber letztlich vom Verteilschlüssel ab.

Der Bund

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