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Konkurrenz im MedikamentenversandAmazon steigt ins Apothekengeschäft ein

In den USA können Patienten künftig verschreibungspflichtige Medikamente vom Versandriesen beziehen. Amazon lockt Selbstzahler mit hohen Rabatten. Die Sorge vor einem Einstieg in Europa lässt die Aktien der Onlineapotheke Zur Rose einbrechen.

Bahnhof-Apotheke in Zürich: Beim Absatz von Medikamenten dominieren in der Schweiz stationäre Apotheken. Amazon will das ändern und startet zunächst in den USA den Versand von Pharmazeutika.
Bahnhof-Apotheke in Zürich: Beim Absatz von Medikamenten dominieren in der Schweiz stationäre Apotheken. Amazon will das ändern und startet zunächst in den USA den Versand von Pharmazeutika.
Foto: TA-Archiv

Amazon steigt ins Apothekengeschäft ein und startet das neue Angebot Amazon Pharmacy. Patienten können sich auch verschreibungspflichtige Medikamente nach Hause senden lassen, wie Amazon mitteilte. Dabei lockt Amazon mit grossen Rabatten.

Das Angebot ist zunächst auf die USA beschränkt, doch Amazon weitet in der Regel seine Dienstleistungen auch auf andere Märkte aus. Die Aktie der Schweizer Onlineapotheke Zur Rose sanken daher um rund 5 Prozent, die Papiere des Konkurrenten Shop-Apotheke verloren 8 Prozent.

Zwei Optionen beim Bezahlen

Zur Rose expandiert mit einer aggressiven Zukaufstrategie in ganz Europa. Das Unternehmen versucht, sich als Marktführer im Medikamentenversand zu etablieren, denn im Onlinegeschäft dominiert meist ein Anbieter.

Im Versandhandel ist das ohne Zweifel Amazon. Nun baut der US-Riese auch sein Gesundheitsgeschäft aus: Bei Amazon Pharmacy können Nutzer auf dem Computer oder in der App ihre Versicherungsdaten registrieren und ihre Zahlungsoptionen hinterlegen. Verschreibende Ärzte können die Rezepte direkt an Amazon senden. Beim Bezahlen bietet Amazon den US-Kunden zwei Optionen: inklusive Versicherung oder ohne.

In den USA verlangen die meisten Krankenversicherer hohe Kostenbeteiligungen von den Patienten beim Bezug von Medikamenten. Amazon bietet den Kunden des Service Prime beim Medikamentenkauf hohe Rabatte. Laut Medienmitteilung könnten Prime-Kunden bis zu 80 Prozent gegenüber dem Listenpreis bei Nachahmermedikamenten (Generika) sparen. Bei patentgeschützten Markenwirkstoffen betrage der Rabatt bis zu 40 Prozent, wenn der Kunde das Mittel selbst komplett zahle, so die Medienmitteilung. Vor dem Bezahlen könnten Kunden vergleichen, ob es günstiger ist, das Mittel selbst zu zahlen oder die Versicherung in Anspruch zu nehmen.

Riesige Finanzkraft

Bereits 2018 ist Amazon in den US-Pharmamarkt eingestiegen, als der US-Versandriese für geschätzt eine Milliarde Dollar die Onlineapotheke Pillpack übernommen hatte. Das Unternehmen hat sich auf die Medikamentenversorgung chronisch kranker Patienten spezialisiert, die mehrere Medikamente am Tag benötigen.

Die Frage ist, ob und wie schnell Amazon auch in Europa als Versandapotheke starten kann. Der Markt ist strenger reguliert als in den USA, das gilt vor allem für den Versand von verschreibungspflichtigen Mitteln.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres verdiente Amazon rund 14 Milliarden Dollar. Mit dieser Finanzkraft dürfte Amazon gerüstet sein, auch den europäischen Apothekenmarkt in Angriff zu nehmen.

6 Kommentare
    Dario M.

    Ich frage mich warum die Leute so naiv sind und da einkaufen. Ich frage mich immer wieder....